KA 1 vom 08.02.2006 Erhaltung der Unterkünfte der ersten „Gastarbeiter“

KA 1 vom 08.02.2006 Erhaltung der Unterkünfte der ersten „Gastarbeiter“

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Anregungen und Anfragen der KAV 2006

KA 1 vom 08.02.2006 Erhaltung der Unterkünfte der ersten „Gastarbeiter“

Frankfurt a.M., 08.02.2006

 

Anfrage an den Magistrat der Stadt Frankfurt am Main

 

Gemäß Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) der 2. öffentlichen ordentlichen Plenarsitzung am 06.02.2006 wird der Magistrat gebeten, folgende Anfrage zu beantworten:

 

Mit dem Anregung vom 28.06.2005, K 68 regte die KAV an, zur Erhaltung der Unterkünfte der ersten „Gastarbeiter“ in der Kurmainzer Straße 47 diese u. a. unter Denkmalschutz zu stellen und bei Kulturrundfahrten wie „KulTours“ in das Programm aufzunehmen.

 

Mit dem Bericht des Magistrats vom 02.01.2006, B 5 teilt der Magistrat mit, dass „das Objekt jedoch nicht die Kriterien nach § 2 Hessisches Denkmalschutzgesetz“ erfülle und „somit nicht Kulturdenkmal im Sinne des Gesetzes“ sei.

 

Dies vorausgeschickt fragen wir den Magistrat:

 

1. Welche der gesetzlich vorgesehenen Bedingungen erachtet der Magistrat für nicht gegeben und folgert daraus, die Unterkünfte erfüllten nicht die Kriterien nach § 2 Hessisches Denkmalschutzgesetz, wenn der Gesetzestext des entsprechenden Paragraphen in der Fassung vom 5. September 1986 (GVBI. I 1986, S.1269), zuletzt geändert durch Gesetz vom 31. Oktober 2001 (GVBI. I 2001, S.434) lautet:

 

㤠2 Begriffsbestimmung


Schutzwürdige Kulturdenkmäler im Sinne dieses Gesetzes sind Sachen, Sachgesamtheiten oder Sachteile, an deren Erhaltung aus künstlerischen, wissenschaftlichen, technischen, geschichtlichen oder städtebaulichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht,…“

 

2. Teilt der Magistrat die Meinung, dass die Anwerbung von „Gastarbeitern“, die auch symbolisch den markanten Anfang der Einwanderung von großen Teilen der heutigen Frankfurter Bevölkerung in unsere Stadt darstellt, für die Geschichte unserer Stadt von besonderer geschichtlicher Bedeutung ist?

 

3. Müsste dann nicht ein öffentliches Interesse daran bestehen, die besagten Bauten als „Zeugnisse der Stadtgeschichte“ zu erhalten?

 

4. Wenn der Magistrat vor kurzem der Anfänge der italienischen Arbeitsmigration feierlich gedachte, warum werden dann nicht auch die besagten Unterkünfte für würdig befunden, als Beispiel für die Lebensverhältnisse eben dieser ersten Arbeitsmigranten erhalten zu werden?

 

gez. Enis Gülegen

(Vorsitzender der KAV)

Stellungnahme des Dez. IV –Planung und Sicherheit–

Amt/Betrieb: 60B.1 –Denkmalamt–

Frankfurt a. M., 19.06.2006

 

Der Magistrat hat die nachstehende Stellungnahme am 24.07.2006 zur Kenntnis genommen.

 

Zu 1:

Die Bewertung der Frage, ob die Kriterien nach § 2 Hessisches Denkmalschutzgesetz (HDSchG) erfüllt sind, obliegt grundsätzlich dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Die Fachbehörde hat die Objekte besichtigt und den Sachverhalt geprüft, konnte für die Unterkünfte allerdings keinen Denkmalwert erkennen.

 

Zu 3+4:

Für die besagten Gastarbeiterunterkünfte ist kein eigenständiger Bautypus entwickelt worden. Vielmehr lebte ein Großteil der ausgebombten Bevölkerung nach dem Weltkrieg II in ähnlichen Behelfsheimen. Insofern stellen die Baracken bau- und kunstgeschichtlich keine Besonderheit dar, die mit den Mitteln des HDSchG geschützt und erhalten werden müssten. Die migrationsgeschichtlichen Gründe allein sind nicht hinreichend, den Denkmalwert der Gebäude zu begründen und diese unter den besonderen Schutz des HDSchG zu stellen.Die Unterbringung der Gastarbeiter ist allerdings migrationsgeschichtlich so interessant, dass es sinnvoll ist, das Gedenken an die Anfänge der Migrationsbewegung aufrechtzuerhalten. Dieses Gedenken kann jedoch unabhängig von einer Eintragung der Gebäude in das Denkmalbuch der Stadt Frankfurt am Main und der Restaurierung der Objekte am geschichtlichen Ort erfolgen.

 

gez. Schwarz

Stadtrat

 

Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung, 8. Sitzung vom 18.09.2006, Kenntnisnahme

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