KA 33 vom 05.08.2008 Einrichtung von Pflegestützpunkten unter Berücksichtigung von kultur- und religionssensiblen Aspekten

KA 33 vom 05.08.2008 Einrichtung von Pflegestützpunkten unter Berücksichtigung von kultur- und religionssensiblen Aspekten

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KAV 2008 Anregungen und Anfragen

KA 33 vom 05.08.2008 Einrichtung von Pflegestützpunkten unter Berücksichtigung von kultur- und religionssensiblen Aspekten

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© Stadt Frankfurt Main

Frankfurt a.M., 05.08.2008

 

Anfrage an den Magistrat der Stadt Frankfurt am Main

 

Gemäß dem Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) der 28. öffentlichen ordentlichen Plenarsitzung vom 04.08.2008 wird der Magistrat gebeten, folgende Fragen zu beantworten:

 

1. Werden in der Stadt Frankfurt am Main Pflegestützpunkte eingerichtet?

 

2. Wenn nein, warum nicht?

 

3. Wenn ja, wie viele und in welchen Stadtteilen?

 

4. Wann werden die ersten Pflegestützpunkte ihre Arbeit für die pflegebedürftigen älteren Menschen und deren Angehörige aufnehmen?

 

5. Werden bei der Einrichtung und den Angeboten solcher Pflegestützpunkte auch die pflegebedürftigen Menschen und deren Angehörige mit Migrationshintergrund berücksichtigt?

 

6. Wird bei der Einrichtung der Pflegestützpunkte der kulturelle sowie der religiöse Hintergrund der pflege- und hilfebedürftigen Menschen und deren Angehörigen berücksichtigt?7. Werden die Mitarbeiter für die Pflegestützpunkte kultur- und religionssensibel geschult?

 

Begründung:

Zum 1. Juli trat die Pflegereform mit zahlreichen neuen Leistungen und Leistungsverbesserungen für Pflegebedürftige, Angehörige und Pflegende in Kraft. Neben einem breiten Angebot an haushaltsnahen Unterstützungen - wie etwa dem ambulanten Pflegedienst – sollen bis Anfang 2009 feste Pflegestützpunkte in den Gemeinden installiert werden. In diesen Pflegestützpunkten sollen Angehörige und Pflegebedürftige eine Anlaufstelle finden. Neben der Vermittlung von Hilfen für den Alltag, sollen die Pflegestützpunkte auch pflegerischen Bedarf erfassen und koordinieren. In diesen Pflegestützpunkten, sollen die Angehörigen schnell Rat und Hilfe erhalten, wenn der Pflegefall eintritt. Die Pflegebedürftigkeit kann plötzlich auftreten und die Angehörigen im Alltag leicht überfordern.

 

Eine Stadt wie Frankfurt sollte Pflegebedürftige und deren Angehörige bei der Bewältigung ihres teilweise schwierigen Alltags unterstützen und mit der Umsetzung bzw. dem Aufbau von Pflegestützpunkten so schnell wie möglich beginnen. Bei dem Aufbau der Pflegestützpunkte sollte bedacht werden, dass die Stadt Frankfurt eine multikulturelle Stadt ist und somit die Herkunft, Kultur und Religion der Pflegebedürftigen und deren Angehörigen besonders berücksichtigt werden sollte.

 

gez. Enis Gülegen

(Vorsitzender der KAV)

Stellungnahme des Dez. VIII –Soziales, Senioren, Jugend und Sport–

Amt/Betrieb: 51.F12 – Jugend- und Sozialamt –

Frankfurt a. M., 23.10.2008

 

Der Magistrat hat die nachstehende Stellungnahme am 14.11.2008 zur Kenntnis genommen.

 

Zu 1. und 2.

Die Entscheidung, ob Pflegestützpunkte eingerichtet werden, liegt bei den einzelnen Bundesländern. In Hessen ist zur Einrichtung von Pflegestützpunkten noch keine abschließende Entscheidung gefallen.

Die Stadt Frankfurt am Main hat vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und den daraus resultierenden komplexen Problemlagen bereits viel zur professionellen Entwicklung eines an den Bedarfen älterwerdender und alter Menschen orientierten Beratungssystems getan.

Mit dem Sozialdienst für ältere Bürger in den 9 Sozialrathäusern des Jugend- und Sozialamtes sowie mit den 9 Beratungs- und Vermittlungsstellen für ambulante Hilfen (BuV) der Träger der freien Wohlfahrtspflege, die jeweils stadtteilbezogen arbeiten, verfügt Frankfurt am Main über ein gut ausgebautes Beratungs- und Vermittlungssystem für älter werdende und alte Menschen mit umfassenden Hilfe- und Unterstützungsangeboten, die von den entsprechenden Zielgruppen gut angenommen werden. Im Rathaus für Senioren des Jugend- und Sozialamtes wurden 2 zentrale Servicestellen eingerichtet: die „Zentrale Koordinierungsstelle Stationäre Pflege“ und die „Koordinierungsstelle Wohnen und Pflege zuhause“, die im Beratungssystem wichtige Schnittstellenaufgaben wahrnehmen und die Sozialrathäuser sowie die BuV-Stellen in ihren Aufgabenstellungen entlasten. Die „Zentrale Koordinierungsstelle Stationäre Pflege“ übernimmt alle Aufgaben rund um eine qualitätsorientierte Heimplatzvermittlung sowie die Kostenregelung vor Heimaufnahme. Die „Koordinierungsstelle Wohnen und Pflege zuhause“ befasst sich mit den Themenstellungen rund ums Wohnen im Alter. Das Jugend- und Sozialamt der Stadt Frankfurt am Main und die Träger der freien Wohlfahrtspflege arbeiten derzeit gemäß den Handlungsempfehlungen der Partizipativen Altersplanung in Frankfurt am Main sowie unter Berücksichtigung des Pflege- Weiterentwicklungsgesetzes an der Weiterentwicklung des bestehenden Beratungssystems zu „Beratungsstellen für eine selbständige Lebensführung im Alter“. Zwischen der Stadt und den Trägern besteht Konsens, dass sowohl die derzeitigen Beratungs- und Vermittlungsstellen der Träger der freien Wohlfahrtspflege als auch die derzeitigen Sozialdienste für ältere Bürger der Sozialrathäuser des Jugend- und Sozialamtes in einer noch festzulegenden regionalen Aufteilung zukünftig gemeinsam als adressatenorientierte Beratungsstellen für eine selbständige Lebensführung im Alter tätig werden. Sie sollen dann jeweils gemeinsam aus einer Hand mit einheitlichen Standards und einem einheitlichen Qualitätsmanagementsystem umfangreiche Aufgaben für älterwerdende und alte Menschen von der Prävention bis hin zur Krisenintervention wahrnehmen. Zielsetzung ist die bestehenden Beratungs- und Unterstützungsleistungen noch stärker am individuellen Bedarf und der Lebenslage der Adressatengruppe auszurichten und zu optimieren, um der Vielfältigkeit des Alterns stärker entsprechen zu können. Damit sollen die soziodemographischen Variablen wie z.B. Lebensstil, Biographie, individueller Tagesrhythmus, zeitgeschichtliche Einflüsse, Benachteiligungsfaktoren sowie kulturelle- als auch Lebenssinn stiftende Orientierungen stärker im Beratungs- und Unterstützungsangebot berücksichtigt werden. Eine entsprechende Ausrichtung des Beratungsangebotes orientiert an den individuellen Bedarfslagen beinhaltet auch die Erbringung von Beratungsleistungen gerade bei alten Menschen, die sich des Hilfesystems nicht "bedienen" können, durch den Ausbau zugehender Beratungs- und Hilfeformen oder erweiterte Servicezeiten.

Sofern Pflegestützpunkte eingerichtet werden, kann in Frankfurt am Main an das oben beschriebene bestehende, bewährte und sich weiterentwickelnde Frankfurter Beratungssystem der Sozialrathäuser, des Rathauses für Senioren sowie der BuV-stellen der Träger der freien Wohlfahrtspflege angeknüpft werden, so dass dann ein gemeinsames Angebot aller Beteiligten (Kommune, Träger, Pflegekassen u.a.) unter einem Dach ermöglicht wird. Auf diese Art und Weise lassen sich Pflegestützpunkte realisieren, die regional orientiert mit verbindlichen und einheitlichen Standards sowie mit einem einheitlichen Qualitätsmanagementsystem aus einer Hand umfangreiche Aufgaben nach dem SGB XI sowie dem SGB XII, von der Prävention über Wohnberatung, Pflegeberatung gemäß §7a SGB XI, Vermittlung von Hilfsdiensten, Serviceleistungen und Bringdiensten bis hin zur Krisenintervention wahrnehmen. Die umfassenden Erfahrungen mit dem Beratungssystem der Stadt Frankfurt hinsichtlich „Koordination und Vernetzung“ können als zentrale Ressource in den Weiterentwicklungsprozess eingebaut werden.

 

Zu 3. und 4.

Beide Fragen können erst nach der abschließenden Entscheidung des Landes Hessen Pflegestützpunkte einzurichten beantwortet werden.

 

Zu 5.

Bei der Einrichtung und den Angeboten von Pflegestützpunkten in Frankfurt am Main werden die Bedarfe von allen pflegebedürftigen Menschen und deren Angehörigen berücksichtigt, selbstverständlich auch all derer mit Migrationshintergrund. Die derzeitige Ausrichtung und Umrüstung des Hilfesystems in Altenarbeit und -pflege impliziert ein individuelles Angebot unter den o.a. Kriterien, um auf die Vielfältigkeit des Alterns integrativ und nicht segregativ zu reagieren.

 

Zu 6.

Bei der Einrichtung von Pflegestützpunkten in Frankfurt am Main werden der kulturelle sowie der religiöse Hintergrund aller pflege- und hilfebedürftigen Menschen und deren Angehörigen gemäß den o.a. Kriterien selbstverständlich berücksichtigt.

 

Zu 7.

Für die Mitarbeiter/innen sind umfangreiche Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen vorgesehen, um sie auf alle Fragestellungen und Bedarfslagen einzustellen. Dazu gehören auch kultur- und religionssensible Aspekte. Dies kann fachlich durch das Dezernat XI –Integration unterstützt werden.

 

gez. Prof. Dr. Danilea Birkenfeld

(Stadträtin)

 

Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung, 32 Sitzung vom 12.01.2009, Kenntnisnahme

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