KA 11 vom 04.02.1999 Situation der Mitarbeiter bei der FES

KA 11 vom 04.02.1999 Situation der Mitarbeiter bei der FES

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KAV 1999 Anregungen und Anfragen

KA 11 vom 04.02.1999 Situation der Mitarbeiter bei der FES

Frankfurt a.M., 04.02.1999

 

Anfrage an den Magistrat der Stadt Frankfurt am Main

 

Gemäß dem Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) der 14. öffentlichen ordentlichen Plenarsitzung vom 01.02.2009 wird der Magistrat gebeten, folgende Fragen zu beantworten:

 

Dem beigefügtem Pressebericht vom 22. Januar 1999 ist zu entnehmen, dass die Frankfurter Entsorgungs- und Service Gesellschaft (FES) im Geschäftsjahr 1998 eine stolze Gewinnbilanz in Höhe von 13 Millionen DM aufweisen kann. Diese, die Erwartungen übertreffende fünfzigprozentige Gewinnsteigerung wird seitens des von der Stadt eingesetzten Geschäftsführers wie folgt begründet:„Anpassung der wesentlichen Arbeitsabläufe an moderne privatwirtschaftliche Standards,“ „konsequente Auslastung von Geräten“ sowie „bessere Motivation der Mitarbeiter“.

 

Diese stolze Zwischenbilanz, ein Jahr nach der Veräußerung von 49 % der Gesellschaftsanteile an die private Firma Rethmann und der zuvor erfolgten Rechtsformumwandlung in eine GmbH lässt die entsprechenden politischen Entscheidungen der Stadt Frankfurt am Main auf den ersten Blick als berechtigt erscheinen.Immerhin scheint es mit der Einführung „privatwirtschaftlicher Standards,“ der konsequente Auslastung von Geräten“ und der „besseren Motivation der Mitarbeiter“ gelungen zu sein, das frühere marode städtische Amt mit ständiger Verlustbilanz zu sanieren und in einen gewinnbringenden Betrieb zu verwandeln. Hocherfreulich ist außerdem zur Kenntnis zu nehmen, dass für diese Leistungssteigerung insbesondere eine bessere Motivation der Mitarbeiter ausschlaggebend war.

Eine gewisse Skepsis gegenüber diesem Selbstlob in höchsten Tönen scheint jedoch angebracht zu sein, wenn man den Stimmen dieser „Hochmotivierten“ Mitarbeiter Gehör schenkt.Hier wird ein kontinuierlicher Personalabbau, insbesondere im operativen Bereich beklagt. Freigewordene Stellen werden nicht wieder besetzt. Die Folge ist eine nicht mehr hinnehmbare Zunahme der Arbeitslastung, die sich nicht zu letzt in einer Krankheitsquote von ca. 7 % niederschlägt, was weit über dm Durchschnitt liegt.

 

Ebenso klagen die Mitarbeiter im operativen Bereich über die Zunahme von Überstunden. Ein täglicher Arbeitseinsatz bis zur mehr als 13 Stunden sei hier nicht mehr die Ausnahme.

 

In der Belegschaft kursieren weitergehende Pläne der Betriebsleitung. Demnach sollen durch die Einführung von Müllwagen, die von einem Mann bedient werden, die Team-Besatzungen auf jeweils einen einzigen Mitarbeiter reduziert werden. Das sind drohende Horrorvisionen, zu denen ein auf Kosten der Gesundheit der Mitarbeiter „privatwirtschaftliche“ sanierter Betrieb Anlass gibt.Getreu der Maxime der „Wegwerfgesellschaft“ bekommt hier die Belegschaft den Stellenwert einer austauschbaren Größe – so die Empfindung der Mitarbeiter-.

 

Die enorm zugenommene Unzufriedenheit innerhalb der Bevölkerung mit den Leistungen der FES, insbesondere im Bereich der Müllabfuhr, ist zumindest aus mehreren Leserbriefen in der Presse zu entnehmen. Dies bestätigt spiegelbildlich die Empfindungen und Beschwerden der Mitarbeiter der FES aus dem operativen Bereich.

Diesen Hintergrund vorausgeschickt fragen wir den Magistrat:

 

1. Wie hoch war der Personalstand der FES im operativen Bereich der Stadtreinigung und Entsorgung in den Jahren angefallen?

 

2. Wie viele Überstunden sind in denselben Jahren angefallen?

 

3. Wie hat sich die Krankheitsquote in diesen Jahren entwickelt, wie ist der Anstieg der Krankheitsquote zu begründen?

 

4. Werden Statistiken und / oder ähnliches erhoben zur Feststellung der Stimmung innerhalb der Belegschaft, bezogen auf die Zufriedenheit im Betrieb, sowie innerhalb der Bevölkerung, bezogen auf die Zufriedenheit mit den Leistungen der FES. Wenn, ja welche Schlussforderungen werden daraus gezogen. Es wird darum gebeten, die Unterlagen der Antwort beizufügen.

 

5. Gibt es bei der FES ein Personalentwicklungskonzept? Wenn ja, welche?

 

6. Sind in diesem Konzept auch Aufstiegsmöglichkeiten für nichtdeutsche Mitarbeiter berücksichtigt, beispielweise zu Vorarbeitern, Bezirksleitern und höheren Leitungsebenen?

 

7. Gibt es nicht-deutsche Mitarbeiter/ innen i leitenden Stellen, wenn ja, in welchen Positionen und wie viele?

 

8. Ist daran gedacht, anfallende Überstunden in neue Beschäftigungsverhältnisse umzuwandeln, um hier auch einen Beitrag zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit zu leisten?

 

9. Hat es bereits Probleme gegeben oder sind welche zu befürchten, die sich aus der Beteiligung eines privaten Unternehmens an der FES ergeben. Wie betrachtet der Magistrat beispielweise die betriebswirtschaftlichen und sonstigen Risiken, die durch die Beteiligung der Firma Rethmann bei der Firma Wolf (Niederlassung Obertshausen) entstehen? Sind hierbei Gefahren zu berücksichtigen, dass ein Firmenanteilhaber der eigenen Firma gegenüber Konkurenzstellung im Rhein / Main Gebiet bezieht, insbesondere weil er dabei die Möglichkeit hat, direkten Einfluss auf alle Belange der FES auszuüben.

 

gez. Parrondo

(Vorsitzender der KAV)

Stellungnahme des Dez. VIII –Umwelt, Energie und Brandschutz-

Amt/Betrieb: - Umweltamt -

Frankfurt a. M., 17.05.1999

 

Der Magistrat hat die nachstehende Stellungnahme am 31.05.1999 zur Kenntnis genommen.Der Magistrat beurteilt den Weg der FES GmbH in neuen, privatwirtschaftlichen Strukturen als überaus erfolgreich. Dies wird nicht nur am Unternehmergewinn deutlich, sondern auch an der Sicherheit der Arbeitsplätze und an der Beibehaltung tarifvertraglicher Bindungen des öffentlichen Dienstes.

Um Arbeitsplätze zu sichern ist es notwendig, eine optimale Auslastung des Fahrzug, -und Maschinenparks und eine höchstmögliche Arbeitseffektivität zu erreichen. In Bereichen, die umstrukturiert wurden bzw. in neu aufzubauenden Geschäftsfeldern sind zeitweise Mehrbelastungen für die Mitarbeiter/innen entstanden. Der Magistrat sieht in diesem Zusammenhang jedoch keine „nicht hinnehmbare Zunahme der Arbeitsbelastung“. Bereits 1994 wurde zwischen dem ehemaligen Amt und dem Personalrat eine Leistungsbemessung vereinbart, die seit diesem Zeitpunkt unverändert gültig ist. Die vorausgeschickt werden Ihre Fragen wie folgt beantwortet:

 

Zu 1.

Siehe Anlage 1 und 2 (Personalstatistiken).

 

Zu 2.

Die gewerblichen Mitarbeiter der FES GmbH leisteten in den Jahren 1997 und 1998 durchschnittlich 6 Überstunden pro Mitarbeiter und Monat.

Anlage 3 (Seiten 1-12) beinhaltet eine Übersicht und Analyse zu den geleisteten Überstunden. Die Übersichten über die Entstehungsgründe der Überstunden aus jahreszeitlich bedingten Gründen z. B. Winterdienst, Laubdienst und Nacharbeit von Wochenfeiertagen entstehen und daher nicht automatisch Mehrbelastung der Mitarbeiter bedeutet.

 

Zu 3.

Die Auflistung der krankheitsbedingten Fehlzeiten (Anlage 4, 3 Seiten) zeigt auf, dass nach einer deutlichen Reduzierung in 1997 bis Mitte 1998 ein Anstieg der Krankheitsquote ab Juni 1998 zu verzeichnen ist.Eine eindeutige Ursache dafür ist nicht zu erkennen.Unter Einbeziehung des Betriebsrates wurde bei der FES GmbH eine Arbeitsgruppe zur Reduzierung der Krankenquote eingerichtet.

 

Zu 4.

Statistiken oder Umfragen zur Stimmung im Betrieb werden bei der FES GmbH nicht geführt bzw. durchgeführt. Bei allen Umstrukturierungsmaßnahme werden die Mitarbeiter darüber rechtzeitig informiert und in die Überlegung mit einbezogen. Die Zusammenarbeit zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat ist sehr intensiv.

 

Der Service der FES ist kundenorientiert und wir bei den Bürgern positiv angenommen. Für individuelle Probleme werden schnelle und unkomplizierte Lösungen angeboten. Dabei ist u. a. die Zuverlässigkeit, Kundenfreundlichkeit, Service und Schnelligkeit zu erwähnen.Besonders aktuell ist die positive Reaktion bzgl. der Einführung der Biotonne. Dies ist bei einer Bürgerabfragung im Rahmen Öffentlichkeitsarbeit der FES GmbH, die einen hohen Stellenwert innerhalb der Gesellschaft und der Bevölkerung hat, deutlich geworden.

 

Zu 5, 6. und 7.

Ein Personalentwicklungskonzept wird zurzeit erarbeitet. Dies soll alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen umfassen. Eine Unterscheidung zwischen deutschen und nichtdeutschen wird dabei nicht gemacht.

Seitens der FES GmbH ist beabsichtigt, schnellstmöglich eine Fachkraft für Personalentwicklung einzustellen.

 

Zu 8.

Die FES GmbH hat heute einen deutlichen höheren Personenbestand als bei der Umgründung 1995 / 1996. Durch Einstellung von zusätzlichem Personal hat die FES auch einen Beitrag zur Reduzierung von Arbeitslosigkeit geleistet.

Darüber hinaus arbeitet die FES sehr intensiv mit der Werkstatt Frankfurt zusammen. Auf diese Weise gelingt es regelmäßig, Langzeitarbeitslose in den Arbeitsprozess einzugliedern.

 

Wie aus den Unterlagen zur Überstundensituation ersichtlich, entsteht der größte Teil der Überstunden aus strukturellen Gründen wie Winterdienst, Laubdienst, Nacharbeit von Wochenfeiertagen, Sonderveranstaltungen u. ä. Es ist nicht sinnvoll, hierfür neue Beschäftigungsverhältnisse zu schaffen. Die FES GmbH befindet sich derzeit in Verhandlungen mit der Gewerkschaft ÖTV und dem Betriebsrat zur Flexibilisierung der Arbeitszeit. Bei entsprechenden Vereinbarungen ist die Möglichkeit gegeben, den größten Teil der Überstunden abzubauen und neue Überstunden zu vermeiden.

 

Ein anderer Teil der Überstunden resultiert aus der gestiegenen Krankheitsquote. Die Anstrengungen der FES gelten derzeit verstärkt einer Reduzierung der Krankheitsquote auf ein vertretbares und branchenübliches Maß.

 

Bei Umstrukturierungen im operativen Geschäft, wie z. B. die Neugestaltung der Tonnenabfuhr im Osten der Stadt, resultieren die Überstunden aus vorübergehenden Anfangsproblemen (z. B. veränderte Touren und neue Technik). Derartige Überstunden werden nicht dauerhaft entstehen.

 

Zu 9.

Bisher hat sich die Zusammenarbeit mit der Firma Rethmann zum Nutzen der FES entwickelt. Insbesondere das Know-How der Firma Rethmann hat zur Gewinnung von Privatkunden und zur Ausweitung des Drittgeschäftes beigetragen. Der Magistrat sieht keine Risiken für die FES GmbH aus der Beteiligung der Firma Rethmann an der Firma Wolf.

Hier könnten sich für die FES eher positive Entwicklungstendenzen, da sich hierdurch neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit auch zum Nutzen der FES ergeben können.

 

gez.

(Stadtrat)

Tom Königs

 

Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung, 33 Sitzung vom 09.02.2009, Kenntnisnahme

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