KA 19 vom 10.09.1993 Einbeziehung Frauen ausländischer Herkunft in die Frauenpolitik

KA 19 vom 10.09.1993 Einbeziehung Frauen ausländischer Herkunft in die Frauenpolitik

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Anregungen und Anfragen der KAV 1993

KA 19 vom 10.09.1993 Einbeziehung Frauen ausländischer Herkunft in die Frauenpolitik

Frankfurt a.M., 10.09.1993

 

Anfrage an den Magistrat gem. § 4 Abs. 5 Satzung der KAV

 

Gemäß Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) der siebzehnten öffentlichen Plenarsitzung vom 07.09.1993 wird der Magistrat der Stadt Frankfurt a. M. gebeten, folgende Fragen betr. der Einbeziehung von Frauen ausländischer Herkunft in die Frauenpolitik zu beantworten:

 

1. Wie sehen die Pläne des Magistrats bezüglich einer künftigen Frauenpolitik aus, in die Frauen ausländischer Herkunft einbezogen werden?

 

2. Welche Vorstellungen gibt es, auch Kontakte zu jenen Gruppen und Vereinen aufzunehmen, die bereits seit Jahren isoliert vom gesellschaftlichen Alltag in Frankfurt leben?

 

3. Welche Pläne gibt es, auch eine Kooperation mit deutschen Gruppen herzustellen, um die bestehende Isolation aufzuheben?

Begründung:

Seit Beginn der Zuwanderung von Bürgern nichtdeutscher Nationalität in die BRD und somit auch nach Frankfurt, gibt es die unterschiedlichsten Gruppen und Vereine, die auch Frauenarbeit für ihre jeweilige Nationalität machen. Sie arbeiten meistens sehr isoliert. Da hiervon die Mehrheit der Frauen ohne deutschen Pass betroffen ist, sollte in Zukunft für eine integrative Zusammenarbeit mit diesen Mehrheiten konzeptionell mehr entwickelt werden.

 

gez. Grigorios Zarcadas

(Vorsitzender der KAV)

Stellungnahme des Frauenreferats -Frauen und Gesundheit- vom 15.11.1993

Zu 1.:

 

Der Magistrat hat 1989 das Frauenreferat geschaffen, das die Aufgabe hat, die Interessen und Belange aller Einwohnerinnen Frankfurts, aufzugreifen und wahrzunehmen.

Das Frauenreferat erfüllt diese Aufgabe insbesondere auch gegenüber Frauen ausländischer Herkunft.

Das Frauenreferat und das Amt für multikulturelle Angelegenheiten koordinieren in ämterübergreifender Zusammenarbeit die Arbeit im Bereich „Frauen in der Migration“.

Dies geschieht durch kontinuierliche konzeptionelle Zusammenarbeit, durch organisatorische und inhaltliche Abstimmung und Koordination von Maßnahmen zur Verbesserung der Situation von Migrantinnen und die Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung der Situation von Migrantinnen und die Umsetzung dieser Maßnahmen, bis hin zur Durchführung gemeinsamer Veranstaltungen. Dadurch ist gewährleistet, daß sich die Frauenpolitik schon jetzt sowohl konzeptionell, als auch organisatorisch der Situation und den Interessen von Frauen ausländischer Herkunft annimmt.

 

Zu 2.:

 

Die Kooperation sowohl mit städtischen Ämtern als auch mit außerstädtischen Organisationen, freien Trägern, Initiativen und Vereinen ist eine grundlegende Arbeitsweise des Frauenreferats, wie auch des Amtes für multikulturelle Angelegenheiten. Diese Arbeitsweise pflegen beide Ämter insbesondere auch mit Institutionen, Vereinen und Initiativen, die sich in der Frauenarbeit mit/für Migrantinnen engagieren oder einen ihrer Arbeitsschwerpunkte in der interkulturellen Frauenarbeit haben. Die Aufnahme und Pflege von Kontakten erfolgt auf zwei Ebenen:

-zum Einen auf dem direkten Weg durch die Zusammenführung einer Vielzahl von Gruppen in Arbeitskreisen oder Arbeitsgruppen. Arbeitsgruppen zur Bearbeitung spezifischer Problemstellungen (z.B. AG „Deutsch-Kurse für Migrantinnen“) und kontinuierliche Arbeitskreise (wie z.B. der AK -Migrantinnen) stehen grundsätzlich allen mit der jeweiligen Thematik befassten bzw. interessanten Gruppen offen;

-zum Anderen durch die städtische Förderung von Projekten, Initiativen und Vereinen, die Angebote für Migrantinnen (z.B. Gesprächskreise, Beratung, Sprachkurse, kulturelle Veranstaltungen) entwickeln und durchführen (wie z.B. die internationalen Stadtteiltreffs in Sossenheim, Gallus und Niederrad). Das Spektrum von Angeboten umfasst besonders auch Maßnahmen im Bereich der beruflichen Qualifizierung (wie z.B. die „Beratungsstelle für an- und ungelernte Arbeiterinnen“). Diese Angebote werden zum Großteil von Migrantinnen wahrgenommen.

 

Zu 3.:

Exemplarisch für die schon bestehende Kooperation zwischen Migrantinnen (-Gruppen) und deutschen Frauen (-Gruppen) sei hier der ARBEITSKREIS MIGRANTINNEN genannt.Das Amt für multikulturelle Angelegenheiten und das Frauenreferat haben im April 1991 gemeinsam diesen Arbeitskreis ins Leben gerufen. Der Arbeitskreis trifft sich seitdem kontinuierlich einmal monatlich. Koordination und Leitung liegen bei den beiden Ämtern.Der ARBEITSKREIS MIGRANTINNEN dient unter anderem der Vernetzung der Initiativen, Vereine, Organisationen und Institutionen aus der Mädchen- und Frauenarbeit und Sozial- und Bildungsarbeit in Frankfurt. Mitarbeiterinnen und Multiplikatorinnen aus über 50 Einrichtungen gehören diesem Arbeitskreis an, in der Mehrzahl Frauen ausländischer Herkunft.

 

Insgesamt geht der Magistrat davon aus, dass in den vergangenen 4 Jahren durch die Kooperation zwischen dem Frauenreferat und dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten und die kontinuierliche Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von Initiativen, Vereinen und Gruppen, eine gute und tragfähige Basis für eine interkulturelle Frauenpolitik in Frankfurt entwickelt worden ist.

Die Interessen und Belange von Frauen ausländischer Herkunft wurden dabei nicht nur theoretisch berücksichtigt und thematisiert, sondern Frauen ausländischer Herkunft haben sich direkt an der Entwicklung von Maßnahmen, am politischen Handeln und an der politischen Diskussion beteiligt.

Gruppen und Vereine, in denen Migrantinnen arbeiten bzw. in denen Migrantinnen sich organisiert haben sind einbezogen worden und sind derzeit schon aktiv und –in der Auseinandersetzung mit deutschen Frauen (-Vereinen, -Gruppen und –Initiativen) – kritisch an der Frauenpolitik beteiligt.

 

Der Magistrat beabsichtigt, diese Frauenpolitik in Form und Inhalt künftig fortzusetzen.


gez. Margarethe Nimsch

(Stadträtin)

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