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Bob Dylan zum 80. Geburtstag

Bob Dylan in FrankfurtRheinMain

von Thomas Waldherr

Konzert-Tickets und Tour-Shirt
Konzert-Tickets und Tour-Shirt © Stadt Frankfurt am Main, Foto: Benjamin Esche

Konzerte zwischen Höhenflügen und Abstürzen

Erst bei seiner dritten Deutschland-Visite fand Bob Dylan nach FrankfurtRheinMain. 1978 bei der Premiere kam er mit seinem Jahrhundertkonzert in Nürnberg auf dem Zeppelinfeld, dem ehemaligen Reichparteitagsgelände der Nazis, der Region am nächsten. Da war der Verfasser dieser Chronik noch zu jung und unbedarft, um dorthin zu finden. Drei Jahre später spielte Dylan im Mannheimer Eisstadion und dann war der Chronist dabei. Dylans Konversion zum Christentum bestimmte die kontroversen Diskussionen und Dylan mischte Altes mit Neuem und sagte am Ende des Konzert, er hoffe, das alle etwas gehört hätten, was sie hören wollten. Hören wollten ihn andere nicht mehr so richtig. Teile der Medien äußerten sich hämisch, so wie der Berichterstatter der Frankfurter Rundschau am 18. Juli: "Diese, seine zweite Deutschland-Tournee darf ruhig die letzte bleiben. Man braucht hier keine Gospel singende Mickey Mouse." Doch der Schreiber dieser Chronik blieb Dylan-treu und wer weiß, vielleicht hat der werte Rundschau-Kollege sein Verdikt später doch noch bereut.

 

Rhein-Main-Premiere auf dem Bieberer Berg


Doch just als Dylan erstmals in der Nähe der Mainmetropole spielte - auf dem Bieberer Berg, dem Stadion der Offenbacher Kickers - da war dem jungen Dylan-Fan scheinbar anderes wichtiger. Was er verpasst hatte, war, wie es das Darmstädter Tagblatt damals formulierte, "eines der schönsten Konzerte der letzten Jahre". So zitierte es jedenfalls der Dylan-Kenner Günter Amendt in "Union Sundown", einer "Robertage" über Dylans Europatournee 1984, von der der Chronist viel auch über das Offenbacher Konzert erfuhr.
Der legendäre Konzertveranstalter Fritz Rau hatte zu seinem Deutschland-Package Dylan, Santana und Joan Baez, das auch noch in Hamburg, München, Berlin und Köln auftrat, die "Local Heroes" von den Rodgau Monotones" dazu gebucht. In seinem Bericht äußerte Amendt auch sein Unverständnis darüber, dass vor Dylans Auftritt einige Zuschauer abwanderten. Dennoch waren es gut 25.000 Zuschauer die Dylan lauschten, der in Spielfreude war, 23 Songs spielte und am Ende vier begeisternde Stücke mit Carlos Santana spielte.
Es sollte erneut drei Jahre dauern, bis Dylan wieder nach Deutschland kam. Die 1980er waren auf ihrem Hohepunkt was für Dylan ein Karrieretiefpunkt gleichkam. Es war ein künstlerisch desaströses Jahrzehnt für Dylan. Nachdem seine Abkehr von allzu schneller und forscher Bekehrung freudig aufgenommen  wurde, und "Infidels", sein Rückkehr-Album ins Weltliche, als auch seine Europatournee  alles in allem doch recht freundlich bewertet wurde, fiel Dylan während der nächsten Jahre in eine eigentümliche Ziellosigkeit. Platten wurden entweder kaputt- und überproduziert oder strotzten vor Lustlosigkeit. Die besten Songaufnahmen blieben im Archiv und Dylan machte sich 1985 bei Live Aid mit einem chaotischen Schlussauftritt vor aller Welt zum Deppen.

Konzert-Tiefpunkt  1987 in der Festhalle

Dylans Stern war also gesunken, und das zeigte sich auch bei den Kartenverkäufen 1987. Als er am 28. September in der Frankfurter Festhalle spielte, da war der Innenraum in der Mitte abgetrennt, es waren nur wenige tausend Menschen da. Durch Roger McGuinn, dem "Vater der Byrds", wie er angekündigt wurde, und Tom Petty & The Heartbreakers, die auch Dylans Begleitgruppe waren, wurde das Konzert auf einen vertretbaren Zeitrahmen von etwas mehr als  zwei Stunden ausgedehnt. Dylan selber spielte nur 14 Songs und sein Auftritt dauerte nur gut 70 Minuten. Er wirkte ausgebrannt, lustlos und wie einer, der das hier möglichst schnell zu Ende bringen wollte. Dylan war mit weitem Poncho und Stirnband bekleidet, sagte kein Wort und zwischen den Songs wurde das Bühnenlicht immer wieder ausgeschaltet. Ein ernüchternder Auftritt.

Und wieder Offenbach

Diesmal sollten es gar vier Jahre werden, bis Dylan wieder an den Main kam. Allerdings wieder nach Offenbach. Diesmal war es die dortige, etwa 4000 Personen fassende Stadthalle. Dylan feierte 1991 seinen 50. Geburtstag, er bekam einen Grammy für sein Lebenswerk und die ersten drei Teile seiner Bootleg Series erschienen. Grund genug für Dylan, sechs Konzerte zwischen Stuttgart und Hamburg zu geben. Am 19. Juni trat er in Offenbach auf. Als das Konzert beginnt, denkt man an ein Debakel, Dylan schwankt gefährlich auf der sparsam ausgeleuchteten Bühne, sein Gesang undeutlich. Doch mehr und mehr befreit sich Dylan und schwingt sich zu einem starken, bejubelten Konzert auf. Spielt er uns was vor oder geht es ihm wirklich nicht gut?

 

1993 in Wiesbaden


Auch 1993 macht Dylan wieder einen Bogen um Frankfurt, diesmal sind am 20. Februar die Rhein-Main-Hallen in Wiesbaden seine Station in der Region. Und wieder scheint der Auftritt bewusst inszeniert. Wirkte es zwei Jahre früher, als hätte man ihn auf die halbdunkle Bühne geschubst, so ist diese nun gut ausgeleuchtet und Dylan läuft in vollem Licht an seinen Arbeitsplatz. Er wirkt fit und spielfreudig und die Musik ist sorgfältig arrangiert, mit ausgedehnten Instrumentalpassagen, zu denen Dylan mit der Gitarre durchaus hörbares beisteuert.

1996 in der Alten Oper


1996 tritt Bob Dylan erstmals in der Alten Oper auf. Dylans Rockpublikum und die Hostessen der damals noch immer vor allem durch Klassik und Kabarett geprägten Location scheinen schwer kompatibel, was zu einer etwas angespannten Atmosphäre führt, die sich aber schon bei den ersten Tönen verflüchtigt. Dylan spielt ein solides Konzert, wandert als Crooner mit dem Mikro in der Hand über die Bühne und trägt einen merkwürdig glitzernden Anzug.

 

Anfang des Jahrtausends: Gastspiele in der Jahrhunderthalle


In Jahr 2000 dann wieder eine Premiere. Dylan spielt erstmals in der Jahrhunderthalle und legt sein bis dato bestes Konzert hin. Pure Spielfreude, ein starkes akustisches Set und eine perfekt eingespielte Band bieten richtigen Musikgenuss. Dylan spielt 2002 und 2003 erneut in Frankfurt-Höchst und bietet auch da solide Unterhaltung.
2007 kommt Dylan mit den Songs seines Album "Modern Times" im Gepäck wieder in die Jahrhunderthalle und begeistert mit Stücken, die zu monumentalen Gemälden werden. So wie bei „Nettie Moore“. Da führt er das Publikum gedanklich ganz weit weg, singt zerbrechlich und prägnant zugleich, flüstert sehnsuchtsvoll und füllt das Rund der Jahrhunderthalle mit einem Klangteppich, der so berührend, bezaubernd und fesselnd ist, dass man atemlos der Darbietung folgt, und trotz aller Lautstärke das Gefühl hat, eine Stecknadel fallen hören zu können. Reine Zauberei!

 

Bob Dylan in Mainz


Am 25. Juni 2011 spielt Dylan in Mainz, zeitgleich wird in Frankfurt die Frauen-Fußball-WM eröffnet. Was man tags darauf aus Mainz hörte, klang abermals nach einem routiniert positiven Auftritt. So wie auch sein Konzert in Mainz vier Jahre später in diese Güteklasse einzuordnen ist.

 

Später Triumph in der Festhalle


Sein bisher letztes und zugleich abermals ein ganz starkes  Frankfurter Dylan-Konzert bis dato fand dann 2017 - fast dreißig Jahre nach dem dortigen Debakel - in der Festhalle statt. Vor diesmal ausverkauftem Haus überzeugte Dylan gesanglich, streute geschickt immer wieder Sinatra-Songs ein und zeigte interessante Schrittfolgen im "Tanz" mit dem Mikrofonständer

 

Mainz: Letztes Rhein-Main-Konzert vor Corona


2019 dann im Vor-Corona-Jahr wieder einmal ein Gig im Volkpark Mainz. Die Atmosphäre ist gemütlich und entspannt, im Publikum kennt man sich, die Versorgung ist ordentlich. Nur wer ganz vorne sitzt, der hat das Pech, über weite Teile des Konzertes lediglich Dylans-Hutkrempe zu sehen. Erst wenn er vom Hocker aufsteht ist er in Gänze zu sehen. Was dem unaufgeregten Musikgenuss aber keinen großen Abbruch tut.
Ob er nach der durch die Pandemie bedingten Konzertpause noch einmal wiederkommt? Man weiß es nicht, und bangt um eine liebgewordene Gewohnheit.  Schließlich hat er doch in den letzten Jahren recht häufig auch in FrankfurtRheinMain Station gemacht.

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