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Was geschah von Juli bis September?

22. August:

Nach einer Kundgebung auf dem Römerberg erstürmt ein Teil der mehr als 5000 Demonstranten aus Protest gegen die sowjetische Intervention in der Tschechoslowakei das Gelände der sowjetischen Militärmission in Niederrad, obwohl Polizisten in Bereitschaft stehen, aber mangels Sicherheit über die Zuständigkeiten nicht eingreifen. Amerikanische Militärpolizei vertreibt brutal etwa 200 jugendliche Demonstranten von diesem Gelände.

Der Sprecher des Sozialistischen Studentenbundes (SDS), Hans-Jürgen Krahl (r), am Rednerpult. Am 28. Mai 1968 fand im Grossen Sendesaal des Hessischen Rundfunks in Frankfurt am Main eine von prominenten Vertretern aus Kunst und Wissenschaft organisierte Veranstaltung gegen die Bonner Notstandsgesetze statt. Gegen Schluss der Veranstaltung drängten Studenten in den Saal. <br />
Foto: Manfred Rehm, © dpa-Bildarchiv
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13. September: Tomatenwurf auf den SDS-Vorsitzenden

Auf der Delegiertenkonferenz des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes im damaligen „Studentenhaus“ kommt es zu einer Auseinandersetzung zwischen weiblichen und männlichen Teilnehmern. Die Sprecherin des Aktionsrates zur Befreiung der Frau, Helke Sander, beschuldigt die SDS-Männer, in ihrer Gesellschaftskritik nicht weit genug zu gehen, weil sie die Diskriminierung der Frauen ignorieren.

Sigrid Rüger reagiert auf die ausbleibende Anteilnahme der Genossen mit einem Zeichen weiblichen Protests: Der Tomatenwurf Richtung Vorstandstisch, der den SDS-Anführer Hans-Jürgen Krahl, einen Schüler Adornos trifft, verschafft dem SDS-Weiberrat große Aufmerksamkeit und führt durch seine mediale Verbreitung zu einer feministischen Öffentlichkeit, die als neue Frauenbewegung mit teilweise spektakulären Aktionen auf die bestehende Ungleichheit zwischen den Geschlechtern aufmerksam macht. Die in vielen verschiedenen Universitätsstädten wie Frankfurt gegründeten studentisch-feministischen Weiberräte organisieren die neue Frauenbewegung schließlich unter konsequentem Ausschluss männlicher Teilnehmer.

15. September: Kuchenschlacht

Als sich Mitglieder der Hippie-Szene mit dem gegen sie verhängten Hausverbot - „In diesem Aufzug werden Sie hier nicht bedient“ - nicht abfinden wollen, kommt es zu einer gebäckpolitischen Eskalation. Neben dem Versuch, das Café zu stürmen, lassen die Ausgesperrten auch Tortenstücke gegen das Café fliegen. Für die meisten Beteiligten endet die Kuchenschlacht im Gefängnis. Sie karikieren mit ihren Aktionen die Tradition des intellektuellen linksliberalen Szenetreffs. Schon in den 1920er und 30er Jahren kam mit dem „Kränzchen“ eine Gruppe linker Intellektueller der Gothe Universität hier zusammen. Seit den 1950er Jahren wird es erneuter Treffpunkt, wenn sich Vertreter der Frankfurter Schule um Theodor W. Adorno und Herbert Marcuse im „Café Marx“ zusammenfinden. Die radikale Linke wird jedoch zum ungebetenen Gast der Lokalität.

22. September: Sturm auf die Friedenspreis-Verleihung

Gegen den Preisträger des vom Deutschen Buchhandel vergebenen Friedenspreises Léopold Senghor, Staatspräsident des Senegals, wird immenser Protest seitens der APO laut. Bereits im Vorfeld der Preisverleihung empört man sich: Senghor sei ein „afrikanischer Ideologe des Kolonialismus und Neokolonialismus“.

24. September: Gebäudestürmung durch rund 200 Demonstranten

Sie protestieren gegen den ersten Frankfurter Prozess gegen einen Teilnehmer an den Osterdemonstrationen. Dem Demonstrationsführer und ehemaligen SDS-Bundesvorsitzenden Karl-Dietrich Wolff, wird daraufhin tatsächlich ein Gespräch mit Landgerichtspräsident Rudolf Wassermann ermöglicht. Spätere Pressebilder karikieren den Landgerichtspräsidenten vor der tobenden Demonstrantenmenge: Wolff hatte ihm eine „Flüstertüte“ vorgehalten, sodass er sein Angebot über eine spätere Diskussionsfortführung außerhalb des Gerichts artikulieren konnte.