KA 4 vom 29.07.2002 Ausländische Schüler an Frankfurter Sonderschulen

KA 4 vom 29.07.2002 Ausländische Schüler an Frankfurter Sonderschulen

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KAV 2002 Anregungen und Anfragen

KA 4 vom 29.07.2002 Ausländische Schüler an Frankfurter Sonderschulen

Frankfurt a.M., 29.07.2002

 

Anfrage an den Magistrat der Stadt Frankfurt am Main

 

Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) der 8. öffentlichen außerordentlichen KAV-Plenarsitzung am 26.06.2002

 

Der Magistrat wird gebeten, das Staatliche Schulamt zu bitten, der KAV folgende Fragen zu beantworten:

 

Der Magistrat gibt in seinem Bericht B 537 vom 17.05.2002 einen kurzen Überblick über die Zahl der ausländischen Schüler, die in Frankfurt Sonderschulen besuchen.Das stellt sich wie folgt dar:

 

Tabelle und Graphik siehe am Ende der Seite

 

Bei der Analyse der graphischen Darstellung ist eine kontinuierliche Zunahme der Schüler mit türkischer Herkunft an Frankfurter Sonderschulen festzustellen.

 

1. In dem Magistratsbericht wird die Aussage zurückgewiesen, dass ausländische Kinder wegen mangelnder Sprachkenntnisse leichtfertig an Sonderschulen überwiesen werden. Begründet wird dies, dass ein sehr differenziertes Überprüfungsverfahren dies ausschließt. Wenn mangelnde Sprachkenntnisse nicht der Grund dafür ist, was sind dann die wahren Gründe?

 

2. Was ist unter einem „sehr differenzierten Überprüfungsverfahren“ zu verstehen?

 

3. Werden bei dem Überprüfungsverfahren für die Sonderschulen auch die Eltern der Kinder, sowie die Bildungsabteilungen der jeweiligen Diplomatischen Vertretung mit einbezogen?

 

4. Wie erklärt man sich, dass die Anzahl der türkischen Schüler an Frankfurter Sonderschulen besonders hoch ist?

 

5. Welche schulischen Fördermaßnahmen gibt es und welche weiteren sind geplant, um Kinder an den Regelschulen entsprechend zu fördern, damit der Anteil der ausländischen Schüler an Frankfurter Sonderschulen sinkt und den gleichen Stand erreicht wie deutsche Schüler.

 

gez. Sitki

Vorsitzender der KAV

Stellungnahme des Dez. VI –Bildung, Umwelt und Frauen

Amt/Betrieb: 40 - Stadtschulamt -

Frankfurt a. M., 12.09.2002

 

Der Magistrat hat die nachstehende Stellungnahme am 30.09.2002 zur Kenntnis genommen.

 

Stellungnahme des Staatlichen Schulamtes

Ihre Anfrage vom 29.07.02 habe ich zuständigkeitshalber erhalten und kann Ihnen folgende Informationen geben. Ihre Statistik der Jahre 1990 – 2000 kann um das Jahr 2001 mit folgenden Zahlen ergänzt werden: Im Schuljahr 2000 / 01 haben 354 türkische SchülerInnen eine Sonderschule besucht.

 

Die Zahl der türkischen Schüler und Schülerinnen in Relation zur Anzahl ausländischer Schüler anderer Nationalitäten liegt mit Abstand am höchsten, s. Anlage 1 Ausländerstatistik.

 

Die Anzahl der türkischen Schüler und Schülerinnen in Frankfurt hat seit 1990 allgemein zugenommen.

 

Zu 1.

Die Überweisung ausländischer Schüler und Schülerinnen an Sonderschulen für Lernhilfe erfolgt nur aufgrund erheblicher langandauernder Lernbeeinträchtigungen und sofern keine ausreichende Förderung mehr in der Regelschule geleistet werden kann. Die Schüler und Schülerinnen liegen mit ihren intellektuellen Fähigkeiten unter dem Durchschnitt, sie haben Entwicklungsrückstände unterschiedlicher Ausprägung in kognitiven, motorischen und sozialen Bereich. Es wird nicht allein aufgrund sprachlicher Defizite sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt. Bereits bevor ein Sonderschullehrer vom Staatlichen Schulamt mit der Überprüfung beauftragt wird, überprüft dieses, ob das Kind ausreichend in der Regelschule gefördert wurde, selbstverständlich auch im sprachlichen Bereich.

 

Zu 2.

Das differenzierte Überprüfungsverfahren stellt die Fähigkeiten und Fertigkeiten eines jeden Schülers anhand normierter und informeller Verfahren im kognitiven, motorischen und sozialen Bereich fest. Die sprachlichen Fähigkeiten werden bei Schülern und Schülerinnen nichtdeutscher Herkunft, wenn notwendig, mit Hilfe eines Dolmetschers ermittelt. Dies wird im Gutachten protokolliert. Dabei ist sichergestellt, das nicht allein mangelnde deutsche Sprachkenntnisse Grund für einen sonderpädagogischen Förderbedarf sind.

 

Zu 3.

Die Eltern, ggf. mit Dolmetscher oder Bezugspersonen der Eltern und Schüler und Schülerinnen werden vor der Überprüfung ausführlich informiert und beraten. Während und nach der Überprüfung erfolgt eine weitere umfassende Beratung. Die Eltern erhalten das Gutachten, das ihnen, wenn notwendig, übersetzt wird.

 

Zu 4.

Die Anzahl der türkischen Schüler und Schülerinnen hat in den letzten Jahren allgemein zugenommen. Im Schuljahr 1994 / 95 besuchten 5700 Schüler und Schülerinnen türkischer Herkunft Frankfurter Schulen. Im Schuljahr 2000 / 01 waren es dagegen schon 6262 Schüler und Schülerinnen.

 

Zu 5.

Frankfurts allgemeinbildende Schulen haben umfangreiche Angebote zur Förderung lernschwacher Schüler und Schülerinnen. Zusätzlich werden ab Herbst 2002 Vorlaufkurse für einzuschulende Kinder mit mangelnden Sprachkenntnissen angeboten. Die vom Land Hessen bereitgestellten Förderstunden für Schüler und Schülerinnen nichtdeutscher Herkunft werden vom Staatlichen Schulamt in vollem Umfang den Schülern zugewiesen.Im Schuljahr 2000/01 besuchten 958 deutsche Schüler und Schülerinnen und 919 ausländische Schüler und Schülerinnen eine Sonderschule.

 

gez. Jutta Ebeling

(Stadträtin)

 

Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung, 12 Sitzung vom 25.11.2002,

Kenntnisnahme

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