KA 59 vom 17.08.2010 Vorschulklassen - Sammelbecken für Kinder mit wenig Deutschkenntnissen?

KA 59 vom 17.08.2010 Vorschulklassen - Sammelbecken für Kinder mit wenig Deutschkenntnissen?

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KAV 2010 Anregungen und Anfragen

KA 59 vom 17.08.2010 Vorschulklassen - Sammelbecken für Kinder mit wenig Deutschkenntnissen?

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© Stadt Frankfurt Main

Frankfurt a. M., 17.08.2010

 

Anfrage an den Magistrat der Stadt Frankfurt am Main

 

Gemäß dem Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) der 48. öffentlichen ordentlichen Plenarsitzung vom 16.08.2010 wird der Magistrat gebeten, folgende Fragen zu beantworten:

 

Viele Eltern mit Migrationshintergrund beschweren sich, dass ihre Kinder allein wegen Defiziten in der deutschen Sprache voreilig in die Vorschulklasse eingeschult werden und dadurch unnötig ein wertvolles Jahr verlieren.

 

Vor diesem Hintergrund wird der Magistrat gebeten, folgende Fragen zu beantworten:

 

1. Wie viele Kinder wurden im Stadtgebiet Frankfurt in den letzten 5 Jahren (Auflistung nach Schuljahr) in eine Vorschulklasse geschickt?

 

2. Wie viele Kinder davon waren Kinder mit Migrationshintergrund? Es wird um eine Auflistung nach Herkunftsland (bzw. nach Herkunftsland der Eltern) gebeten.

 

3. Wie viele Widersprüche seitens der Erziehungsberechtigten gab es gegen die Entscheidung der Schulen, die Kinder in die Vorschulklasse zu überweisen? Wie wurden diese Widersprüche entschieden?

 

4. Wie viele Kinder, die auf Widerspruch der Eltern in die 1. Klasse aufgenommen wurden, wurden wegen mangelnden Leistungen wieder in die Vorschulklasse zurückversetzt?

 

5. Nach welchen Kriterien werden die Kinder in die Vorschulklasse aufgenommen?

 

6. Sind Defizite in der deutschen Sprache alleiniger Grund dafür, um die Kinder in die Vorschulklasse zu schicken?

 

7. Nach einem Beschluss der Hessischen Landesregierung bieten Grundschulen Vorlaufkurse an als Hilfe für alle Kinder, die vor Eintritt in die Schule noch kein Deutsch können, oder deren Deutschkenntnisse als Schlüssel zum Schulerfolg noch verbessert werden müssen. Dabei arbeiten die Grundschulen mit Kindergärten eng zusammen. Welche Ergebnisse haben diese Vorlaufkurse in den letzten fünf Jahren gebracht. Konnten sie einen Beitrag dazu leisten, dass weniger Kinder in die Vorschulklasse aufgenommen werden? Wenn nein, warum?

 

Begründung:

Die KAV Frankfurt plädiert für Chancengleichheit in der Bildung. Dieser Grundsatz sollte auch für Kinder mit Migrationshintergrund gelten. Das Schulsystem muss in der Lage sein, die Defizite in der deutschen Sprache zu beheben, ohne dass dabei die betreffenden Kinder zurückversetzt werden.

 

gez. Enis Gülegen

(Vorsitzender der KAV)

Stellungnahme des Dez. II –Bildung und Frauen-

Amt/Betrieb: 40.52.2 - Stadtschulamt -

Frankfurt a. M., 14.10.2010

 

Der Magistrat hat die nachstehende Stellungnahme am 29.10.2011 zur Kenntnis genommen.

 

Zu 1 und 2:

In der Anlage (Tabelle 1) befindet sich eine Auflistung der letzten 4 Jahre über die Gesamtzahl der Kinder in Vorklassen, sowie die Auflistung nach dem Herkunftsland. Das Jahr 2006/2007 konnte aufgrund von Auswertungsproblemen nicht aufgeführt werden.

Seit dem Schuljahr 2008/2009 wird die Staatsbürgerschaft nicht mehr nach Ländern differenziert. Seit dem Schuljahr 2009/2010 wird das Merkmal Migrationshintergrund ausgewiesen.

Für die Fragen 3 - 7 ist grundsätzlich das Hessische Kultusministerium bzw. das Staatliche Schulamt für die Stadt Frankfurt am Main zuständig. Letzteres war bei der Beantwortung dieser Fragen behilflich.

 

Zu 3:

Hierüber wurden keine statistischen Zahlen erhoben. Bei späten Zurückstellungen nach dem 1.12. des Jahres wird den Widersprüchen stattgegeben.

 

Zu 4:

Auch hierüber werden keine statischen Zahlen erhoben.

 

Zu 5:

Vorklassen sind für schulpflichtige Kinder, die noch nicht über die körperliche geistige Reife verfügen, um erfolgreich in der ersten Klasse mitzuarbeiten. Vorklassen bereiten spielerisch auf die ersten Klassen vor. Es werden insbesondere Arbeitshaltungen eingeübt. Über die Zurückstellung in die Vorklasse entscheidet die Schulleiterin oder der Schulleiter. Bei Widersprüchen wird der/die Schulpsychologe/in mit einbezogen, sowie das Urteil des Amtsarztes/der Amtsärztin.

 

Zu 6:

Ein Kind kann auch allein wegen mangelnder deutscher Sprachkenntnisse zurückgestellt werden.

 

Zu 7:

In den letzten Jahren wurden in Frankfurt am Main insgesamt zwischen 800-900 Kinder in Vorlaufkursen sprachlich gefördert. Dadurch ist die Zahl der Kinder, die wegen sprachlicher Mängel zurückstellt werden mussten erstaunlich gering. Hierbei handelt es sich meistens um Kinder, die sehr spät zugezogen sind oder solche die am Vorlaufkurs nur unregelmäßig teilnahmen. Das bedeutet, dass die Förderung in den Vorlaufkursen als erfolgreich bezeichnet werden kann. Da die Teilnahme jedoch aufgrund der noch nicht vorliegenden Schulpflicht der Kinder freiwillig ist, sind die Schulen darauf angewiesen, dass der regelmäßige Besuch des Unterrichts durch die Eltern gewährleistet wird.

 

gez. Jutta Ebeling

(Bürgermeisterin)

 

Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung, 2. Sitzung vom 10.01.2011, Kenntnisnahme