KA 33 vom 15.01.2013 Aus- und Weiterbildungsförderung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund

KA 33 vom 15.01.2013 Aus- und Weiterbildungsförderung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund

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KAV 2013 Anregungen und Anfragen

KA 33 vom 15.01.2013 Aus- und Weiterbildungsförderung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund

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© Stadt Frankfurt Main

Frankfurt a. M., 15.01.2013

Anfrage an den Magistrat der Stadt Frankfurt am Main

 

Gemäß dem Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) der 21. öffentlichen ordentlichen Plenarsitzung vom 14.01.2013 wird der Magistrat gebeten, die nachfolgenden Fragen zu beantworten:

 

1. Wie viele Jugendliche mit Migrationshintergrund absolvieren eine Ausbildung bei Behörden? Wie viele wurden bis jetzt nach der Ausbildung übernommen?

 

2. Wie weit werden Betriebe (mit Migrationshintergrund) bei der Mobilisierung der Ausbildungsplätze einbezogen? Und wie werden diese Betriebe von der Stadt Frankfurt unterstützt?

 

Wie viele Lehrstellen in Migrantenbetrieben wurden in Frankfurt akquiriert?

 

3. Wie weit werden die Migranten- Gemeinden sowie Vereine in die Sache mit einbezogen? (Sie können die Betriebe und Jugendlichen zusammenbringen.)

 

4. Welche Aktivitäten wurden von der Stadt Frankfurt gegen die Benachteiligung der Migrantinnen und Migranten bei der Ausbildungsplatzsuche unternommen?

Welche Unterstützung erfahren Jugendliche ohne Schulabschluss bzgl. der Ausbildungsplatzsuche?

 

Begründung:

Jugendliche mit ausländischen Wurzeln haben auf dem Lehrstellenmarkt oft schlechtere Chancen. Der Zugang zu einer Ausbildung ist für Migrant/-innen die größte Hürde auf dem Weg in den Arbeitsmarkt.

 

Um die Lage und Zukunft der in Deutschland lebenden Migrant/-innen für sich selber und für die Gesellschaft zu verbessern, aber auch um Deutschland attraktiver für die durch den demografischen Wandel benötigten weiteren Fachkräfte zu gestalten, sind dringende Maßnahmen nötig. Eine gezielte Förderung im Bildungs- und Ausbildungsbereich spielt dabei eine große Rolle. Ansonsten droht ein Fachkräftemangel.

 

In Hessen bzw. Frankfurt existiert ein großes Potenzial an Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die auf jeden Fall unterstützt werden müssen. Denn jeder Vierte in Hessen hat nach Angaben des Statistischen Landesamtes einen Migrationshintergrund.

 

Aus- und Weiterbildung ebenso wie berufliche Qualifizierung bringen sie nicht nur beruflich, sondern auch persönlich sowie gesellschaftlich weiter.

Durch die Stärkung des Beschäftigtenpotenzials und die Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit wird die Integration von benachteiligten Personen in den Arbeitsmarkt verstärkt.Die Betriebe mit Migrationshintergrund sind zu einem immer stärker werdenden Wirtschaftsfaktor geworden. Sie tragen maßgeblich zum Bruttoinlandsprodukt bei. Viele dieser Unternehmen haben ein hohes Wachstums- und Innovationspotenzial.

In Deutschland gibt es ca. 700.000 Selbstständige mit Migrationshintergrund, die ca. zwei Millionen Menschen beschäftigen.Trotzdem liegt bei ihnen die Ausbildungsquote deutlich niedriger als bei Betrieben ohne Migrationshintergrund.

 

gez. Enis Gülegen

(Vorsitzender der KAV)

Stellungnahme des Dez. XI - Integration

-Amt/Betrieb: Amt für Multikulturelle Angelegenheiten

Frankfurt a. M., 11.04.2013

 

Der Magistrat hat die nachstehende Stellungnahme am 03.06.2013 zur Kenntnis genommen.

 

Zu 1

Es liegen keine Rückmeldungen des Dez I vor.

 

Zu 2 und 3

Die IHK Frankfurt führt bereits seit 2000 Projekte zur Akquise von Ausbildungsplätzen in internationalen Betrieben mit Sitz in Frankfurt/ Main durch, seit 2006 das Projekt ‚IUBA – Internationale Unternehmen bilden aus‘. 2011 und 2012 führten die HWK Rhein-Main und die IHK Frankfurt das Projekt gemeinsam durch.

Im letzten Jahr wurden dabei insgesamt 260 Ausbildungs- und Einstiegsqualifizierungsplätze in Frankfurt/ Main akquiriert.

 

Zu 4

Das Jungend- und Sozialamt fördert im Sinne des Sozialgesetzbuchs VIII sozial benachteiligte und individuell beeinträchtigte Jugendliche und junge Erwachsene, damit sie ihre Persönlichkeit entwickeln können, den Einstieg ins Erwerbsleben schaffen und eigenständig und sozioökonomisch unabhängig werden.

 

Die Maßnahmen der Jugendberufshilfe umfassen die Vorbereitung auf den Erwerb des Hauptschulabschlusses, Beratung, Clearing, Berufsorientierung und Berufsvorbereitung, fachliche und sozialpädagogische Unterstützung während der Ausbildung und die betriebliche oder außerbetriebliche Ausbildung selbst. Flankierende Angebote sind beispielsweise Sucht- und Schuldnerberatung sowie Kinderbetreuungsangebote. Selbstverständlich gelten diese Angebote auch für Migrantinnen und Migranten.

 

Im jährlichen Bericht zur kommunalen Beschäftigungsförderung sind in der Anlage 1 diese Angebote für junge Menschen unter 25 bzw. 27 Jahre und die Zahl der Teilnehmer/-innen aufgelistet. Etwa 2/3 dieser Angebote werden von Migrantinnen und Migranten genutzt.

 

Einige dieser angebotenen Maßnahmen sind für die Zielgruppe Migrantinnen und Migranten speziell konzipiert, und zwar

  • Erstausbildung für junge Migrantinnen zur Bürokauffrau vom Verein zur beruflichen Förderung von Frauen
  • Berufsorientierung und Qualifizierung für Mädchen und junge Frauen mit Migrationshintergrund vom Zentrum für Weiterbildung
  • Ausbildung in der Migration vom Zentrum für Weiterbildung
  • Berufsbildungsprojekt für Roma-Jugendliche vom Förderverein Roma
  • Bewerbungszentrum / Interkulturelle Jugendcoaching von KUBI

 

Ein Migrationshintergrund liegt vor, wenn 1. die Person nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt oder 2. der Geburtsort der Person außerhalb der heutigen Grenzen der Bundesrepublik Deutschland liegt und eine Zuwanderung in das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland nach 1949 erfolgte oder 3. der Geburtsort mindestens eines Elternteiles der Person außerhalb der heutigen Grenzen der Bundesrepublik Deutschland liegt sowie eine Zuwanderung dieses Elternteiles in das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland nach 1949 erfolgte (hier angewandte Definition).

 

gez. Dr. Nargess Eskandari-Grünberg

(Stadträtin)

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