KA 21 vom 27.04.2004 Zum Abbruch von Therapien für circa 360 schwerst traumatisierte Opfer im Rahmen des Programms „Therapie für Flüchtlinge und Opfer organisierter Gewalt“ beim Evangelischen Regionalverband

KA 21 vom 27.04.2004 Zum Abbruch von Therapien für circa 360 schwerst traumatisierte Opfer im Rahmen des Programms „Therapie für Flüchtlinge und Opfer organisierter Gewalt“ beim Evangelischen Regionalverband

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KAV 2004 Anregungen und Anfragen

KA 21 vom 27.04.2004 Zum Abbruch von Therapien für circa 360 schwerst traumatisierte Opfer im Rahmen des Programms „Therapie für Flüchtlinge und Opfer organisierter Gewalt“ beim Evangelischen Regionalverband

Frankfurt a.M., 27.04.2004

 

Anfrage an den Magistrat der Stadt Frankfurt am Main

 

Gemäß Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) der 26. öffentlichen ordentlichen Plenarsitzung am 26.04.2004 wird der Magistrat gebeten, die folgende Anfrage zu beantworten.

 

Eine Delegation von über 20 Patienten des Programms „Therapie für Flüchtlinge und Opfer organisierter Gewalt“ des Evangelischen Regionalverbandes wandte sich an die KAV mit der Bitte, sich ihres Anliegens anzunehmen und dieses auf dem politischen Forum zur Sprache zu bringen.

 

Durch die fristlose Kündigung ihrer Therapeutin seien die teilweise seit 8 bis 9 Jahren fortdauernden Behandlungen von heute auf morgen, ohne jegliche Vorankündigung und ohne jegliches Ersatzangebot, beendet worden.

 

Die 25 Frauen und Männer sind allesamt Patienten in dem vorgenannten Programm gewesen, in dem psychologische Therapie für Flüchtlinge in der Muttersprache angeboten wurde. Bei ihnen handelt es sich häufig um Opfer organisierter Gewalt, d.h. diese Menschen sind also gefoltert worden. Sie weisen darauf hin, dass dieser Vorgang aus medizinischer Sicht ein unerhörter Skandal ist. Es käme dem gleich, wie wenn während einer lebenswichtigen Operation die Beatmungsmaschine abgeschaltet wird, weil dem Arzt gekündigt wird. Die 25 Frauen und Männer repräsentierten insgesamt 360 Patientinnen und Patienten aus dem Programm, die teilweise aus dem ganzen Bundesgebiet kommen.

 

Dies vorausgeschickt fragen wir den Magistrat:

 

1. Welchen Standpunkt nimmt der Magistrat hinsichtlich der Tatsache ein, dass eine medizinisch so enorm wichtige Versorgung abrupt und ersatzlos beendet wird?

2. Wie bewertet der Magistrat diesen Vorfall, dass mit der psychischen Gesundheit von schwerst traumatisierten Menschen so sorglos umgegangen wird?

3. Sieht der Magistrat eine Möglichkeit, auf den Evangelischen Regionalverband dahingehend politisch Einfluß zu nehmen, dass den Betroffenen umgehend die Fortsetzung ihrer Therapien in ihrer Muttersprache ermöglicht wird?

 

gez. Hüseyin Sitki

Vorsitzender der KAV

Stellungnahme des Dez. IX -Gesundheit, Brandschutz, Wirtschaft und Recht-

Amt/Betrieb: 53.5 -Stadtgesundheitsamt-

Frankfurt a. M., 16.06.2004

 

Der Magistrat hat die nachstehende Stellungnahme am 02.08.2004 zur Kenntnis genommen.

 

zu Frage 1 + 2:

Der Magistrat ist sich sicher der Wichtigkeit der Behandlung und Beratung von schwerst traumatisierten Flüchtlingen und Opfern organisierter Gewalt bewusst und unterstützt diese Arbeit in verschiedenen Bereichen.

 

Der Magistrat sieht in diesem Zusammenhang keinen sorglosen Umgang mit schwerst traumatisierten Menschen, da der Regionalverband alle Anstrengungen unternimmt, um das bisherige Beratungsangebot sowie therapeutische Gespräche fortzuführen. Hierfür stehen 6 therapeutisch ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung, die von 6 Dolmetscherinnen und Dolmetschern unterstützt werden.

 

zu Frage 3:

Da es sich bei dem Angebot um eine freiwillige Leistung des Regionalverbandes handelt, sieht der Magistrat keine Möglichkeit des politischen Einflusses.

 

gez. Burggraf

(Stadtrat)

 

Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung, 30. Sitzung vom 27.09.2004, Kenntnisnahme.

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