KA 9 vom 05.12.2002 Vorbereitung ausländischer Kinder auf die Einschulung

KA 9 vom 05.12.2002 Vorbereitung ausländischer Kinder auf die Einschulung

header image

KAV 2002 Anregungen und Anfragen

KA 9 vom 05.12.2002 Vorbereitung ausländischer Kinder auf die Einschulung

Anfrage an den Magistrat der Stadt Frankfurt am Main

 

Vorbereitung ausländischer Kinder auf die Einschulung

 

Gemäß Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) in der 12. öffentlichen ordentlichen KAV-Plenarsitzung am 25.11.2002 wird der Magistrat gebeten, folgende Anfrage zu beantworten:

 

1. Welche Maßnahmen wurden/werden bei der Stadt Frankfurt am Main – besonders in den Kindergärten – getroffen, um ausländischen Kindern bei der Einschulung Chancengleichheit zu gewähren?

 

2. Werden in den Kindergärten Förderkurse angeboten, die sprachliche Defizite ausgleichen?

 

3. Werden die Eltern der ausländischen Kinder, die ihre Kinder in keinem Kindergarten anmelden, nochmals dazu aufgefordert und bei Nichtbeachtung auf die Folgen hingewiesen?

 

Begründung:

In Hessen werden immer mehr ausländische Kinder von der Einschulung zurückgestellt. Das geht aus dem „Migrationsreport 2002“ des Landes hervor. Im Landesdurchschnitt wurden 21 % der ausländischen Kinder nicht mit sechs Jahren eingeschult. Man rechnet damit, dass sich durch die neuen Einschulungsregeln mit ihren verschärften Anforderungen an die Sprachfähigkeit diese Quote noch erhöhen wird.

 

Die ausländischen Kinder kommen mit der deutschen Sprache zum ersten mal in den Kindergärten in Berührung. Das bedeutet, dass die Kindergärten die Aufgabe haben, den Kindern bis zum Schulanfang die deutsche Sprache so weit zu vermitteln, dass sie ohne Probleme in die Grundschule aufgenommen werden können.

 

Konkrete Maßnahmen – wie z.B. die frühe Aufnahme der Kinder in die Kindergärten und die Ausbildung des Betreuungspersonals – sind dringend notwendig, um Chancengleichheit zu verwirklichen.

 

Dabei ist darauf zu achten, dass so frühzeitig wie möglich die Familie eingebunden wird. Nicht nur, weil die Familie in dem Prozeß des Deutschlernens mithelfen muß, sondern auch, um den Eltern die Wichtigkeit deutlich zu machen.

 

gez. Sitki

Vorsitzender der KAV

Stellungnahme des Dez. VI -Bildung, Umwelt und Frauen-

Amt/Betrieb: 40.54.1 -Stadtschulamt-

Frankfurt a. M., 03.02.2003

 

Der Magistrat hat die nachstehende Stellungnahme am 21.02.2003 zur Kenntnis genommen.

 

zu Frage 1

Für die Chancengleichheit im Bildungsbereich hat das Thema Sprachkompetenz eine zentrale Bedeutung. Sie verbessert die Entwicklungsmöglichkeiten und die soziale Integration der Kinder und gibt ihnen größere Chancen, den späteren schulischen Anforderungen entsprechen zu können.

Das Dezernat für Bildung, Umwelt und Frauen hat daher Ende 1999 mit der Durchführung eines zweiphasigen Projektes zur Entwicklung eines Förderkonzeptes für mehrsprachig aufwachsende Kinder begonnen. Im Rahmen dieses Projekts, das unter Federführung der Fachabteilung Städtische Kindertageseinrichtungen des Stadtschulamtes durchgeführt wurde, waren auch 25 Erzieherinnen an der Konzepterarbeitung beteiligt. Auf diese Weise konnten theoretische Grundlagen mit Erfahrungen aus der Kindergartenpraxis optimal verknüpft werden.

 

Die daraus entwickelte Konzeption zur Sprachförderung ist im Herbst 2001 als Broschüre mit dem Titel „Meine, deine, unsere Sprache“ vorgelegt worden – zusammen mit dem Videofilm „Erzähl mir´ne Geschichte“, der Bespiele aus der praktischen Arbeit zeigt.

 

Die Sprachförderung nach diesem Konzept setzt unmittelbar beim Eintritt in den Kindergarten an. Im Alter von drei Jahren sind die Kinder gerade dabei, ihre Muttersprache zu entwickeln, und gleichzeitig wird die Zweitsprache Deutsch eingeführt (die für viele Kinder sogar die Drittsprache darstellt). Da die grundlegenden verbalen Fähigkeiten sich nur in Kommunikationssituationen ausformen können (Sprache im Vorschulalter kann nicht schulmäßig „gelehrt“ werden), müssen für die Förderung alle Sinne und damit alle Entwicklungsbereiche Förderungskonzept ausgerichtet: Es gilt, im Kindergarten Situation zu schaffen, in denen (durch gezielte Anregungen unterschiedlicher Sinnebereiche) Kompetenzen in der deutschen Sprache auf- und ausgebaut werden.

 

Auch in den Kindertageseinrichtungen freier und kirchlicher Träger werden ganzheitliche, an der Lebenswelt der Kinder orientierte Sprachförderkonzepte entwickelt und praktiziert. Vielfach besteht eine fachliche Kooperation zwischen städtischem Träger und freigemeinnützigen Trägern bei der Fortbildung der Mitarbeiterinnen und der Weiterentwicklung der Sprachförderkonzepte.

 

Das Hessische Sozialministerium hat im Sommer 2002, zeitgleich zur Einführung der Vorlaufkurse zur Sprachförderung an Schulen, das „Landesprogramm Deutschförderung bei Kindern im Kindergarten“ bereitgestellt. Hiermit werden Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte und konkrete Projekte in Kindertageseinrichtungen zusätzlich gefördert.

 

zu Frage 2

Zur Zeit befindet sich das Projekt der Fachabteilung Städtische Kindestageseinrichtungen des Stadtschulamtes in der zweiten Phase, d. h. Mitarbeiter/inne aus städtischen Kindertageseinrichtungen werden seit Anfang 2002 – auf der Grundlage der o. g. Broschüre – für die Sprachförderung qualifiziert, und es wird bereits in verschiedenen städtischen Kindergärten nach diesem Konzept gearbeitet. Dabei sind zunächst die Einrichtungen für die Fortbildungen ausgewählt worden, die hohen Anteil mehrsprachig aufwachsender Kinder betreuen. Bis Ende 2004 sollen nach und nach alle städtischen Einrichtungen an den Qualifizierungsmaßnahmen teilgenommen haben und Sprachförderung durchführen.

 

Ähnlich gestaltet sich die Weiterentwicklung der Maßnahmen zur Sprachförderung im Bereich der freigemeinnützigen Träger. So kann davon ausgegangen werden, dass sich die Zahl der Projekte in Kindertageseinrichtungen, die sich intensiv mit der Förderung der sprachlichen Kompetenz aller Kinder befassen, kontinuierlich erhöht. Dies wird vor allem bei der Antragstellung auf die Mittel des „Landesprogramm“ Deutschförderung bei Kindern im Kindergarte“ für das Haushaltsjahr 2003 deutlich werden.

 

zu Frage 3

Natürlich spielt es auch eine wichtige Rolle, ob die Kinder in einem sprachanregenden familiären Umfeld aufwachsen. Hier kommt es besonders darauf an, Eltern darüber zu informieren, dass die Weiterentwicklung der muttersprachlichen Fähigkeiten zu Hause kein Hindernis darstellt, sondern den Erwerb der deutschen Sprache unterstützt. Hier werden jedoch nur die Eltern erreicht, die ihre Kinder im Kindergarten anmelden.

 

Die Anmeldung aller Kinder in einem Kindergarten oder Kinderlagen erfolgt auf freiwilliger Basis.

Da keine Kindergartenpflicht besteht (analog der Schulpflicht) gibt es im Stadtschulamt auch keine Erfassung der nicht angemeldeten Kinder im Alter von 3 – 5 Jahren. Eine Information der Eltern bzw. Aufforderung, ihre Kinder im Kindergarten anzumelden, erfolgt daher nicht.

 

Mit Änderung des Hessischen Schulgesetzes werden alle Eltern von Staatlichen Schulamt aufgefordert, ihre schulpflichtigen Kinder ein Jahr vor Schuleintritt anzumelden. Nach Überprüfung der Deutschkenntnisse werden dann – wenn erforderlich – Vorlaufkurse zur Sprachförderung von den Schulen durchgeführt.

 

gez. Jutta Ebeling

(Stadträtin)

 

Beschluss des Plenums der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung, 15. Sitzung vom 10.03.2003, Kenntnisnahme.

inhalte teilen