KA 18 vom 10.09.1993 Situation der obdachlosen Bürger ausländischer Herkunft

KA 18 vom 10.09.1993 Situation der obdachlosen Bürger ausländischer Herkunft

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Anregungen und Anfragen der KAV 1993

KA 18 vom 10.09.1993 Situation der obdachlosen Bürger ausländischer Herkunft

Frankfurt a.M., 10.09.1993


Anfrage an den Magistrat gem. § 4 Abs. 5 Satzung der KAV


Gemäß Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) der siebzehnten öffentlichen Plenarsitzung vom 07.09.93 wird der Magistrat der Stadt Frankfurt a. M. gebeten, folgende Fragen zur Situation der obdachlosen Bürger ausländischer Herkunft zu beantworten:

 

1. Ist dem Magistrat bekannt, wenn ja, wie genau, wie viele Männer und Frauen ausländischer Herkunft ohne einen festen Wohnsitz sind?

 

2. Sind es nur Einzelpersonen oder Alleinerziehende mit Kindern oder Familien?

 

3. Welche Informationen werden den in Not geratenen Personen seitens der Stadt Frankfurt gegeben, um rechtzeitig Wohnungslosigkeit zu verhindern?

 

4. Inwieweit stehen im Sozialdienst auch fremdsprachenkundige SozialarbeiterInnen zur Seite um entsprechende Beratung zu gewährleisten?

 

5. Gibt es hierbei auch eine Zusammenarbeit mit jeweiligen Ausländerberatungsstellen der Stadt?

Begründung

In den Monaten Juni/Juli 93 wurden in der BRD- somit auch in Frankfurt- Aktionen gegen Obdachlosigkeit durchgeführt. Den Zeitungsberichten zufolge ist der Anteil der obdachlosen Bürger ausländischer Herkunft in Frankfurt sehr groß. Allein bei der Frankfurter Bahnhofsmission waren es 1992 34%. Den Einschätzungen nach gibt es in der Mainmetropole insgesamt 4.500 obdachlose Bürger. Bei vielen Bürgern ausländischer Nationalität reichen die Renten nach 20 Jahren Arbeit in der BRD für ein normales Leben nicht aus. Dazu kommen Probleme, die aus ihrer besonderen Sozialisation hervorgehen: Sprachschwierigkeiten, Unkenntnis über die Gesetzeslage und die Möglichkeiten für eine Resozialisierung. Bei vielen, von denen man in der Vergangenheit glaubte, sie seien durch ihre familiären Strukturen vor Obdachlosigkeit weitgehend gefeit, stimmen nach dreißig Jahren Leben in der BRD diese Strukturen nicht mehr.

 

gez. Grigorios Zarcadas

(Vorsitzender der KAV)

 

Stellungnahme des Dezernats für Soziales, Jugend und Wohnungswesen vom 22.11.1993

 

Die gestellten Fragen werden wie folgt beantwortet:

 

1. Es wird keine getrennte Statistik nach Staatsangehörigkeit geführt.

 

2. Obdachlosigkeit trifft alle Gruppen.

 

3. Verhinderung von Wohnungslosigkeit setzt das Vorhandensein einer Wohnung voraus. Allen, deutschen wie ausländischen Mietern gleichermaßen, werden direkt Hilfen durch Mitarbeiter zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit angeboten. Die Mehrzahl wohnungsloser Menschen ausländischer Herkunft kommt nach Frankfurt am Main und hat keine Wohnung. Wohnungslosigkeit kann somit nicht verhindert werden.

 

4. Im Sozialdienst der Fachabteilungen des Sozialamtes stehen keine fremdsprachenkundigen SozialarbeiterInnen (Dolmetscher) zur Verfügung.

 

5. Im Einzelfall wird an Ausländerberatungsstellen in der Stadt verwiesen.

Begründung

In den Monaten Juni/Juli 1993 wurden in der BRD – somit auch in Frankfurt – Aktionen gegen Obdachlosigkeit durchgeführt. Den Zeitungsberichten zufolge ist der Anteil der obdachlosen Bürger ausländischer Herkunft in Frankfurt sehr groß. Allein bei der Frankfurter Bahnhofsmission waren es 1992 34%. Den Einschätzungen nach gibt es in der Mainmetropole insgesamt 4.500 obdachlose Bürger. Bei vielen Bürgern ausländischer Nationalität reichen die Renten nach 20 Jahren Arbeit in der BRD für ein normales Leben nicht aus. Dazu kommen Probleme, die aus ihrer besonderen Sozialisation hervorgehen: Sprachschwierigkeiten, Unkenntnis über die Gesetzeslage und die Möglichkeiten für eine Resozialisierung. Bei vielen, von denen man in der Vergangenheit glaubte, sie seien durch ihre familiären Strukturen vor Obdachlosigkeit weitgehend gefeit, stimmen nach dreißig Jahren Leben in der BRD diese Strukturen nicht mehr.

 

Anmerkung zur Begründung

 

Zeitungsbericht sind in der Regel darauf ausgelegt, das Interesse von Lesern zu wecken. Auf welcher Grundlage Zahlen basieren oder aus welchen Quellen Zahlenangaben stammen, wird nicht genannt.

 

Die statistischen Zahlen der Bahnhofsmission im Zusammenhang mit Obdachlosigkeit von Menschen ausländischer Herkunft in Frankfurt am Main heranzuziehen und sie überdies mit einer nicht gesicherten Anzahl von Obdachlosen zu verknüpfen, suggerieren einen durch nichts bewiesenen bzw. erfassten Anteil von Ausländern. Die Aufgaben der Bahnhofsmission sind differenzierter. Die Statistik nennt Übernachtungszahlen, die Durchreisende erfassen.

 

gez. Stadtrat Berg

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