KA 39 vom 08.11.2005 Erziehungsvereinbahrungen zwischen Einrichtungen und Eltern

KA 39 vom 08.11.2005 Erziehungsvereinbahrungen zwischen Einrichtungen und Eltern

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KAV 2005 Anregungen und Anfragen

KA 39 vom 08.11.2005 Erziehungsvereinbahrungen zwischen Einrichtungen und Eltern

Frankfurt a.M., 08.11.2005

 

Anfrage an den Magistrat der Stadt Frankfurt am Main

 

Gemäß Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) der 42. öffentlichen außerordentlichen Plenarsitzung am 07.11.2005 wird der Magistrat gebeten, die folgende Anfrage zu beantworten:

 

In verschiedenen Berichten des Magistrats über die Erprobungsphase des Bildungsplans 0/10 und über das städtische Konzept für Kinderbetreuung in Frankfurt ist oft die Rede von Erziehungsvereinbarungen zwischen Einrichtungen und Eltern.

 

Wir möchten wissen:

1. Wer ist zuständig für den Inhalt und die Formulierung dieser Vereinbarungen?

2. Werden Fachleute mit Migrationshintergrund darin miteinbezogen?

3. Wie werden die Vereinbarungen mit Eltern abgesprochen?

4. Wie schaffen es Migranten-Eltern, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, auf der "gleichen Augenhöhe" mit den VertreterInnen von KITAS darüber zu verhandeln? Wie werden sie darüber beraten und vorbereitet? Sind kulturelle und sprachliche Mediatoren einbezogen worden, bzw. werden sie einbezogen?

5. Warum wird die KAV nicht darüber unterrichtet?

 

Begründung:

Leider wird über die Praxis der Durchführung der oben genannten Erziehungsvereinbarungen wenig bekannt gegeben. Um die Interessen der ausländischen Eltern vertreten zu können, benötigt die KAV die dazu notwendigen Details.

 

gez. Hüseyin Sitki

Vorsitzender der KAV

Stellungnahme des Dez. VI –Bildung, Umwelt und Frauen–

Amt/Betrieb: 40 -Stadtschulamt-

Frankfurt a. M., 17.01.2006

 

Der Magistrat hat die nachstehende Stellungnahme am 13.09.2006 zur Kenntnis genommen.

 

Der „Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Hessen“ wurde im Frühjahr 2005 im Entwurf vorgelegt und wird seit dem Kindergarten-/ Schuljahr 2005 / 2006 in 45 Tandems jeweils aus Kindertageseinrichtung und Grundschule erprobt. Die Ergebnisse der Erprobungshase werden im Sommer 2007 ausgewertet. Der Bildungs- und Erziehungsplan führt aus, dass im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen pädagogischen Fachkräften einerseits und den Eltern andererseits eine Erziehungs- und Bildungspartnerschaft aufzubauen ist. Im Kapitel „Kooperation und Beteiligung“ ist u. a. die Rede von Bildungs- und Erziehungsvereinbarungen bzw. -verträgen ohne diese aber näher zu beschreiben. Vielmehr werden folgende „Maßnahmen im Einzelnen“ aufgeführt:

 

Kooperationsverhältnis eingehen, das auf Gleichberechtigung hin angelegt ist

 

Gestaltung, Abläufe und Beendigung des Vertragsverhältnisses, Rechte und Pflichten, Kooperationsformen usw. möglichst anhand eines Vertragsvordrucks aushandeln

 

Vertragsverhandlungen in Kindertageseinrichtungen und bei Tagespflege im Zuge von Aufnahmegesprächen führen (Voraussetzung für Vertragsabschluss: Einverständnis der Eltern mit der Einrichtungskonzeption)

 

Freiwillige Vereinbarung zwischen Elternschaft, Schüler und Schule herstellen

 

Im „Rahmenkonzept für die städtischen Kindertageseinrichtungen“ ist ausgeführt: „Eine wesentliche Grundlage für eine gelingende Kooperation ist daher die Anerkennung der elterlichen Kompetenzen in Erziehungsfragen“. Darüber hinaus ist die Berücksichtigung und die Akzeptanz der jeweiligen beruflichen, kulturellen und familiären Lebensbedingungen der Eltern als ein wesentlicher Bestandteil des Verständigungsprozesses anzusehen.“

 

Bereits jetzt gibt es eine Vielzahl von Kommunikations- und Kooperationsformen gleichermaßen mit deutschen wie mit Eltern mit Migrationshintergrund wie z.B. Aufnahmegespräch, Beschwerden / Konflikt-Gespräche, Informationsveranstaltungen, Elternnachmittage / Elternabende, Hospitationen und Teilnahme an Angeboten im Alltag, Beteiligung der Eltern an Angeboten der KT wie Feste, Gestaltung des Außengeländes, Projekte, Mitwirkung der Elternbeiräte usw. Erziehungsvereinbarungen als ein möglicher Baustein der Kooperation zwischen der Kindertageseinrichtung und den Eltern sind im Rahmenkonzept nicht benannt.

 

Dieses vorausgeschickt wird zu den Fragen wie folgt Stellung genommen:

zu 1. – 3.: Erziehungsvereinbarungen liegen bisher nur für den Bereich der Schulen vor. Deshalb werden mögliche Inhalte und die Formulierungen von Erziehungsvereinbarungen in diesem Jahr gemeinsam mit und in zwölf Kindertageseinrichtungen erarbeitet und erprobt. Diese werden dann jeweils vor Ort gemeinsam mit den Eltern ergänzt und auf ihre Tauglichkeit für die Verbesserung der Kooperation zum Wohl der Kinder überprüft.

 

Bei der Auswahl der beteiligten Kindertageseinrichtungen wurden die unterschiedlichen Einzugsgebiete innerhalb der Stadt Frankfurt berücksichtigt, um so sicher zu stellen, dass Eltern verschiedenster Kulturen und Nationalitäten mit einbezogen werden können.

 

zu 4.: Sind Eltern ohne ausreichende Deutschkenntnisse beteiligt, müssen Übersetzer einbezogen werden. Geplant ist auf die schon jetzt bei Gesprächen bestehende Praxis zurückzugreifen, dass Eltern Personen ihres Vertrauens zum Gespräch mitbringen.

 

zu 5.: Am 27.01.2005 hat die Stadtverordnetenversammlung beschlossen (§ 8568), dass in den Kindertageseinrichtungen Erziehungsvereinbarungen zwischen der Einrichtung und den Eltern bei Eintritt des Kindes in die Kindertagesstätte bzw. nach einer Beobachtungsphase abzuschließen sind. Mit dem Bericht B 560 vom 22.8.2005 und dem B 854 vom 27.12.2005 hat der Magistrat über den Sachstand informiert.

 

gez. Ebeling

(Stadträtin)

 

Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung,3. Sitzung vom 06.03.2006, Ablehnung

 

Die Beschlusslage der Fachausschüsse und der Stadtverordnetenversammlung zu den Berichten des Magistrats B 560 und B 854 können Sie über das Informationssystem PARLIS 2000 aufrufen.

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