Chronik einer außergewöhnlichen Karriere

Chronik einer außergewöhnlichen Karriere

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Bob Dylan zum 80. Geburtstag

Chronik einer außergewöhnlichen Karriere

zusammengestellt von Thomas Waldherr

Joan Baez und Bob Dylan beim Civil Rights March nach Washington D.C. am 28. August 1963
Joan Baez und Bob Dylan beim Civil Rights March nach Washington D.C. am 28. August 1963 © Stadt Frankfurt am Main, Foto: Rowland Scherman

1941 bis 1979

1941: Bob Dylan wird als Robert Allen Zimmerman (Hebräisch: Shabtai Zisl ben Avraham) in Duluth, Minnesota geboren. Als er sechs Jahre alt ist, zieht die Familie in die Bergarbeiterstadt Hibbing, Minnesota.

1958: Der junge Bobby Zimmerman spielt in verschiedenen Bands und entdeckt durch ein Album von Odetta die Folkmusik.

1961: Bob Dylan kommt nach New York und wird Teil der Folkszene in Greenwich Village.

1962: Sein Debütalbum "Bob Dylan" erscheint.

1963: Das Jahr des Durchbruchs. Seine LP "The Freewheelin' Bob Dylan erscheint, er spielt mit Joan Baez beim Newport Folkfestival und tritt bei der Kundgebung des "March On Washington" auf, der bei der Martin Luther King seine berühmte Rede "I have a dream" hält.

1965: Dylan empört die Folkszene, als er in Newport mit einer elektrisch verstärkten Band auftritt. Mit seiner Mittsechziger Alben-Trilogie "Bringing It All Back Home", "Highway 61 Revisited" und "Blonde On Blonde" steigt er in den Rock-Olymp auf.

1966: Nach einer Welttournee voller Scharmützel mit dem Publikum hat Dylan einen Motorradunfall. Dylan nutzt dies, um sich für die nächsten gut acht Jahre fast vollständig aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen.

1969: Dylan brüskiert einmal mehr sein Publikum, als er mit "Nashville Skyline" ein Country-Album veröffentlicht.

1972: Dylan spielt im Western "Pat Garrett und Billy The Kid" an der Seite von Kris Kristofferson und komponiert dafür mit "Knockin' On Heaven's Door" einen seiner größten Hits.

1974: Bob Dylan geht mit "The Band" auf Comeback-Tournee. Die Karten sind blitzschnell ausverkauft, der Hype zu dieser Tour übersteigt jede bis dato bekannte Größe.

1975: Dylan geht einer bunten Musikertruppe auf Tour. Die Rolling Thunder Revue ist eine Art "Magical Mystery Tour". Das dazugehörige Album "Desire" enthält mit "Hurricane" einen seiner engagiertesten Protestsongs. Bei der Tour entsteht sein monumentales Filmwerk "Renaldo & Clara", doch der Streifen floppt.

1977: Dylan und seine Frau Sara werden geschieden.

1978: Dylan geht auf Welttournee und tritt dabei erstmals in Deutschland auf. Auf dem ehemaligen Nürnberger Reichsparteitagsgelände jubeln ihm beim großen Open Air-Konzert rund 80.000 Menschen zu. Dylan brüskiert wieder einmal einige seiner Fans durch Big Band-Sound und Backgroundsängerinnen. In Berlin landen Wurfgeschosse auf der Bühne.

1979: Dylan konvertiert zum Christentum und veröffentlicht mit "Slow Train Coming" das erste von drei Alben mit christlich geprägter Rock- und Gospelmusik.

1981 bis 1997

1981: Bob Dylan kommt zum zweiten Mal nach Deutschland. Der Zuschauerzuspruch ist im Vergleich gesunken, die Reaktionen gemischt.

1984:
Mit seiner ersten "nachchristlichen" Platte "Infidels" im Gepäck spielt Dylan die einzige Konzerttour des Jahres. Sie führt ihn das erste Mal ins Rhein-Main-Gebiet, nach Offenbach, ins Stadion Bieberer Berg. Joan Baez spielt im Vorprogramm ebenso wie Santana und die Lokalmatadoren "Ridgau Monotones. Bei dieser Tour spielen Baez und Dylan das letzte Mal zusammen auf einer Bühne.

1985: Bob Dylan soll Abschluss und Höhepunkt des amerikanischen Live Aid-Festivals sein, legt aber zusammen mit Keith Richards und Ronnie Wood einen desaströsen Auftritt hin. Wenige Wochen später rehabilitiert er sich bei Farm Aid mit einem starken Gig mit Tom Petty & The Heartbreakers als Backing Band.

1987: Dylan kommt mit Tom Petty & The Heartbreakers nach Deutschland und spielt erstmals in Frankfurt am Main. Der Kartenverkauf ist nicht wirklich gut und der Innenraum der Festhalle ist gerade mal zur Hälfte gefüllt. Dylan wirkt ausgebrannt und müde.

1988: Dylan beginnt seine von den Fans so genannte "Never Ending Tour".

1989: Zusammen mit George Harrison, Roy Orbison, Jeff Lynne und Tom Petty gründet Dylan das erfolgreiche Spaßprojekt "The Traveling Wilburys". Kurz nach Erscheinen des ersten von zwei Alben stirbt Orbison.

1991: Bob Dylan wird 50 Jahre alt und bekommt den Ehren-Grammy für sein Lebenswerk. Die ersten drei Teile seiner mittlerweile legendären Bootleg Series erscheinen. Im Sommer kommt Dylan wieder auf Deutschland-Tour und spielt in der Offenbacher Stadthalle. Das Konzert beginnt desaströs, doch Dylan steigert sich und legt am Ende einen bemerkenswerten Gig hin.

1992: Dylan ist 30 Jahre bei Columbia Records und wird dafür mit einem großen All Star- Konzert Konzert im New Yorker Madison Sqare Garden geehrt. Wegen ihrer papstkritischen Äußerungen in einer TV-Sendung kommt es beim Auftritt von Sinead O'Connor zum Eklat. Als Reaktion auf Pfiffe und Buhrufe singt sie statt eines Dylan-Songs a-capella den Song "War" von Bob Marley.

1994: Dylans Konzertauftritte werden immer prägnanter. Er tritt im Sommer beim großen 25 Jahre Woodstock-Festival auf und nimmt ein MTV-Unplugged-Special auf. Das dabei entstehende Album wird sein erfolgreichstes seit Jahren.

1996: Bob Dylan spielt im Sommer in der Frankfurter Alten Oper.

1997: Im Sommer erkrankt Dylan an einer lebensbedrohlichen Herzbeutelentzündung. Wieder genesen veröffentlicht er im Herbst sein de facto Comeback-Album "Time Out Of Mind", das drei Grammys erhält.

2000 bis 2020

2000: Bob Dylan schreibt für den Kinofilm "Wonder Boys" mit Michael Douglas den Song "Things Have Changed" für den er einen Oscar erhält. Im Herbst dieses Jahres spielt er erstmals in der Frankfurter Jahrhunderthalle.

2001: Dylan veröffentlicht das Album "Love & Theft". Dessen Themen - Alter, Vergänglichkeit, Liebe und Tod -  seine musikalische Roots-Orientierung und seine collagenartige Lyrik voller Zitate wird von nun an sein Werk bestimmen.

2003: Wieder versucht sich Dylan im Filmgenre. Auch "Masked & Anonymous" wird kein Erfolg. Ist filmisch nicht fokussiert und erscheint an manchen Stellen semiprofessionell. Enthält aber interessante Musik und nachdenkenswerte Fragestellungen.

2004: Seine Autobiografie "Chronicles Volume 1" erscheint. Doch wieviel Wahrheit und wieviel Fiktion sie enthält, ist nicht so ganz klar und damit wieder typisch Dylan. Er erhält dafür den Pulitzerpreis.

2006: Dylans 32. Studioalbum "Modern Times" erscheint. E ist in den US- Charts sein erstes Nr.1-Album seit "Desire". Dylan beginnt in diesem Jahr mit seiner "Theme Time Radio Hour", einer Radioreihe mit 100 Episoden, die bis von Mai 2006 bis April 2009 auf dem Sender Sirius XM Radiozu hören ist.

2009: Dylan ist weiter ungebrochen produktiv. er schreibt die Filmusik für "My Own Love Song" mit Renée Zellweger, veröffentlicht den Longplayer "Together Through Life" und zur allgemeinen Überraschung das Weihnachtsalbum "Christmas In The Heart".

2012: "Tempest" erscheint. Darauf ehrt Dylan mit "Roll On John" den ermordeten Ex-Beatle John Lennon.

2015: Mit "Shadows In The Night erscheint das erste von drei Alben mit denen sich Dylan durch das Great American Songbook" und das Werk Frank Sinatras singt.

2016: Bob Dylan erhält den Literatur-Nobelpreis. Die Reaktionen sind gemischt, Dylan nimmt den Preis an, erscheint jedoch nicht zur Übergabe. Er schickt stattdessen Patti Smith vor.

2018: Dylan bringt eine eigene Whiskey-Linie heraus und benennt sie nach einem seiner größten Hits "Heaven's Door".

2020: Durch die Pandemie wird Dylans sogenannte "Never Ending Tour jäh gestoppt. Stattdessen erscheinen erst im Lockdown drei Singles und dann das neue Album "Rough And Rowdy Ways". Zudem gibt es im September eine exklusive neue Folge seiner "Theme Time Radio Hour" zum Thema "Whiskey". Ende des Jahres macht Dylan Schlagzeilen, weil er die Rechte an seinen gut 600 Songs für geschätzte 300 Millionen Dollar an Universal verkauft hat.

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