KA 21 vom 02.10.2000 Ausstellung über die Geschichte der Migranten in Frankfurt am Main

KA 21 vom 02.10.2000 Ausstellung über die Geschichte der Migranten in Frankfurt am Main

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KAV 2000 Anregungen und Anfragen

KA 21 vom 02.10.2000 Ausstellung über die Geschichte der Migranten in Frankfurt am Main

Frankfurt a.M., 02.10.2000

 

Anfrage an den Magistrat der Stadt Frankfurt a. M. zum Bericht des Magistrat vom 18.08.2000, B 659

 

Gemäß Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) der 30. öffentlichen ordentlichen Plenarsitzung am 24.09.2000 wird der Magistrat gebeten, folgende Anfrage zu beantworten:

 

1. Wie ist der gegenwärtige Stand des Projekts, eine Ausstellung über die Geschichte der Migranten zu organisieren.

 

2. Wurden für das Projekt die finanziellen Mittel im Haushalt bereitgestellt und genehmigt?

 

3. Wie viele Fachkräfte sind für dieses Projekt vorgesehen.

 

Begründung:

Wie die KAV in mehreren Sitzungen der Magistratskommission und des Ausschusses für Migration und Integration erfahren hat, plant die Stadt Frankfurt am Main im Herbst 2001 eine Ausstellung über die "Geschichte der Migration in Frankfurt am Main" Diese Ausstellung soll im Historischen Museum für einige Jahre zu sehen sein.

 

Wir begrüßen diese einmalige Initiative. Durch diese Ausstellung werden sich die hier lebenden Migranten mit ihrer Stadt und deren Geschichte identifizieren können und durch diese Dokumentation wird auch die Geschichte der Stadt weiter vervollständigt.

 

Da wir an der Entwicklung und Verwirklichung dieses Projekte interessiert sind, bitten wir um Beantwortung der Fragen.

 

gez. Manuel Parrondo-Lozano

(Vorsitzender der KAV)

Stellungnahme des Dez. VII -Kultur- und Freizeit-

Amt/Betrieb: 41.1 -Amt für Wissenschaft und Kunst-

Frankfurt a. M., vom 27.12.2001

 

Der Magistrat hat die nachstehende Stellungnahme am 15.01.2001 zur Kenntnis genommen.

Zu Frage 1:

Im Migrationsprojekt des Historischen Museums steht die Konzeptionsphase kurz vor ihrem Abschluss. Im Unterschied zur herkömmlichen Ausstellungstätigkeit stellt sie besondere Ansprüche, da wie in fast allen bundesrepublikanischen Stadtmuseen Migration bisher nicht zur geläufigen Thematik des Museums gehört. Die erste umfassende und der Thematik konzeptionell angemessene Ausstellung ist 1998 im Ruhrlandmuseum Essen gezeigt worden. Sie ist allein der türkischen Migration der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts gewidmet.

 

In der Arbeit des Museums sind Sammeln, Forschen und Ausstellen zusammengeschlossen. Da das Historische Museum bisher auf allen genannten Ebenen nicht mit der Thematik befasst war, ist mit dem Projekt eine grundsätzliche Neueinstellung des Museums notwendig geworden, die der Ausgangsthese, dass mit Ende der fünfziger Jahre einsetzenden Migration eine neue Epoche der Stadtgeschichte begonnen hat, Rechnung tragen kann. Zugleich ist deutlich geworden, dass Migration und Multikulturalität eine historische Tiefe besitzen, deren Bedeutung für die Geschichte der Stadt überhaupt (seit ihrer mittelalterlichen Herausbildung als einem zentralen europäischen Ort) bisher unterschätzt worden ist und nur bruchstückhaft Gegenstand historischer Forschung und museologischer Würdigung geworden ist. Die moderne Migration ist ebenfalls eher Randphänomen zeitgeschichtlicher Stadtforschung. Neben den museologischen Fragen sind deshalb auch allgemeine historische Untersuchungen in der Konzeptionsphase von grundlegender Bedeutung gewesen. Da die Museumsausstellung eine eigenen Charakter als besondere „Publikation“ hat und Vorbilder fehlen, war schließlich bereits die Frage, wie die Thematik überhaupt ausstellbar ist, Gegenstand grundsätzlicher museologischer Erörterungen. Unabhängig davon haben die in der ersten Phase angelegten Nachweise und Dokumentationen weiterhin für das Gesamtprojekt Bedeutung, ebenso wie die Bearbeitung der bereits dem Zugang des Historischen Museums und seinen Sammlungen zugeführten Objekte und Dokumente. Im Einzelnen ist hier zu erwähnen:

 

- Verzeichnis und Dokumentation der Zeitungsartikel, die seit den 50er Jahren zum Thema in Frankfurt am Main erschienen sind,- Verzeichnis und Dokumentation der Migration als fotografisches Motiv in der Frankfurter Presse seit den 50er Jahren einschließlich der Sichtung der privaten Archive von Fotografinnen und Sammlungen im Stadtarchiv und in der Grafischen Sammlung des Historischen Museums,

 

- Erschließung archivalischer Quellen (Magistratsberichte, Archiv des Amtes für multikulturelle Angelegenheiten, Protokolle von Vertretungen, Vereinigungen, Initiativen, private Dokumentationen),

 

- Materialsammlungen (Statistische Berichte, Berichte des Amtes für multikulturelle Angelegenheiten, lebensgeschichtliche Dokumentationen, Flugschriften),

 

- Erschließung medialer Quellen (Film, Video, Audio),

 

- Entwicklung eines Rasters zur Identifikation von Objekten (Exponaten), die in ihrer Dimensionalität kulturelle Integration oder Multikulturalität anschaulich belegen,

 

- Raster für repräsentative lebensgeschichtliche Interviews,

 

- Erste Erschließung von Erinnerungsstücken, Übernahme von Objekten, die im Zusammenhang des Spurensuche-Projektes des Frankfurter Jugendrings entstanden sind, Sichtung und Sammlung von Plakaten und Druckgrafik, Erwerb des druckgrafischen Gesamtwerks von Dragotin Trumbetas).

 

Zu Frage 2.

Einige vorbereitende Arbeiten konnten vor allem dank der Unterstützung des Frankfurter Vereins zur Erforschung der Arbeitsgeschichte durchgeführt werden. Das Historische Museum hat im Etat 2000 30.000 DM zur Verfügung gestellt. Eine Kostenkalkulation der Realisierung des Projektes einschließlich weiterer Vorarbeiten, begleitender Arbeiten einschließlich Katalog, Werbung und museumspädagogischer Begleitung, die erst gegen Ende der Konzeptionsphase möglich war, liegt bei 900.000 DM. Das Museum kann diese Mittel nicht aus eigener Kraft aufbringen. Daher ist die Frage, wie und wann die erforderlichen Mittel bereitgestellt werden können. eine unabdingbare Voraussetzung für die Realisierung des Projektes.

 

Zu Frage 3:

Für die Realisierung des Projektes (Ausstellung und Katalog) wäre die Beschäftigung eines Wissenschaftlers, der im Auftrag des Frankfurter Vereins für Arbeitergeschichte bereits an den unter 1. Genannten Leistungen gearbeitet hat, sinnvoll. Weiterhin ist eine museumspädagogische Begleitung der Ausstellung notwendig. Ein Team von fünf Fachkräften ist für die Durchführung und Dokumentation lebensgeschichtlicher Interviews erforderlich. Ein Teil des Katalogs wird wissenschaftliche Fachbeiträge enthalten, deren Autoren vor allem aus dem Umkreis der Universitäten kommen. Ebenso ist an Beiträge kompetenter Persönlichkeiten gedacht, die in Frankfurt migrationsnah arbeiten. Dabei wird erwogen, unterschiedlichen Herkunftsperspektiven ebenfalls Geltung zu verschaffen.

 

gez. Dr. Nordhoff

(Dezernent)

 

Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung, 34. Sitzung vom 05.02.2001, Zustimmung.

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