KA 29 vom 27.03.1995 Muttersprachlicher Unterricht als verpflichtender Bestandteil des Stundenplans bis zur 13. Klasse

KA 29 vom 27.03.1995 Muttersprachlicher Unterricht als verpflichtender Bestandteil des Stundenplans bis zur 13. Klasse

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KAV 1995 Anregungen und Anfragen

KA 29 vom 27.03.1995 Muttersprachlicher Unterricht als verpflichtender Bestandteil des Stundenplans bis zur 13. Klasse

Frankfurt a.M., 27.03.1995

 

Anregung an den Magistrat gem. § 4 Abs. 5 der Satzung der KAV

 

Gemäß Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) der 34. ordentlichen öffentlichen Plenarsitzung am 21.03.1995 wird der Magistrat der Stadt Frankfurt am Main gebeten, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten bei der neugewählten Landesregierung dafür einzusetzen, dass die geplante neue Regelung für den Muttersprachlichen Unterricht für die ausländischen Schülerinnen und Schüler nicht umgesetzt wird. Die bisherige Verpflichtung zum Besuch des Muttersprachlichen Unterrichts soll beibehalten und als Bestandteil des Stundenplans bis zur 13. Klasse erweitert werden.

 

Die Erteilung des Muttersprachlichen Unterrichts soll nicht an freie Träger übertragen werden. Die Unterrichtseinheiten müssen weiterhin als staatliche Einrichtungen bestehen bleiben. Ferner soll eine Neuorientierung und –Organisierung des gegenwärtig praktizierten Muttersprachlichen Unterrichts, ohne die Substanz zu gefährden, unternommen werden.

Begründung:

Muttersprachlicher Unterricht bildet eine unverzichtbare Voraussetzung für die kulturelle und psychosoziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Er dient der Identitätsbildung und hilft ausländischen Kindern und Jugendlichen, ihre besondere Lebenssituation zu bewältigen. Auch im Falle einer Rückkehr würde die Kenntnis der Muttersprache die Reintegration erleichtern.

 

Die Pflege der Muttersprache gehört zu den elementarsten Rechten eines jeden Menschen. Sie darf den nationalen und ethnischen Minderheiten in Deutschland nicht verwehrt werden. Zu diesen Minderheiten gehören nicht nur Angehörige der sog. „Anwerbeländer“. So sieht folgerichtig die Entschließung des Europäischen Parlaments eine Ausweitung des Muttersprachlichen Unterrichts auf "Drittländer" vor.“ Es ist notwendig, diese Ausweitung auch in Hessen vorzunehmen.

 

gez. Grigorios Zarcadas

Vorsitzender der KAV

Stellungnahme des Dezernates VI -Schule und Bildung- vom 14.06.1995

Zur weiteren Information übersenden wir Ihnen Unterlagen zur geplanten Neuregelung des Muttersprachlichen Unterrichts. Die entsprechende Verordnung soll den zu beteiligten Gremien im Herbst zur Beratung vorgelegt werden. Die beinhaltet sowohl eine Erweiterung des Mutter-sprachlichen Unterrichts um weitere Sprachen, als auch die Eröffnung der Möglichkeiten für ausländische SchülerInnen, die Muttersprache freiwillig als zweite Fremdsprache bis zum Abitur zu führen.

 

Mit der Ausweitung des Muttersprachlichen Unterrichts über den Kreis der sogenannten Anwerbeländer hinaus entspricht die geplante Verordnung unseres Erachtens auch der Integration Ihrer Anregung vom 27.03.1995.

 

gez. Jutta Ebeling

Stadträtin

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