KA 42 vom 23.06.2009 Angebot und Qualität des muttersprachlichen Unterrichts in den Grundschulen der Stadt Frankfurt am Main

KA 42 vom 23.06.2009 Angebot und Qualität des muttersprachlichen Unterrichts in den Grundschulen der Stadt Frankfurt am Main

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KAV 2009 Anregungen und Anfragen

KA 42 vom 23.06.2009 Angebot und Qualität des muttersprachlichen Unterrichts in den Grundschulen der Stadt Frankfurt am Main

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© Stadt Frankfurt Main

Frankfurt a.M., 23.06.2009

 

Anfrage an den Magistrat der Stadt Frankfurt am Main

 

Gemäß dem Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) der 37. öffentlichen ordentlichen Plenarsitzung vom 22.06.2009 wir der Magistrat gebeten, folgende Fragen zu beantworten:

 

1. An wie vielen Grundschulen in Frankfurt am Main wird muttersprachlicher Unterricht angeboten?

 

2. In welchen Muttersprachen wird an diesen Grundschulen gegenwärtig unterrichtet?

 

3. Sind die Angebote dieser Grundschulen jeweils als einfache Sprachkurse oder als intensiver muttersprachlicher Unterricht durch qualifizierte Lehrkräfte zu bewerten?

 

4. Wird der muttersprachliche Unterricht jeweils benotet? Inwieweit fließt die Benotung in das Schulzeugnis ein?

 

5. Wie hoch ist die Teilnehmerquote der Schülerinnen und Schüler am jeweiligen muttersprachlichen Unterricht? Wie hoch ist die Nachfrage bei den Eltern der Migrantenkinder?

 

6. Was unternimmt die Stadt Frankfurt am Main zur Aufwertung und Verbesserung der Qualität des jeweiligen muttersprachlichen Unterrichts, um die Nachfrage bei den Eltern der Migrantenkinder zu erhöhen und somit auch die Teilnahme der Schülerinnen und Schüler zu steigern?

 

Begründung:

Im Zeitalter der Mehrsprachigkeit sind alle Sprachen Wert zu schätzen, so auch die Muttersprache der in Deutschland lebenden Migrantenkinder.

Gegenwärtig ist erwiesen, dass der richtige Gebrauch der Muttersprache die Voraussetzung zum Erlernen einer weiteren Sprache ist.

Eine der Aufgaben der Schulen ist es daher, die Entwicklung der Fähigkeiten und Kenntnisse von Schülerinnen und Schülern zu fördern. So auch die jeweilige Muttersprache des Kindes! Um dies entsprechend gewährleisten zu können, müssen die Schulen Rahmenbedingungen hierfür schaffen.

Man kann nicht einerseits Mehrsprachigkeit propagieren und andererseits den jeweiligen muttersprachlichen Unterricht für die Migrantenkinder in den Schulen einschränken.

Die Unterstützung der Mehrsprachigkeit und die Förderung von sprachlicher und kultureller Identität nimmt daher eine immer größer werdende Bedeutung an und unterstreicht die Wichtigkeit des Erhalts der eigenen Muttersprache.

Die Muttersprache als Basis und die darauf aufbauende deutsche Sprache ist das Tor zur Integration.

 

gez.Enis Gülegen

(Vorsitzender der KAV)

 

Stellungnahme des Dez. II –Bildung und Frauen

Amt/Betrieb: 40.52.2 - Stadtschulamt -

Frankfurt a. M., 21.09.2009

Der Magistrat hat die nachstehende Stellungnahme am 12.10.2009 zur Kenntnis genommen.

Der Magistrat der Stadt Frankfurt am Main hat das Staatliche Schulamt für die Stadt Frankfurt am Main zur Anfrage der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung um eine Stellungnahme gebeten. Demnach stellt sich der Sachstand folgendermaßen dar:

 

Zu 1.

Der herkunftssprachliche Unterricht wird an 57 Grundschulen in Frankfurt am Main als freiwilliger Wahlunterricht angeboten.

 

Zu 2.

Der Wahlunterricht wird an diesen Schulen in folgenden Muttersprachen unterrichtet: Arabisch, Bosnisch, Griechisch, Italienisch, Kroatisch, Portugiesisch, Serbisch, Spanisch und Türkisch

 

Zu 3.

Die hessischen Lehrkräfte, die in dem Unterricht eingesetzt werden, sind qualifizierte Lehrkräfte für die Herkunftssprachen.

 

Zu 4.

Da es sich um freiwilligen Wahlunterricht handelt, wird lediglich die Teilnahme bestätigt (teilgenommen, mit Erfolg teilgenommen, mit gutem Erfolg teilgenommen)

 

Zu 5.

Laut der dem Hessischen Kultusministerium vorliegenden Statistik des Hessischen Statistischen Landesamtes in Wiesbaden über die Teilnahme am Unterricht in der Herkunftssprache (gemäß § 3 der Verordnung über die Stundentafeln für die Primarstufe und die Sekundarstufe I vom 20. Dezember 2006 (ABl. 1/2007 S. 4) nahmen im vergangenen Schuljahr 2008/09 (Stand: 08. Mai 2009) folgende Schülerinnen und Schüler in den Jahrgangsstufen 1 bis 4 in Frankfurt a. M. an diesem Unterricht (im Wahlunterricht) teil:

 

Jahrgangsstufe 1: 741 Schülerinnen und Schüler


Jahrgangsstufe 2: 854 Schülerinnen und Schüler


Jahrgangsstufe 3: 824 Schülerinnen und Schüler


Jahrgangsstufe 4: 722 Schülerinnen und Schüler


Insgesamt: 3.141 Schülerinnen und Schüler


Nach Auskunft des Staatlichen Schulamtes für die Stadt Frankfurt am Main ist die Zahl der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler in den letzten Jahren konstinuierlich gesunken.

 

Zu 6.

Das Amt für Multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt am Main bietet in enger Kooperation mit dem Staatlichen Schulamt das Modellprojekt „mitSprache“ an 5 Grundschulen und 2 Hauptschulen an, in denen Mehrsprachigkeit und der herkunftssprachliche Unterricht eine große Rolle spielen.

Die „mitSprache“ - Schulen befassen sich auf mehreren Ebenen mit der Mehrsprachigkeit Ihrer SchülerInnen. Lehrerfortbildungen, Verknüpfungen zwischen Regelunterricht und Unterricht in den Herkunftssprachen und thematische Elternabende sind wesentliche Merkmale dieses Modellprojektes.

Die systematische sprachliche Unterweisung in der Muttersprache erfolgt ausschließlich im herkunftssprachlichen Unterricht.

 

gez. Jutta Ebeling

(Bürgermeisterin)

 

Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung, 40. Plenarsitzung vom 26.10.2009, Kenntnisnahme

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