KA 27 vom 22.02.1995 Muttersprachlicher Unterricht für die in Frankfurt lebenden kurdischen Kinder

KA 27 vom 22.02.1995 Muttersprachlicher Unterricht für die in Frankfurt lebenden kurdischen Kinder

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KAV 1995 Anregungen und Anfragen

KA 27 vom 22.02.1995 Muttersprachlicher Unterricht für die in Frankfurt lebenden kurdischen Kinder

Frankfurt a.M., 22.02.1995

Anregung an den Magistrat gem. § 4 Abs. 5 der Satzung der KAV

 

Gemäß Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) der 33. ordentlichen öffentlichen Plenarsitzung am 21.02.1995 wird der Magistrat der Stadt Frankfurt am Main gebeten, für die in Frankfurt a. M. lebenden kurdischen Kinder Muttersprachlichen-Unter-richt in Kurdisch anzubieten, sowie Sprachkurse in Kurdisch bei der VHS einzuführen.

Begründung:

Für die z. Z. in Frankfurt a.M. lebenden kurdischen Eltern ist es ein natürlicher Wunsch, dass ihre Kinder auch in den Schulen in ihrer Muttersprache unterrichtet werden. Hierfür seien die Städte Berlin und Hamburg genannt, in denen der Muttersprachliche Unterricht in Kurdisch bereits obligatorisch ist.

 

Die Stadt Frankfurt a.M. sollte als multikulturelle Stadt diesem Beispiel folgen.

 

gez. Grigorios Zarcadas

Vorsitzender der KAV

Stellungnahme des Dezernates VI –Schule und Bildung- vom 04.05.1995

Der in der Anfrage der kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung vorgetragene Wunsch nach einem Muttersprachlichen Unterrichtsangebot in Kurdisch ist verständlich. Eine Ausweitung des schulischen Angebots kann jedoch nicht durch die Stadt Frankfurt a. M. erfolgen, sondern liegt allein in der Zuständigkeit des Landes.

 

Der Magistrat hat die Anfrage deshalb weitergeleitet und vom Hessischen Kultusministerium folgende Stellungnahme erhalten:

 

„Das vorgetragene Anliegen der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung Frank-furt zur Einführung eines Muttersprachlichen Unterrichtsangebotes in Kurdisch wurde in letzter Zeit von verschiedenen Seiten an mein Haus herangetragen. Der Wunsch nach Einführung eines Muttersprachlichen Unterrichts in kurdischer Sprache durch Lehrer der kurdischen Volksgruppe in Hessen wirft jedoch Grundsatzfragen des Muttersprachlichen Unterrichts für türkische Schüler auf.

 

Gegenwärtig besteht folgende Rechlage:

 

Gemäß meiner Verordnung über die Teilnahme ausländischer Schüler am Muttersprachlichen Unterricht vom 10. Mai 1983 wird der Muttersprachliche Unterricht in der Amtssprache der Tür-kei, d.h. in Türkisch, angeboten.

 

Kurdisch ist – wie bekannt – in der Türkei z.Z. als Amtssprache nicht anerkannt. Würde die Tür-kei Kurdisch als Amtssprache in Teilen des Landes zulassen, wäre die Voraussetzung gegeben. Das Land Hessen hat jedoch der Tatsache, daß ein gewisser Anteil der türkischen Kinder, die den Muttersprachlichen Unterricht besuchen, kurdischer Abstammung ist, dadurch Rechnung getra-gen, daß es in den letzten Jahren mehrere türkische Lehrer, die der kurdischen Volksgruppe an-gehören, eingestellt hat. Diese Lehrer können im Muttersprachlichen Unterricht ggf. gezielt auf die sprachlich bedingten Probleme der Schüler und Schülerinnen kurdischer Anstammung einge-hen.

 

Die Öffnung des Muttersprachlichen Unterrichts für weitere Sprachangebote war Gegenstand eines Beschlusses des Hessischen Landtags vom 15.12.1994.

 

Zur Umsetzung de o. g. Beschlusses bedarf es einer entsprechenden Rechtsverordnung. Diese wird derzeit in meinem Haus erarbeitet; erfahrungsgemäß wird die Vorlage dieser Rechtsverord-nung durch die zu beteiligenden Gremien (u.a. Hauptpersonalrat der Lehrerinnen und Lehrer, Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Hessen, Landeselternbeirat) eine Zeitraum von ca. einem Jahr in Anspruch nehmen.

 

Sobald die entsprechende Rechtsverordnung vorliegt, ist die rechtliche Grundlage zur Prüfung des Antrags zur Einführung von Kurdisch im Rahmen des Muttersprachlichen Unterrichts gegeben.

 

In diesem Zusammenhang wäre dann auch zu prüfen, ob gegebenenfalls ein MuttersprachlicherUnterricht in Kurdisch in staatlicher Verantwortung angeboten bzw. mit Mitteln des Landes Hessen gefördert werden kann.Unabhängig davon ist es selbstverständlich möglich, den Schülern kurdischer Abstammung in Hessen außerhalb der Schule durch einen z. B. von Eltern organisierten und finanzierten privaten Unterricht die Kultur und Sprache der kurdischen Volksgruppe zu vermitteln.

 

“Sprachkurse in Kurdisch künftig in das Angebot der Volkshochschule aufzunehmen, ist theore¬tisch möglich. Dies setzt allerdings eine entsprechend große Nachfrage voraus., die bislang fest¬gestellt werden konnte.

 

Jutta Ebeling

Stadträtin

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