KA 3 vom 16.07.2002 Die Situation der islamisch orientierten Vereine in Frankfurt am Main

KA 3 vom 16.07.2002 Die Situation der islamisch orientierten Vereine in Frankfurt am Main

header image

KAV 2002 Anregungen und Anfragen

KA 3 vom 16.07.2002 Die Situation der islamisch orientierten Vereine in Frankfurt am Main

Frankfurt a.M., 16.07.2002

 

Anfrage an den Magistrat

 

Bericht des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung B 308 vom 15.03.2002

 

Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) der 8. öffentlichen außerordentlichen KAV-Plenarsitzung am 26.06.2002

 

Der Magistrat gibt in seinem Bericht B 308 vom 15.03.02 Auskunft über die Situation islamisch orientierter Vereine in Frankfurt am Main. Nach diesem Bericht gibt es 25 islamisch orientierte eingetragene Vereine. Keine dieser Organisationen steht in dem Verdacht, dass sie zu Gewalttätigkeiten aufrufen.

 

Es ist deshalb unser Anliegen, die Position der islamischen Vereine in der Stadt Frankfurt am Main deutlich zu machen und bitten den Magistrat folgende Fragen zu beantworten:

 

1. Welchen Stellenwert haben die islamisch orientierten religiösen Vereine innerhalb der Stadt Frankfurt am Main? Welche Bedeutung spielen sie für den inneren Frieden der Stadt?

 

2. Können diese islamisch orientierten religiösen Vereine eine Brückenfunktion zwischen Stadtverwaltung und religiös eingestellten ausländischen Bürgern, die im allgemeinen als integrationsunwillig gelten, spielen?

 

3. Was wird innerhalb der Stadt Frankfurt am Main unternommen (gemeint ist nicht nur das AMKA) um den Dialog mit diesen Vereinen zu fördern?

 

4. Der Magistrat plant für die Zukunft ein „Haus der Kulturen“ , von dem die ausländischen Vereine profitieren sollen. In welcher Art und Weise werden die islamisch orientierten religiösen Vereine von dem „Haus der Kulturen“ profitieren?

 

Begründung:

Religion spielt im Leben der hier lebenden Ausländer, die aus islamischen Ländern kommen eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund haben sie zahlreiche islamisch orientierte Vereine gegründet. Die Akzeptanz dieser Vereine unter den in Frankfurt lebenden Ausländern, spiegelt sich in der Zusammensetzung der KAV wieder. Ein Viertel der KAV-Mitglieder wurde aus den Listen gewählt, die von diesen Vereinen aufgestellt wurden.

Das Ergebnis des Magistratsberichtes M 308 zeigt, dass diese religiösen Vereine, denen über 30 % Ausländer aus 170 Staaten angehören, für den inneren Frieden eine wichtige Rolle spielen. Der Bericht macht aber auch deutlich, dass diese Vereine seitens der Stadtverwaltung stark vernachlässigt werden. Trotz jahrzehntelangem Zusammenleben mit den Muslimen sind bei den deutschen Mitbürgern Desinteresse und Vorurteile zu beobachten, die man in Zusammenarbeit mit den Vereinen gemeinsam abbauen und verringern könnte. Daher ist der Dialog mit den Vereinen besonders zu fördern. Es ist an der Zeit, dass die Stadt Frankfurt am Main über ihren bisherigen Umgang mit den Vereinen Bilanz zieht und für die Zukunft die Beziehung neu ordnet.

 

gez. Sitki

Vorsitzender der KAV

Stellungnahme des Dez. XI –Integration-

Amt/Betrieb: 10A - Amt für multikulturelle Angelegenheiten -

Frankfurt a. M., 16.09.2002

 

Der Magistrat hat die nachstehende Stellungnahme am 14.10.2002 zur Kenntnis genommen.

 

Zu 1.

In Frankfurt am Main gibt es über 100 religiöse, als Vereine verfassten, Zuwanderergemeinden. Davon stellen die islamischen Vereine, die eine oder mehrere Moscheen betreiben, ein knappes Viertel. Von Bedeutung sind die religiösen Gemeinden zunächst für die Gläubigen, die ihnen entweder als Mitglieder angehören oder ihre religiösen und sozialen Angebote nutzen. Dem sozialen Frieden in der Stadt dient es, dass diese Angebote vorhanden sind.

 

Zu 2.

Aus Sicht des Magistrats kann eine pauschale Aussage, dass die religiös eingestellten ausländischen Mitbürgerinnen und –bürger integrationsunwillig seien, nicht bestätigt werden. Es ist zu begrüßen, wenn sich religiöse Gemeinden für den Dialog zur Verfügung stellen, wie das ja von Seiten mehrerer Vereine auch geschieht.

 

Zu 3.

In der Stadt Frankfurt am Main finden mittlerweile im Laufe des Jahres eine Reihe von Veranstaltungen statt, die das Ziel haben, den Dialog mit islamischen Gemeinden zu führen. Zu den Veranstaltern zählen, neben dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten, u. a. der Präventionsrat, die Volkshochschule, Schule deren Klassen Moscheen besuchen sowie Stellen der katholischen und evangelischen Kirche. Sowohl die katholische wie die evangelische Kirche haben Arbeitsgruppen zum Dialog mit dem Islam. Außerdem kooperieren einige der islamischen Gemeinde in Projekten des Amts für multikulturelle Angelegenheiten wie „Mama lernt Deutsch“ und „Ausbildungsorientierte Elternarbeit.“ Einige islamische Gemeinde bieten ihrerseits Dialogveranstaltungen und Tage der offenen Tür an.

 

Zu 4.

Der Plan ein „Haus der Kulturen“ zu schaffen, kann in absehbarer Zeit aufgrund der städtischen Haushaltslage nicht verwirklicht werden.

 

gez. Dr. Magen

(Stadtrat)

 

Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung, 12 Sitzung vom 25.11.2002,

Kenntnisnahme

inhalte teilen