KA 60 vom 05.10.2010 Tote haben keine Anwälte III (Auch Tote haben ihre Würde)

KA 60 vom 05.10.2010 Tote haben keine Anwälte III (Auch Tote haben ihre Würde)

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KAV 2010 Anregungen und Anfragen

KA 60 vom 05.10.2010 Tote haben keine Anwälte III (Auch Tote haben ihre Würde)

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© Stadt Frankfurt Main

Frankfurt a.M., 05.10.2010

 

Anfrage an den Magistrat der Stadt Frankfurt am Main

 

Gemäß dem Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) der 50. öffentlichen ordentlichen Plenarsitzung vom 04.10.2010 wird der Magistrat gebeten, zu beantworten, wann der nachfolgend genannte Zustand geändert wird:

 

Die KAV stellt mit Verwunderung fest, dass gemäß der im August diesen Jahres in Kraft getretenen Friedhofsordnung bei anonymen Bestattungen, um Kosten und Zeit zu sparen, die Teilnahme der Angehörigen sowie religiösen Geistlichen nicht erlaubt wird.

 

Vor diesem Hintergrund fordert die KAV den Magistrat auf, diese Regelung zurückzunehmen und wie früher auch bei anonymen Bestattungen die Teilnahme der Angehörigen und religiösen Geistlichen zu gestatten und die Bestattung in Kooperation mit den religiösen Organisationen entsprechend der religiösen Riten vorzunehmen.

 

Betr.:

Es gehört zur Würde eines jeden Menschen, auch im Tod einen Namen zu haben und gemäß den entsprechenden Vorschriften seiner Religion bestattet zu werden. Hier können finanzielle Erwägungen nicht als Argument gelten.

 

gez. Enis Gülegen

(Vorsitzender der KAV)

Stellungnahme des Dez. X – Umwelt und Gesundheit-

Amt/Betrieb: - 67 / Grünflächenamt -

Frankfurt a. M., 20.12.2010

 

Der Magistrat hat die nachstehende Stellungnahme am 10.01.2011 zur Kenntnis genommen.

 

Mit der Änderung des § 20 Absatz 2 der Friedhofsordnung, wonach eine Begleitung bei der Beisetzung durch Angehörige oder sonstige Dritte bis zur Grabstelle nicht mehr durchgeführt wird, hat der Magistrat der Stadt Frankfurt am Main lediglich eine Regelung vollzogen, die in anderen Großstädten wie bspw. Kassel, Wiesbaden, Darmstadt, Köln, Bremen oder Hamburg so bereits als gängige Praxis umgesetzt wird.

 

Die Motivation, aus der heraus sich Menschen bislang für die anonyme Bestattung entscheiden, ist oft vielfältig und nicht immer liegt der Wunsch nach einer tatsächlichen Anonymität zu Grunde. Gerade diese Beobachtung war für den Magistrat der Grund, in der neuen Friedhofsordnung eine anonyme Bestattung als solche auch klar zu definieren und gegenüber ähnlichen, jedoch nicht anonymen Bestattungsformen klar abzugrenzen. Die in der Anfrage angesprochene Würde eines jeden Menschen und das Recht, auch im Tod einen Namen zu haben, ist auch der Wunsch des Magistrats nach einer entsprechenden Friedhofskultur. Dies läuft allerdings dem Prinzip der anonymen Bestattung zuwider.

 

Es ist hier unstrittig, dass der Verstorbene den Wunsch nach einer anonymen Bestattung selbst festgelegt hat. Der letzte Wille muss in diesem Falle respektiert werden. Welche Beweggründe dabei für die Entscheidung ausschlaggebend waren, kann seitens der Friedhofsverwaltung nicht nachvollzogen werden. Ebenso nicht, ob der Verstorbene die Begleitung durch einen religiösen Geistlichen gewollt hätte. Der Magistrat muss daher davon ausgehen, dass bei der Wahl dieser Bestattungsform Wunsch des Verstorbenen war, anonym bestattet zu werden – mit allen Konsequenzen.

 

Sollten finanzielle Gründe ausschlaggebend für die Wahl einer anonymen Bestattung sein, bietet die Gebührenstaffelung der neuen Friedhofsordnung kostengünstige Alternativen, die dennoch einen würdevollen Umgang und ein Gedenken an den Verstorbenen ermöglich. Hier sei als ein Beispiel das Rasenreihengrab genannt. Diese Bestattungsform erfordert eine nur 68,--€ höhere Grabnutzungsgebühr auf das Nutzungsrecht über 20 Jahre verteilt gegenüber der anonymen Grabart. Hier können Angehörige und Geistliche an der Bestattung teilnehmen, durch das Einfügen einer Grabplatte ist auch später der Besuch der Grabstätte möglich. Auf Antrag können auch hier die Kosten vom Sozialamt genau wie bei der anonymen Bestattung übernommen werden.

 

gez. Dr. Manuela Rottmann

(Stadträtin)

 

Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung, 3. Sitzung vom 07.02.2011, Kenntnisnahme

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