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Bohn, Helene

Helene Bohn ist in Frankfurt am Main geboren und war Grafikerin. Sie war zwar Kind jüdischer Eltern, gehörte selbst jedoch nicht der Jüdischen Glaubensgemeinschaft an. Ihr nichtjüdischer und wohl evangelischer Ehemann Hans Bohn stammte aus Oberlahnstein und war Soldat im Ersten Weltkrieg gewesen. Die 1919 erfolgte Heirat war nach späterer nationalsozialistischer Definition eine „Mischehe“. Der 1921 geborene Sohn wurde evangelisch getauft. Auch Hans Bohn war Maler und Grafiker, 1937 erhielt er wegen seiner Ehe mit einer Jüdin Berufsverbot durch die Kulturkammer.

Helene Bohn wurde im Januar 1943 durch den Frankfurter Beauftragten der Geheimen Staatspolizei Ernst Holland verpflichtet, in der Buchbinderei der Firma „August Osterrieth“ Zwangsarbeit zu leisten. Obwohl sie als Partnerin in einer „privilegierten Mischehe“ keinen diskriminierenden gelben Stern tragen musste, wurde sie gezwungen, diesen während der Arbeitszeit als Armbinde anzulegen. Für den 12. Februar 1943 wurde sie von der Geheimen Staatspolizei vorgeladen, am selben Tag verhaftet und im April 1943 in das Vernichtungs- und Konzentrationslager Auschwitz verschleppt, wo sie unter der Häftlingsnummer 26325 registriert wurde und noch im selben Jahr im Alter von 52 Jahren ums Leben kam. Laut Ermittlungsakten konnte der Ehemann die Verladung der Deportierten auf dem Hauptbahnhof selbst beobachten. Nach einer Mitteilung an die Angehörigen erkrankte Helene Bohn in Auschwitz am 16. Juli 1943 angeblich an Darmkatarrh bei Grippe und starb daran.

Heinrich Baab, Sachbearbeiter der Geheimen Staatspolizei, wurde wegen des Todes von Helene Bohn 1950 des vollendeten Mordes für schuldig befunden. Er erhielt in einem Sammelverfahren insgesamt eine lebenslange Zuchthausstrafe.

Personen
Helene Bohn, geb. Collin
Geburtsdatum:4.3.1891
Deportation:April 1943 nach Auschwitz
Todesdatum:22.7.1943
Stolperstein Altkönigstraße 13 Helene Bohn © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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