KA 24 vom 08.04.2008 Jugendhäuser in Frankfurt am Main

KA 24 vom 08.04.2008 Jugendhäuser in Frankfurt am Main

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KAV 2008 Anregungen und Anfragen

KA 24 vom 08.04.2008 Jugendhäuser in Frankfurt am Main

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© Stadt Frankfurt Main

Frankfurt a.M., 08.04.2008

 

Anfrage an den Magistrat der Stadt Frankfurt am Main

 

Gemäß dem Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) der 25. öffentlichen ordentlichen Plenarsitzung am 07.04.2008 wird der Magistrat gebeten, folgende Fragen zu beantworten:

 

1. Wie ist es um die Frankfurter Jugendhäuser bestellt?

 

2. Besteht in jedem Stadtteil Frankfurts ein Jugendhaus?

 

3. Sind die Jugendhäuser mit ausreichendem Fachpersonal besetzt, sprich Sozialarbeiter, Sozialpädagogen und Psychologen, die auch über interkulturelle Kompetenz verfügen?

 

4. Welche Jugendlichen verkehren in den Jugendhäusern?

Sind das vorwiegend Jugendliche aus Sozial schwachen Familien und Jugendliche mit Migrationshintergrund?

 

5. Welche Öffnungszeiten haben die Jugendhäuser?

 

6. Bestehen auch Angebote an den Wochenenden?

 

7. In wieweit werden die Eltern bei der Arbeit und den Angeboten der Jugendhäuser miteingebunden?

 

8. In wieweit arbeiteten die Jugendhäuser mit anderen Institutionen, wie zum Beispiel den Polizeibehörden zusammen, um präventiv Jugendkriminalität zu bekämpfen?

 

9. Bestehen Angebote für Jugendliche zur Berufsorientierung bzw. Hilfe zum Einstieg ins Berufsleben?

 

10. Bestehen Angebote speziell für pubertierende Mädchen, insbesondere unter Berücksichtigung der religiösen und kulturellen Herkunft?

Sind die Mitarbeiter/Innen der Jugendhäuser dementsprechend geschult?

 

11. Bestehen Angebote speziell für pubertierende Jungen, insbesondere unter Berücksichtigung der religiösen und kulturellen Herkunft?

Sind die Mitarbeiter/Innen der Jugendhäuser dementsprechend geschult?

 

Begründung:

Während des Wahlkampfes zur Wahl des Hessischen Landtags wurde die Jugendkriminalität vom amtierenden Ministerpräsident Herrn Roland Koch thematisiert. Dies bezog er hauptsächlich auf Jugendliche mit Migrationshintergrund. In der Öffentlichkeit, besonders in den Medien schlug dieses Thema hohe Wellen. Die Frankfurter Jugendhäuser genießen mittlerweile bei Jugendlichen und deren Eltern, unabhängig welche Herkunft, keinen guten Ruf, obwohl die aktive Arbeit mit Jugendlichen nachweislich zu deren positiven Entwicklung beiträgt.Es besteht seitens des Magistrats der Stadt Frankfurt am Main Handlungsbedarf, das Image der Jugendhäuser zu verbessern und den Jugendlichen Frankfurts attraktive Angebote zu unterbereiten.

 

gez. Enis Gülegen

(Vorsitzender der KAV)

Stellungnahme des Dez. VIII – Soziales, Senioren, Jugend und Sport –

Amt/Betrieb: 51.F13 – Jugend- und Sozialamt–

Frankfurt a. M., 25.06.2008

 

Der Magistrat hat die nachstehende Stellungnahme am 14.07.2008 zur Kenntnis genommen.

 

Zu 1.

Es gibt in nahezu allen Frankfurter Stadtteilen Jugendfreizeiteinrichtungen. Die Entstehung sowie Fortentwicklung durch Schaffung neuer Einrichtungen vollzog sich insbesondere innerhalb der letzten 50 Jahre. Nach anfänglicher - weitgehend ehrenamtlich geprägter Jugendarbeit- fand nach und nach eine Professionalisierung der offenen Jugendarbeit statt. Nahezu alle Stellen wurden mit Absolventinnen und Absolventen der Fachhochschulen für Sozialpädagogik und Sozialarbeit besetzt, nur in Ausnahmefällen gibt es Besetzungen durch Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrerinnen und Lehrer.

Die offene Jugendarbeit befindet sich in einem fortlaufenden Qualitätsdiskurs.

Hierbei sind verbindliche Qualitätsstandards in Bezug auf die Entwicklung von Raumprogrammen für Jugendfreizeiteinrichtungen, personelle Ausstattung der Einrichtungen sowie verbindliche Umsetzung von Qualitätskriterien wie soziales, interkulturelles, geschlechtsspezifisches Lernen und Partizipation zu beachten. Die Zielgruppen der offenen Jugendarbeit sind junge Erwachsene aus allen Kulturkreisen und Ethnien, von 13 bis 27 Jahren, vorrangig bis 20 Jahre.

Die Ausgestaltung der offenen Jugendarbeit vollzieht sich insbesondere auf der Grundlage der §§ 1, 8, 9, 11 und 13 SGB VIII in Verbindung zu den Frankfurter Leitlinien für Mädchenarbeit, Jungenarbeit sowie Leitlinien für die interkulturelle Orientierung und Kompetenz in der Kinder- und Jugendhilfe für die Stadt Frankfurt am Main. Eine Konzeptentwicklung für das Fachfeld der offenen Jugendarbeit findet kontinuierlich und bedarfsbezogen statt..Insgesamt hat die offene Jugendarbeit eine wichtige präventive Bedeutung und nimmt somit für die Kommune Frankfurt einen hohen jugendpolitischen Stellenwert ein.

 

Zu 2.

Außer im Stadtteil Harheim bestehen in allen Stadtteilen Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen.

 

Zu 3.

Die Jugendeinrichtungen –Jugendhäuser und Jugendbüros- sind mit ausreichendem sozialpädagogischen Fachpersonal besetzt. In der Regel werden ausgebildete Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sowie Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen beschäftigt. Psychologinnen und Psychologen werden in diesem Fachfeld nicht eingestellt. Das Fachpersonal wird fortlaufend zur Erfüllung aller Qualitätskriterien weitergebildet. Diese Weiterbildung umfasst auch die Themenbereiche der interkulturellen Kompetenz und des interreligiösen Dialoges.

 

Zu 4.

Die Besucherinnen und Besucher haben zu mehr als 50% Migrationshintergrund und kommen mit vielfältigen psychosozialen Problemlagen in die Jugendfreizeiteinrichtungen.

 

Zu 5.

Gemäß Beschluss des Jugendhilfeausschusses vom 29.10.2007 erstrecken sich die wöchentlichen Öffnungszeiten in einer zeitlichen Vorgabe von mindestens 16 Stunden (bei einer Personaldecke bis 1,25 Planstellen), bis zu 34 Stunden (bei einer Personaldecke von 4 Planstellen).

 

Zu 6.

Es gibt Wochenendöffnungszeiten bei Einrichtungen mit mehr als 3 Planstellen. Für Einrichtungen ab dieser Personalausstattung sind pro Jahr 20 Tage Wochenöffnungszeit vorgegeben.

 

Zu 7.

Es ist ein grundsätzliches Anliegen, Eltern in die Jugendfreizeitangebote einzubinden. Aktuell werden die Konzepte zur Elternarbeit in Jugendhäusern weiterentwickelt, um auch schwer erreichbare Eltern verstärkt einbinden zu können.

 

Zu 8.

Die Jugendhäuser, insbesondere die Jugendbüros, bei denen Einzelberatung im Vordergrund stehen, haben sehr guten Kontakt zu den jeweiligen Polizeirevieren, den Sondereinheiten und der Jugendkoordination im Polizeipräsidium. Es gibt Kontakte in den dafür vorgesehenen Gremien sowie informelle Kontakte im Einzelfall.Des Weiteren gibt es erfolgreiche Präventionskonzepte, wie z. B. ein Präventionskonzept mit der Bezeichnung „PIT“ (Prävention im Team). Dieses wird ämterübergreifend, d.h. von MitarbeiterInnen und Mitarbeitern des Jugend- und Sozialamtes, der Polizei, des Staatlichen Schulamtes mit den pädagogischen Teams in Jugendhäusern und Schulen durchgeführt.

 

Zu 9.

Alle pädagogischen Fachkräfte der Jugendhäuser begleiten und beraten in unterschiedlichem Umfang junge Menschen beim Übergang von der Schule in den Beruf. Hierbei arbeiten sie vernetzt mit speziellen Trägern der Jugendberufshilfe, den Schulen, den Arbeitsagenturen sowie den Unternehmen.

 

Zu 10.

In allen Einrichtungen gibt es gezielte Mädchen- und Jungenarbeit im Sinne der Leitlinien für Mädchen- und Jungenarbeit und den Qualitätskriterien für die Offene Kinder- und Jugendarbeit. Es gibt sechs spezifische Mädcheneinrichtungen, die überwiegend von Mädchen und jungen Frauen mit Migrationshintergrund besucht werden. Die Mädchenarbeit berücksichtigt auch die kulturelle und religiöse Herkunft pubertierender Mädchen. Die Mitarbeiterinnen nehmen zur Weiterqualifizierung kontinuierlich an Fortbildungen teil.

 

Zu 11.

In vielen Frankfurter Einrichtungen der offenen Jugendarbeit werden Angebote für Jungen vorgehalten. Seit der Verabschiedung der Frankfurter Leitlinien zur Förderung der Jungenarbeit im Jahr 2006 beschäftigen sich zunehmend mehr Träger und pädagogische Fachkräfte mit diesem Thema, das auch die kulturelle und religiöse Herkunft pubertierender Jungen berücksichtigt. Hierzu bietet das Jugend- und Sozialamt verschiedene Qualifikationsmöglichkeiten wie Fortbildungen und Fachtage für die pädagogischen Fachkräfte an.

 

gez. Prof. Dr. Birkenfeld

(Stadträtin)

 

Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung, 28. Sitzung vom 04.08.2008, Kenntnisnahme.

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