KA 2 vom 16.07.2002 Muttersprachlicher Unterricht an Hessischen Schulen

KA 2 vom 16.07.2002 Muttersprachlicher Unterricht an Hessischen Schulen

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KAV 2002 Anregungen und Anfragen

KA 2 vom 16.07.2002 Muttersprachlicher Unterricht an Hessischen Schulen

Anfrage an den Magistrat der Stadt Frankfurt am Main

 

Muttersprachlicher Unterricht an Hessischen Schulen

 

Gemäß Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) in der 8. öffentlichen außerordentlichen KAV-Plenarsitzung am 26.06.2002 wird der Magistrat gebeten, das Staatliche Schulamt für die Stadt Frankfurt am Main aufzufordern, folgende Fragen zu beantworten:

 

In den kommenden 5 Jahren werden viele Lehrer, die Muttersprachlichen Unterricht an den Hessischen Schulen erteilen, in den Ruhestand versetzt.

 

1. Wie viele Lehrkräfte werden davon betroffen sein?

 

2. Werden diese freiwerdenden Stellen neu besetzt? Oder lässt man den Muttersprachlichen Unterricht durch das Streichen der Stellen, schleichend auslaufen?

 

3. Sollten die freiwerdenden Stellen neu besetzt werden, nach welchen Auswahlkriterien verfährt man? Wer entscheidet über die Neueinstellung oder Neubesetzung? Wird bei dem Auswahlverfahren auch die Bildungsabteilung des jeweiligen Konsulates mit einbezogen?

 

Begründung:

Es ist erwiesen, dass die Voraussetzung zum Erlernen der deutschen Sprache der richtige Gebrauch der Muttersprache ist. Deshalb ist der Muttersprachliche Unterricht nicht nur ein Gewinn für die in Deutschland lebenden Kinder ausländischer Herkunft, sondern auch allgemein für die deutsche Gesellschaft.

 

Das Erlernen der Muttersprache beginnt in der Familie. Dadurch wird die Kommunikation mit allen Familienmitgliedern in Deutschland, sowie im Herkunftsland gesichert. Dies bildet die Grundlage für den Muttersprachlichen-Unterricht in der Schule. Durch das Erlernen der Muttersprache und die Unterrichtung in der Landeskunde erfahren die Schüler die öffentliche Wertschätzung ihrer kulturellen Herkunft. Das macht sie selbstbewusst. Der Muttersprachliche Unterricht trägt auch dazu bei, dass die Schüler ausländischer Herkunft im Deutschunterricht erfolgreicher und motivierter mitarbeiten.

 

Die KAV der Stadt Frankfurt am Main bekräftigt deswegen, dass der Muttersprachliche Unterricht erhalten werden muss und appelliert an das Kultusministerium in Wiesbaden, dass die freiwerdenden Stellen ohne Unterbrechung neu besetzt werden müssen.

 

gez. Sitki

Vorsitzender der KAV

Stellungnahme des Dez. VI –Bildung, Umwelt und Frauen

Amt/Betrieb:- Stadtschulamt -

Frankfurt a. M., 18.09.2002

 

Der Magistrat hat die nachstehende Stellungnahme am 07.10.2002 zur Kenntnis genommen.

 

Der Magistrat hat das Staatliche Schulamt für die Stadt Frankfurt am Main zur Anfrage der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung um Stellungnahme gebeten. Danach stellt sich die Sachstand wie folgt dar:

 

Durch die Veränderungen im Hessischen Schulgesetz ist der herkunftssprachliche (vorher muttersprachliche) Unterricht Wahlunterricht (vorher Pflichtunterricht) und findet auf freiwilliger Basis statt. Dieser Unterricht wird von Lehrkräften des Herkunftslandes erteilt, die über eine entsprechende Lehrbefähigung verfügen und in der Regel beim Land einen unbefristeten BAT-Vertrag haben. In Folge der gesetzlichen Änderungen stellt das Land Hessen keine neuen Lehrkräfte im Bereich des herkunftssprachlichen Unterrichts mehr ein. Das heißt, Lehrkräfte, die in ihr Land zurück gehen oder pensioniert werden, werden nicht ersetzt. Genaue Angaben, wie viele Lehrerinnen und Lehrer in den nächsten 5 Jahren in den Ruhestand gehen werden, können aufgrund der individuell in Anspruch zu nehmenden Möglichkeiten der Altersteilzeit nicht gemacht werden.Die Etablierung eines entsprechenden Angebotes geht damit in die Verantwortung des Herkunftslandes über. Mit den Ländern Griechenland, Italien und Spanien gibt es bereits entsprechende Vereinbarungen. Diese Länder stellen bei entsprechendem Bedarf Konsularlehrkräfte zur Verfügung, die herkunftssprachlichen Unterricht in der Verantwortung des jeweiligen Landes erteilen.

 

gez. Jutta Ebeling

(Stadträtin)

 

Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung, 12 Sitzung vom 25.11.2002,

Kenntnisnahme

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