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Was geschah von Januar bis März?

Seit Januar Konstituierung einer studentisch-sozialistischen Opposition

Seit Beginn des Jahres 1968 lässt sich ein Prozess an vielen bundesdeutschen Universitäten beobachten: Mit der studentischen Opposition entwickelt sich eine sozialistisch-universitäre Öffentlichkeit, die in enger Verbindung zur Außerparlamentarischen Opposition steht. Während des gesamten Jahres kommt es zu mehreren Lehrveranstaltungsboykotten und Protestaktionen.

Peter Roehr und Paul Maenz, Inhaber des Ladengeschäfts 'Pudding Explosion', Frankfurt, 1968, © Horst 'Trebor' Kratzmann, digitalisiert durch das MMK Museum für Moderne Kunst, Archiv Peter Roehr, Inv.-Nr.: 2015/13/452
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25. Januar: Eröffnung des ersten Hippie-Ladens „Pudding Explosion“ in Deutschland

Auf rund 60 Quadratmetern kreieren Paul Maenz und Peter Roehr einen alternativen Headshop, der politische Slogans, internationale Zeitungen und alternativen Krimskrams in eine mit Räucherstäbchen geschwängerte Luft hüllt. „Psychodelicatessen mit Hippie-Zubehör“ nennen es die Ladeninhaber. Insbesondere durch kauffreudige Jugendliche war der Laden innerhalb weniger Tage leer gekauft. Der Headshop versorgte die Jugend- und Gegenkultur mit identitätsstiftenden Objekten – von Coca-Cola über die Mao-Bibel bis hin zum selbst kreierten Anti-Nazi-Spray. Die Verknüpfung von Kommerz und Konfrontation, Trödel und politischer Provokation weckt bald auch das Interesse des Verfassungsschutzes. Nach dem Tod von Peter Roehr schloss der Laden im August seine Türen.

27. Januar: Theodor-Heuss-Plakette für Abiturientin Karin Storch

Mit ihrer Abiturrede „Erziehung zum Ungehorsam“ zum Schuljahresende 1967 hatte sie auf die Missstände der demokratischen Erziehung hingewiesen.

Es müsse Aufgabe der Schule sein, die SchülerInnen „zur Wachheit [zu] erziehen, zur Kritik, Offenheit und zum Ungehorsam.“ Die „Pflicht zum Widerstand [muss] zu unserem Staatsdenken“ gehören, fordert Storch. Unruhe als Form ständiger Bewegung ist für die Abiturientin charakteristisch für eine echte Demokratie, die sich sozialen Verhältnissen anpasst.

Der Tod des Studenten Benno Ohnesorgs solle eine Mahnung sein. Er zeige die Notwendigkeit, Ungehorsam als demokratisch legitimierte Form von Kritik und Widerstand in eine demokratische Erziehung einzubeziehen. Für die Abiturientin lassen sich nur so unverhältnismäßige Reaktionen, wie unangemessener polizeilicher Gewalteinsatz, vermeiden. Das Bewusstsein über ein potenzielles Auftreten eines auf den demokratischen Grundsätzen aufbauenden Widerstandes ermögliche der Situation angemessene Reaktionen.
Mit ihrer Rede wird Karin Storch Teil des öffentlichen Diskurses über eine antiautoritäre Demokratisierung der BRD, die insbesondere mit Forderungen nach einer Reformierung des Bildungs- und Erziehungssystems korrelieren.

3. Februar:

Vor der sowjetischen Militärmission in Niederrad, bekannt als „Frankfurter Kreml“, protestieren Mitglieder der Frankfurter Jungsozialisten, der Gewerkschaftsjugend, des Club Voltaire und des Höchster Jugendclubs gegen die Verurteilung von sechs sowjetischen Schriftstellern in Moskau.

29. Februar: Eröffnung des Ostermarsches und versuchter Präsidiumssturm

Der Ostermarsch richtet sich 1968 im Besonderen gegen den Vietnamkrieg, mit dem die USA seit 1964 militärisch gegen einen vermuteten Vormarsch des Kommunismus ankämpfen will. Zur Abschlusskundgebung der Ostermarschkampagne kommen am 15. April 12.000 Menschen auf dem Römerberg zusammen.

Im Anschluss an eine Großkundgebung der Kampagne für Demokratie und Abrüstung auf dem Römerberg versuchen 1500 Demonstranten das Frankfurter Polizeipräsidium zu stürmen. Auslöser der Aktion ist die Festnahme des Wortführers der Studentenbewegung Rudi Dutschke, der bei seiner Ankunft am Flughafen Rhein-Main zwei Stunden von der Polizei festgehalten wird. Als Dutschke kurz vor 23 Uhr mit einem Taxi am Hauptbahnhof ankommt, erwarten ihn dort bereits rund 800 Demonstrierende. Stadtrat Dr. Hans Kiskalt verliert im Anschluss an die öffentliche Diskussion über die Rechtmäßigkeit der Festnahme Dutschkes seinen Posten als „Ständiger Vertreter des Oberbürgermeisters auf dem Gebiet der Polizei“.

31. März: Protest gegen griechische Militärdiktatur

Rund 120 linksgerichtete Studenten dringen in den Palmengarten ein und stören die Rede des Griechischen Botschafters in Bonn, Alexis Kyrou. Anlass für die studentische Aktion gibt ihre Protesthaltung gegenüber der griechischen Militärdiktatur, die „rechten Terror“ in der griechischen Bevölkerung verübt. Der Botschafter spricht anlässlich des Nationalfeiertags Griechenlands vor der im Festsaal versammelten Griechischen Gemeinde. Die Rede muss jedoch abgebrochen und der Botschafter unter Polizeischutz gestellt werden.