Kolumne von OB Peter Feldmann ► Frankfurt am Main

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Oberbürgermeister

Zum Tode von Trude Simonsohn

Gedanken zu einer großen, mutigen Persönlichkeit.

Liebe Frankfurterinnen und Frankfurter,

kurz nach dem Jahreswechsel erreichte uns eine traurige Nachricht.

Trude Simonsohn ist tot. Sie starb am 6. Januar im Alter von 100 Jahren. Sie haben sicher davon gehört. Und vielleicht haben Sie sich gefragt, warum ihr Tod so viele bewegt hat – auch Menschen, die sie gar nicht kannten.

Ich will an dieser Stelle keine Geschichtsstunde abhalten. Verstehen Sie diese Zeilen als eine Einladung, sich mit einem beeindruckenden Leben auseinanderzusetzen. Es lohnt sich.

Denn Trude Simonsohn hat etwas unglaublich Mutiges getan. Sie, die Holocaust-Überlebende, kehrte zurück nach Deutschland. In das Land der Mörder ihrer Eltern. In ein Land, das ihr nach dem Leben trachtete.

Woher nahm sie nur die Zuversicht, an uns zu glauben? Daran, dass wir es besser können – und dass unsere Vergangenheit nicht unsere Zukunft ist? Ganz ehrlich: Ich kenne die Antwort nicht. Aber ich weiß, welche Kraft aus dieser Entscheidung erwuchs.

Wer Trude Simonsohn in die Augen schaute, sah keine Wut, sondern Güte. Es war ihre Geheimwaffe gegen den Hass. Dank dieser Güte zerbrach sie nicht an der Unmenschlichkeit selbst ernannter Herrenmenschen. Um unseretwillen begrub sie ihre Erinnerung nicht, sondern durchlitt sie immer und immer wieder. Damit wir wissen, was war.

Das war ihr Geschenk an uns. Und jetzt, wo sie nicht mehr unter uns ist, wird ihr Geschenk zu unserem Auftrag. Wir müssen uns ihrer als würdig erweisen.

Wie fangen wir an? Vielleicht damit, dass wir unseren Kindern von Trude Simonsohn erzählen.

Ihr
Peter Feldmann

Mehr Informationen zum Tode von Trude Simonsohn

Stadt Frankfurt trauert um Trude SimonsohnInternal Link

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