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Ullmann, Ferdinand

Ferdinand Ullmann stammte aus Westerburg (Westerwald) und war der Sohn von Nathan Ullmann und Täubchen Ullmann (Geburtsname nicht bekannt). Ende des 19. Jahrhunderts zog er mit seiner Familie nach Frankfurt und gründet in der Kaiserstr. 12a ein Damenkonfektionsgeschäft. Dieses Geschäft verhalf ihm bis zur Aufgabe im Jahr 1925 zu einem gewissen Wohlstand. Hier wohnte er auch mit seiner Frau Rosa Ullmann, geb. Wolf, und den Töchtern Alice und Anna.

Nach dem Tod seiner Frau am 30.1.1933 lebte Ferdinand Ullmann im Haus der Familie seiner Tochter Alice Hammel in der Holbeinstr. 12. Nach dem Zwangsverkauf dieses Hauses zog er Anfang des Jahres 1938 mit der Familie der Tochter in die Palmengartenstr. 4. Nach dem Tod des Schwiegersohnes Max Hammel - er starb an den Folgen der Misshandlungen, die ihm bei der Verhaftung während des Novemberpogroms angetan wurden - betrieb Alice Hammel die Auswanderung zu ihrer Tochter nach Mexiko. Ihr gelang im letzten Moment 1940, schon im Krieg, die Auswanderung. Sie wohnte zuletzt in einer Pension in der Myliusstraße.

Zu diesem Zeitpunkt lebte Ferdinand Ullmann schon in der Liebigstr. 27b, im 2.Stock. Er musste eine „Judenvermögensabgabe“ in Höhe von 9.500 Reichsmark entrichten und einen „Heimeinkaufvertrag“ in Höhe von 5.000 Reichsmark abschließen, mit dem die Unterzeichneten glaubten, ihren Lebensabend in einem Altersheim zu finanzieren.

Mit dem ersten Transport, der nach Theresienstadt ging, wurde Ferdinand Ullmann von Frankfurt aus deportiert. Tage vorher hatte man ihn und andere meist alte Menschen aus ihren Wohnungen in Altersheime gezwungen und sie von dort aus zum Ostflügel der Großmarkthalle und dem dahinter liegenden Gleis 40 zum Personenzug nach Theresienstadt gebracht. Elf Personen starben auf der Fahrt und nur siebzehn Personen dieses Transports überlebten das Kriegsende.

Die Familie in den USA bewahrt eine letzte Nachricht des Vaters und Großvaters Ferdinand Ullmann vom 7. Juli 1942:

„Liebe Kinder (………) Abreise Montag, wohin unbekannt. Bis jetzt ohne Nachricht. Bin gesund. Hoffe gleiches von Euch. Herzlichen Gruß Vater“. Diese Nachricht trifft am 1. Dezember 1942, vom Roten Kreuz vermittelt, bei seiner Tochter Anna Neu in New York ein.

Am Grab seiner Frau Rosa Ullmann auf dem Jüdischen Friedhof in der Eckenheimer Landstraße haben Ferdinand Ullmanns Nachkommen ihm zum Gedenken eine Tafel angebracht.

Personen
Ferdinand Ullmann
Geburtsdatum:17.11.1857
Deportation:18.8.1942 nach Theresienstadt
Todesdatum:26.8.1942

Quelle

Literatur: Joachim Jösch/Uli Jungbluth u.a. (Hg.), Juden im Westerwald. Leben, Leiden und Gedenken. Montabaur 1998
HHSTA Abt. 518/Paket 1044/W-31166 (Verwandter Simon Ullmann), Paket 1044/W-36379 (Verwandte Toni Ullmann), Paket 1055/W-32960
„Die Bibliothek der Alten“, Historisches Museum Frankfurt am Main: Briefe und Dokumente der Familie Hammel.

Stolperstein Liebigstraße 27b Ferdinand Ullmann © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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