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Knauf, Karl

Karl Knauf wurde im Rödelheimer Battenberger Weg 7 geboren und lebte später in der Wehrhofstraße 10. Er war Werkzeugmacher, heiratete Katharine Müller am 20.12.1924 und hatte mit ihr eine Tochter. Als Schlosser arbeitete er zuletzt in den Adler-Werken in Frankfurt-Gallus, bis er am 7.1.1943 von seinem Arbeitsplatz weg verhaftet wurde. Am 18.1.1943 zeigte das Reichssicherheitsamt in einer streng vertraulichen Meldung an, dass aufgrund staatspolizeilicher Ermittlungen Mitglieder einer „illegalen Zelle“ unter anderem auch in den Adler-Werken verhaftet worden waren, weil sie „bei jeder sich bietenden Gelegenheit unter Verwendung abgehörter ausländischer Rundfunknachrichten im kommunistischen und defaitistischen Sinn politisiert hatten“. Zu dieser „Zelle“ war auch Karl Knauf gezählt worden. Heinrich Heil, der ebenfalls am 7.1.1943 verhaftet worden war, berichtete später, dass sie erst bei der Vernehmung über die Haftgründe informiert wurden: Abhören feindlicher Sender und Wehrkraftzersetzung. Nach seiner Überzeugung hatte es sich um Denunziation gehandelt.

Unmittelbar nach seiner Festnahme kam Karl Knauf zunächst für vier Tage in das Gefängnis Frankfurt-Preungesheim. Danach wurde er in das Gefängnis in der Hammelgasse verbracht. Wie seine Frau Käthe später im Entschädigungsverfahren berichtete, war ihr Mann während der Haft schwersten Misshandlungen ausgesetzt. Sie hat ihn dort bei einem Besuch als seelisch gebrochenen Menschen erlebt. Dabei hätten sich der Gestapobeamte und Kriminalsekretär Georg B. durch Grausamkeit besonders hervorgetan. Nach Kriegsende wurde B. aufgrund der Aussagen von Angehörigen und Opfern – darunter auch Frau Knauf – zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Während dieser Haft war Karl Knauf ein Rechtsanwalt zur Seite gestellt worden. Nach dessen Aussage legte die Staatspolizei Karl Knauf nach seiner Freilassung am 21.4.1943 nahe, sich noch einmal Anfang Juli zu melden, da sein Fall noch nicht abgeschlossen sei. Am 9.7.1943 wurde Karl Knauf in das SS-Arbeitslager Friedrichshafen, einem Nebenlager des KZ Dachau, deportiert, wo er am 31.10.1943 im Alter von 44 Jahren umkam. Die Gerichtsakten lassen vermuten, dass die erfolgte Haftentlassung nur eine vorübergehende Entscheidung und nicht wirklich intendiert war, denn bereits am 15.2.1943 hatte der Oberstaatsanwalt des Frankfurter Landgerichts die „Strafsache Knauf zuständigkeitshalber an den Herrn Oberreichsanwalt beim Volksgerichtshof Berlin“ abgegeben.

Personen
Karl Knauf
Geburtsdatum:22.3.1899
Deportation:7.1.1943 Verhaftung, 9.7.1943 in SS-Arbeitslager Friedrichshafen
Todesdatum:31.10.1943

Quelle

Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden; Zum Entschädigungsverfahren der Witwe, siehe: Gruppe Stadtteilerkundung Rödelheim, Die zweite Qual. Entschädigungsverfahren für Verfolgte der NS-Zeit, Frankfurt 1996, S.87f.