Logo FRANKFURT.de

Fuld, Otto und Frieda

Frieda Fuld war die Tochter des Drogisten Salomon Sander und von Lina Sander, geb. Baer, an die in der Querstraße 1 zwei Stolpersteine erinnern. Sie heiratete den Kaufmann Otto Fuld. Sie sind beide in Frankfurt geboren und aufgewachsen. Um 1922 wohnten sie in der Kronberger Straße 42. Am 12.6.1923 wurde ihre einzige Tochter Lily Hedwig geboren, die die Holzhausen-Grundschule besuchte.

Otto Fuld © Literatur
Dieses Bild vergrößern.

Otto Fuld besuchte in Frankfurt ein Gymnasium bis zur Mittleren Reife; Er nahm am 1.Weltkrieg teil und erhielt das eiserne Kreuz erster Klasse. Er absolvierte eine kaufmännische Ausbildung bei der Exportfirma „Philipp Deutsch“, Neue Mainzer Straße, für die er später als Vertreter beschäftigt war; am 19. Mai 1924 gründete er eine Firma, die ab 1925 zusammen mit einem Teilhaber als „OHG Otto Fuld & Jakob Hirsch, Handel und Vertretung in Bijouterien, Silber und Alpaka“, Neue Mainzer Straße 77/I, mit fünf bis sechs Beschäftigten registriert war.

Die Tochter Lily erzählte: „Mein Vater spielte in seiner Freizeit Fußball bei Eintracht Frankfurt, besuchte gerne die Spielwarenmesse in Nürnberg und brachte mir, der geliebten Tochter, schöne Spielsachen mit. Auch bei den Wagnerfestspielen in Bayreuth war die Familie zu Gast. Er hatte viele Geschäftsfreunde in Schweden. 1934 hätte er die Chance gehabt, mit der ganzen Familie dorthin auszuwandern. Aber er liebte seine Heimatstadt Frankfurt. Und er dachte, ihm könne nichts passieren; er hat doch von 1914 -18 für Deutschland gekämpft und ist mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden! Er dachte immer, es wird bald wieder besser werden!“

Am 6.1.1939 schied der Geschäftspartner aus, vermutlich wegen seiner Flucht in das Exil; am 9.3.setzte der Regierungspräsident einen Wirtschaftsprüfer als Treuhänder der Firma ein; es folgte die Auflösung des Geschäftes durch außergerichtlichem Vergleich mit den Gläubigern und die gewerbesteuerliche Abmeldung am 29.10.1939.

Im Zusammenhang mit dem November-Pogrom wurde Salomon Sander vom 12. bis 30. 11.1938 im Konzentrationslager Buchenwald (Häftlingsnummer 26133) inhaftiert. Dazu die Tochter: „Am 10. November 1938 abends um 7 Uhr klingelte es an der Tür. Es standen zwei SS-Männer vor der Tür. Es waren zwei Mitglieder von Eintracht Frankfurt, wo auch mein Vater Fußball spielte. Sie fragten nach meinem Vater und sagten: ‚Es tut uns leid, aber wir müssen dich mitnehmen.’ Zu Mutti und Oma sagten sie: ‚Macht euch keine Sorgen. Der Otto kommt morgen wieder nach Hause.’ Vati nahm Abschied. Wir hörten nichts mehr. Erst ein paar Wochen später erfuhren wir, dass er nach Buchenwald verschleppt wurde! Das neue Jahr 1939 kam, aber noch keine Nachricht von ihm. Ende Januar klingelte das Telefon. Vati war es und er sagte: ‚Ich komme nach Hause!’ Es herrschte große Freude, aber wie wir Papa sahen, sind wir sehr erschrocken! Er sah so ausgehungert aus. Aber durch Muttis Fürsorge hat er wieder zugenommen, und es ging mit ihm bergauf. Seitdem hatte er aber mit der Schilddrüse zu tun. Vati hat nie ein Wort über das KZ gesprochen!“

Die Eltern versuchten, über England in die USA zu gelangen. Schließlich ergab sich für Tochter Lily die Möglichkeit, am 21.6.1939 mit einem Kindertransport nach England ins Exil zu entkommen. Nach Kriegsbeginn gab es keinen telefonischen Kontakt mehr mit der Familie.

Nach Zeugenaussagen wurde Otto Fuld vor seiner Deportation zur Zwangsarbeit verpflichtet. Laut Angaben des Roten Kreuzes erscheint eine „Friedel Fuld“ ebenso wie ihr Ehemann in einer Liste des Amtsgerichtspräsidenten mit dem Vermerk „Arrest 13 G 54/41, ausg. 1941 v. A[mts]G[ericht] Ffm.". Nach der Telemannstraße 12 wohnten die Eheleute zuletzt in der Feldbergstraße 5.

Lily Fuld ist in England Krankenschwester geworden. Im März 1948 hat sie einen Holländer Meijer geheiratet und mit ihm in Scheveningen/Den Haag gelebt. 1952 ist ihr Sohn Roy geboren, der heute noch dort wohnt. In zweiter Ehe ist sie jetzt mit einem ehemaligen Frankfurter Jugendfreund Walter Gutmann bei Chicago verheiratet, der 1939 nach seiner Entlassung aus Buchenwald emigrieren konnte.

Bei der Verlegung waren Rosl Reuther, Coburg, Urenkelin von Jakob Bär, Bruder von Lina Sander, und ihr Ehemann Gerhard Reuther anwesend. Beide sind mit Lily Gutmann-Fuld/USA freundschaft- und verwandtschaftlich verbunden.

Personen
Frieda Fuld, geb. Sander
Geburtsdatum:7.11.1893
Deportation:19.10.1941 nach Lodz
Todesdatum:unbekannt
Otto Fuld
Geburtsdatum:22.3.1894 in Frankfurt am Main
Deportation:19.10.1941 nach Lodz
Todesdatum:unbekannt
Stolperstein Telemannstraße 12 - Frieda Fuld © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
Dieses Bild vergrößern.
Stolperstein Telemannstraße 12 - Otto Fuld © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
Dieses Bild vergrößern.