KA 24 vom 17.04.2012 Türkischverbot in der Geschäftsstelle der KAV?

KA 24 vom 17.04.2012 Türkischverbot in der Geschäftsstelle der KAV?

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KAV 2012 Anregungen und Anfragen

KA 24 vom 17.04.2012 Türkischverbot in der Geschäftsstelle der KAV?

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© Stadt Frankfurt Main

Frankfurt a. M., den 17.04.2012

 

Anfrage an den Magistrat der Stadt Frankfurt am Main

 

Gemäß dem Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) der 14. öffentlichen ordentlichen Plenarsitzung vom 16.04.2012 wird der Magistrat gebeten, folgende Fragen zu beantworten:

 

1. Steht der Magistrat hinter dem ausgesprochenen Verbot des Gebrauchs der türkischen Sprache als Verständigungshilfe im Publikumsverkehr?

 

2. Fördert nach Meinung des Magistrats ein absolutes Gebrauchsverbot der Muttersprache von tausenden Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt das Gefühl des Anerkannt-Seins, des Gleichwertig-Seins und des Willkommen-Seins dieser Menschen in Frankfurt?

 

3. Mit welchen Zielen und Handlungslinien des Integrationskonzeptes ist ein Türkischverbot vereinbar?

 

4. Gibt es Ziele und Handlungslinien im Integrationskonzept, die einem solchen Verbot widersprechen?

 

5. Sieht der Magistrat ein besonderes Problem darin, dass gerade in der Geschäftsstelle der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung der Stadt Frankfurt ein Verständnis vorherrscht, das den Gebrauch der Muttersprache von nahezu der Hälfte der Mandatsträger/-innen als Verständigungshilfe verbietet?

 

6. Wie gedenkt der Magistrat damit um- und dagegen anzugehen?

 

Begründung:

Es ist vor einiger Zeit bekannt geworden, dass einer mehrsprachigen Mitarbeiterin der Geschäftsstelle der KAV der Gebrauch der türkischen Sprache im Dienst ohne jegliche Ausnahme verboten worden ist. Das Verbot ist auf einer Teamsitzung im Beisammensein aller anderen Mitarbeiterinnen und unmissverständlich für jeglichen Anlass ausgesprochen worden.

Auf die Nachfrage, ob sich das Verbot auch auf die Kommunikation im Publikumsverkehr als Verständigungshilfe mit den Bürgerinnen und Bürgern bezieht, die des Deutschen nicht sicher sind, wurde bestätigt, dass das Verbot ausnahmslos gilt. Sogar in der Kommunikation mit Mitgliedern der KAV, die die mehrsprachige Mitarbeiterin auf Türkisch ansprechen, dürfe sie ihrerseits die Kommunikation nur in deutscher Sprache führen.

 

Die Amtssprache ist selbstverständlich Deutsch. Dies gilt auch für die Geschäftsstelle der KAV. Jedoch ist der Gebrauch anderer Sprachen im Rahmen der Dienstleistungen der Stadtverwaltung nicht unüblich. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung sind im Publikumsverkehr Bürgerinnen und Bürgern, Besucherinnen und Besuchern mit ihren Englisch- oder Französischkenntnissen gerne behilflich. Das ist in einer internationalen Stadt wie Frankfurt eine Selbstverständlichkeit.

 

gez. Sertac Cetiner

(stellv. Vorsitzender)

Stellungnahme des Dez. XI –Integration-

Amt/Betrieb: - Amt für Multikulturelle Angelegenheiten -

Frankfurt a. M., 31.05.2012

 

Der Magistrat hat die nachstehende Stellungnahme am 22.06.2012 zur Kenntnis genommen.

 

1. - 6.

Deutsch ist die Amtssprache der Verwaltung. Das bedeutet, dass Dienstleistungen vorrangig in deutscher Sprache vermittelt werden. Sollte es jedoch angezeigt sein, der besseren Verständigung wegen, in einer anderen Sprache zu kommunizieren, muss dies in Anspruch genommen werden.

Der Magistrat begrüßt, dass es in der Frankfurter Stadtverwaltung Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt, die Fremdsprachen beherrschen. Dies ist als Bereicherung zu betrachten und ist zudem eine seit langem geforderte Qualifikation im Sinne der interkulturellen Kompetenz. Der dem Antrag zu Grunde liegende Vorfall beruht auf einem Missverständnis innerhalb der Geschäftsstelle der KAV. Dieses wurde bereits intern mit den beteiligten Mitarbeiterinnen geklärt.

 

Es gibt kein explizites Verbot, innerhalb der Stadtverwaltung in einer Fremdsprache zu kommunizieren. Im Gegenteil: gerade im Integrationskonzept wird die sprachliche Vielfalt unserer Stadtgemeinschaft besonders betont:

„Wir haben daher nicht nur darauf zu achten, dass diese Angebote wirklich alle Bürgerinnen und Bürger erreichen, sondern sollten die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt schon bei der Gestaltung von Maßnahmen beteiligen, damit Produkte, Strukturen und Prozesse so niedrigschwellig wie möglich wahrgenommen werden können. Dazu gehört es auch, Fremdsprachenkenntnisse von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu fördern und zu nutzen, wenn dadurch Anliegen von Bürgerinnen und Bürgern effizienter behandelt werden können. Dies gilt nicht nur für dringende Hilfeersuchen in Konfliktfällen oder sozialen Notlagen, sondern auch beim regelmäßigen Kundenkontakt“.

 

gez. Dr. Nargess Eskandari-Grünberg

(Stadträtin)

 

Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung, 18. Sitzung vom 24.09.2012, Kenntnisnahme

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