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Eisenstein, Ilse, Inge und Ruth

Ilse Eisenstein aus Göttingen war mit dem 25 Jahre älteren Fabrikanten und Kaufmann Gustav Eisenstein verheiratet, der am 16.3.1934 starb. Die Familie hatte Eigentumsanteile in der Bühlerstr. 28a und im Nikolausberger Weg in Göttingen sowie in der Wildenbruchstr. 14/Ecke Wildenbruchplatz 1-2 in Berlin.

Ilse Eisenstein musste eine Judenvermögensabgabe von 36.750 zahlen, als Reinvermögen wurde in Frankfurt 147.529 registriert. (20.3.1940: 79.535 Reinvermögen, 29.4.1941: 163.610 Aktivvermögen).

Ilse Eisenstein war Krankenschwester, am 8.5.1935 zog sie mit ihren Töchtern Inge und Ruth nach Frankfurt um. Hier wohnten sie zunächst im Oederweg 96/III, dann in der Oberlindau 65. Wann dieser Umzug erfolgte, ist nicht bekannt. Laut Hausstandsbuch zogen sie erst am 17.9.1941 dort ein, doch Friedrich Schafranek erinnert sich, bereits viel früher Ruth Eisenstein, die zwei Klassen tiefer als er im Philanthropin war, von der Schule nach Hause in die Oberlindau gebracht zu haben. Hier hatte sich eine enge Freundschaft der Eisensteins zur den Schafraneks in der nahen Kronbergerstraße 30 entwickelt.

Die Eisensteins kamen aus Göttingen nicht ganz allein. Im 3. Stock im Oederweg 96 wohnte laut Hausstandbuch bereits seit 21.6.1935 die Familie der Schwester von Ilse Eisenstein, die Rosenbergs: Georg Rosenberg, geb. 19.9.1878 in Hildesheim, ein Bankdirektor im Ruhestand, seine Frau Rosa, geb. Müller, geb. 25.5.1894 in Göttingen, und ihr Sohn Hermann, geb. 3.1.1915 in Göttingen, und die Zwillinge Gerhard und Ursula, geb. am 24.4.1921 in Fulda. Von Hermann Rosenberg ist ein Einzug am 3.7.1935 aus Gießen, ein Auszug am 8.8.1935 nach Chemnitz, ein erneuter Einzug am 20.11.1036 aus Chemnitz und dann ein Auszug am 22.12.1936 nach Vallejo. Was damit gemeint ist, es sich um Vallejo in Kalifornien in den USA handelt, also ein Emigrationsziel, ist nicht ermittelbar. Bei den Zwillingen ist der Auszug für 8.7.1939 eingetragen mit dem Wort „Brigaden“, womit ein Kindertransport gemeint ist.

Vier Monate zuvor am 10.3.1039 war die Mutter, Rosa Rosenberg, gestorben. Der Auszug des Vaters ist wie der für die Eisensteins der 17.9.1941 mit Ziel Oberlindau 55 angeführt. Friedrich Schafranek erinnerte sich an ihn als einen älteren, unangenehmen Herren. Georg Rosenberg wurde wie die Schafraneks am 19.10.1941 nach Lodz deportiert, wo er am 12.8.1942 starb. Ein Wechsel am 17.9.1941 in die Oberlindau 55 vom Oederweg 96/III ist auch für Ruth Seiferheld, geb. 3.4.1997 in Langenselbold, notiert. Sie wurde wahrscheinlich am 22.11.1941 nach Kaunas deportiert und dort am 25.11.1941 ermordet.

Auch Inge Eisenstein besuchte das Philanthropin. Doch dann im Sommer 1940 müssen die beiden Schwestern Frankfurt zumindest zeitweise wieder verlassen haben. Inge und Ruth nahmen nun laut Göttinger Gedenkbuch Schulunterricht in der Israelitischen Gartenbauschule in Hannover-Ahlem. Das Frankfurter Hausstandbuch verzeichnet den Wegzug aus dem Oederweg – obwohl sie dort zu dieser Zeit laut Schafranek gar nicht gelebt haben - für den 4. bzw. 9.9.1940 nach Ahlem.

Die Eisensteins zogen im Januar 1942 von der Oberlindau in die Aystettstr. 6/I, zuletzt lebten sie in der Wittelsbacher Allee 11.

Friedrich Schafranek, der für seine einstige Schulfreundin Ruth den Stolperstein stiftete, konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht wie vorgesehen bei der Verlegung anwesend sein. Er schickte ein Gedicht, das bei der Verlegung verlesen wurde.

Personen
Ilse Eisenstein, geb. Müller
Geburtsdatum:14.9.1895
Deportation:24.9.1942 nach Estland
Todesdatum:unbekannt
Inge Eisenstein
Geburtsdatum:24.1.1930
Deportation:24.9.1942 nach Estland
Todesdatum:unbekannt
Ruth Eisenstein
Geburtsdatum:6.3.1928
Deportation:24.9.1942 nach Estland
Todesdatum:unbekannt

Quelle

Friedrich Schafranek, Februar 2007; Uta Schäfer-Richter und Jörg Klein, Die jüdischen Bürger im Kreis Göttingen 1933-1945, Ein Gedenkbuch Herausgegeben von Karl-Heinz Manegold unter Mitarbeit von Peter Aufgebauer und Matthias Manthey, Göttingen 1992
Fotos: Stadtarchiv Göttingen