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Flesch, Max und Hella

Max, korrekt Maximilian, Flesch wurde in Frankfurt am Main geboren und war seit 1887 mit der Sozialarbeiterin Hella Flesch, geb. Wolf, verheiratet. Er besuchte die Musterschule und das Frankfurter Gymnasium, studierte Medizin in Bonn, Würzburg und Berlin. 1872 promovierte er in Würzburg, wo er von 1874 bis 1882 Assistent am anatomischen Institut war. 1879 folgte die Habilitation für Anatomie. 1870/71 war er als Krankenpfleger im Deutsch-Französischen Krieg eingesetzt. 1882 wurde er Professor für Anatomie in Bern, ehe er 1888 nach Frankfurt zurückkehrte, wo er sich zunächst als praktischer, dann als Frauenarzt niederließ. Er arbeitete im Ärztlichen Verein, in der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft, im Physikalischen Verein, in der Anthropologischen Gesellschaft, im Hauspflege-Verein, im Gesamtverband zur Bekämpfung von Alkoholismus, in der Gesellschaft zur Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten und im Friedensverein. Im 1. Weltkrieg war er zuletzt Generaloberarzt und Kriegslazarettdirektor. Flesch war auch medizinischer Schriftsteller mit zahlreichen Publikationen.

Hella Flesch aus Berlin engagierte sich in der Sozial- und Jugendarbeit sowie in der Frauenbildung. Sie war Gründerin und Vorsitzende des Hauspflegevereins, Mitbegründerin des Metaheims, Mitglied im Vaterländischen Frauenverein. Im Ersten Weltkrieg Sozialarbeiterin zum Schutz und zur Überwachung des weiblichen Hilfsdienstes in Frankreich; 1917 Verdienstkreuz für Kriegshilfe.

Hella und Max Flesch hatten drei Kinder, die Tochter Dora starb elfjährig, Tochter Ilse konnte 1938 in die USA emigrierten, Sohn Heinz wurde nach der Pogromnacht 1938 ins KZ Buchenwald gebracht, er kam dort frei, da er ein Visum für England hatte.

Nach 40jähriger Tätigkeit als Frauenarzt gab Max Flesch 1928 seine Praxis auf. Es folgte die Übersiedlung nach Hochwaldhausen im Vogelsberg. Die medizinische Wochenschrift nahm seine Beiträge nicht mehr an, 1938 wurde Max Flesch als „Nichtarier“ aus der Liste der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina gestrichen. Am 13.9. 1942 wurde das hochbetagte Ehepaar in Hochwaldhausen von der Gestapo abgeholt. Mit einem Lastwagen wurden sie nach Gießen in ein Gemeinschaftslager in einer Schule und von dort einen Tag später nach Darmstadt gebracht. Dort durften sie als einzige unter 300 Insassen in ein Altersheim ziehen, wo sie noch am 27. 9. lebten, ehe sie deportiert wurden. Aus Darmstadt schrieb Hella Flesch noch einen Brief an ihre Enkelin Dora, in dem sie die schlimmen Zustände seit der Abholung in Hochwaldhausen schilderte. Die Enkelin, Tochter von Heinz Flesch, lebt heute in den Niederlanden.

Bei der Verlegung der Stolpersteine waren Marlies Flesch-Thebesius (Frankfurt am Main) und Hedi Flesch (Kronberg) anwesend.

Personen
Max Flesch
Geburtsdatum:1.1.1852
Deportation:27.9.1942 nach Theresienstadt
Todesdatum:6.5.1943
Hella Flesch, geb. Wolff
Geburtsdatum:6.7.1866
Deportation:27.9.1942 nach Theresienstadt
Todesdatum:20.4.1943
Stolperstein Rüsterstraße 20, Hella Flesch © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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Stolperstein Rüsterstraße 20, Max Flesch © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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