KA 9 vom 15.11.1992 Bleiberecht für G. V.

KA 9 vom 15.11.1992 Bleiberecht für G. V.

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Anregungen und Anfragen der KAV 1992

KA 9 vom 15.11.1992 Bleiberecht für G. V.

Frankfurt a.M., 15.11.1992

 

Anregung an den Magistrat gem. § 4 Abs. 5 der Satzung der KAV

 

Gemäß Beschluß der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung der achten öffentlichen (außerordentlichen) Plenarsitzung vom 27.10.1992 wird der Magistrat der Stadt Frankfurt am Main aufgefordert, sich dafür einzusetzen, daß die argentinische Staatsbürgerin G. V. aus humanitären Gründen Bleiberecht erhält.

Begründung:

Frau G. V. 1972 in Argentinien geboren, wurde im Alter von zwei Jahren von ihrem Stiefvater mißbraucht und anschließend in Heime abgeschoben. Sie erhielt niemals die Chance, einen Beruf zu erlernen. Mit 17 Jahren verdiente sie ihren Lebensunterhalt durch Gelegenheitsarbeiten. Sie lernte C. C. (50) kennen, der ihr Arbeit, ein geregeltes Einkommen und menschliche Zuwendung versprach.In Wirklichkeit verschleppte C. Frau V. in die Niederlande, wo er sie zur Prostitution zwang. Aus den Niederlanden wurde sie wegen Minderjährigkeit ausgewiesen. C. besorgte falsche Papiere, mit denen sie im August 1990 nach Frankfurt kam, wo sie weiterhin der Prostitution nachgehen mußte. Wie bereits in den Niederlanden, hielt C. Frau V. wie eine Sklavin und behielt ihre gesamten Einnahmen.Frau G. V. wurde krank, mußte operiert werden und trotz Schmerzen weiter Kunden bedienen. In ihrer Verzweiflung versuchte sie, sich zu vergiften. C. sperrte Frau V. ein und gab ihr eine Woche lang nichts zu essen. Eine Zeugin dieses brutalen Verhaltens rief die Polizei.C. C. wird jetzt der Prozeß gemacht, in dem Frau V. als Nebenklägerin auftritt.

Frau V. bemüht sich seit ihrer Befreiung, ihr Leben selbst und endlich menschlich zu gestalten. Sie hat begonnen deutsch zu lernen und ist hochmotiviert, eine Berufsausbildung zu beginnen. Sie möchte in Deutschland bleiben, da sie befürchtet in Argentinien in den Teufelskreis Armut und Ausbeutung zurückgestoßen zu werden. Außerdem fürchtet sie Rache von Herr C. C..Wir setzen uns dafür ein, daß G. V. die Aufenthaltserlaubnis erteilt wird, damit sie endlich menschenwürdig leben kann.

 

gez. Grigorios Zarcadas

Vorsitzender der KAV

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