KA 6 vom 08.07.1992 Würdigung der Verdienste der Migranten und Migrantinnen im Rahmen der 1200- Jahrfeier der Stadt Frankfurt am Main

KA 6 vom 08.07.1992 Würdigung der Verdienste der Migranten und Migrantinnen im Rahmen der 1200- Jahrfeier der Stadt Frankfurt am Main

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Anregungen und Anfragen der KAV 1992

KA 6 vom 08.07.1992 Würdigung der Verdienste der Migranten und Migrantinnen im Rahmen der 1200- Jahrfeier der Stadt Frankfurt am Main

Frankfurt a.M., 08.07.1992

 

Anregung an den Magistrat gem. § 4 Abs. 5 der Satzung der KAV

 

Gemäß Beschluß der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung der 5. öffentlichen (außerordentlichen) Plenarsitzung vom 10.06.1992 wird der Magistrat der Stadt Frankfurt am Main dazu aufgefordert, im Rahmen der 1200-Jahrfeier der Stadt Frankfurt die Verdienste der Migranten und Migrantinnen für die Stadt Frankfurt entsprechend zu würdigen.

 

Dementsprechend schlagen wir vor:

 

1. Erstellung einer Dokumentation über die Emigranten und Emigrantinnen und die „Fremden“ in der Frankfurter Geschichte und Gegenwart-

 

2. Aktive Einbeziehung der Emigranten- und Emigrantinnen-Vereine in die Vorbereitungen der 1200-Jahrfeier sowie die finanzielle Unterstützung ihrer Beiträge.

 

3. Unterstützung und Anschluss des gemeinsamen Aufrufs „Für Menschenwürde und Weltoffenheit- gegen Ausländerfeindlichkeit“ vieler Organisationen und Gruppen unter der Koordination der Beauftragten der Bundesregierung für die Belange der Ausländer und Ausländerinnen. Des weiteren soll die Stadt Frankfurt am Main zu einer weltoffenen, humanen und ausländerfreundlichen Stadt erklärt werden.

Begründung:

Zunehmende Ausländerfeindlichkeit, Nationalismus, Rassismus und Neonazismus stellen eine große Bedrohung der Migranten und Migrantinnen dar. Die hier lebenden ausländischen Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen brauchen dringend den Schutz und Beistand der Stadt Frankfurt am Main. Die sogenannten Ausländer der ersten Generation sind nicht mehr die Fremden in einem für sie unbekannten Land. Sie und ihre Kinder sind inzwischen ein nicht mehr weg zu denkender Bestandteil dieser Gesellschaft geworden. Viele Kinder der Migranten und Migrantinnen sind in Frankfurt geboren und aufgewachsen und mit der hiesigen Lebensweise und Mentalität bestens vertraut. Daß die ausländischen Bürger und Bürgerinnen eine Bereicherung für die Stadt Frankfurt darstellen, kann nicht übersehen werden. Das Leben in Frankfurt und in Deutschland ist ohne die Arbeit der Migranten und Migrantinnen nicht mehr denkbar. Sie haben einen entscheidenden Anteil daran, daß sich Deutschland im internationalen Wettbewerb so gut behaupten kann. Die Stadt Frankfurt am Main, eine multikulturelle Stadt, ist auf die Migranten und Migrantinnen angewiesen. Offenheit im Umgang mit ausländischen Partnern und Verständnis für fremdländische Kulturen ist eine Notwendigkeitund sollte eigentlich selbstverständlich sein. Diskriminierung von Migranten und Migrantinnen dürfen in Frankfurt am Main und anderswo keinen Raum bekommen.

 

gez. Grigorios Zarcadas

Vorsitzender der KAV

Stellungnahme des Dezernats III Finanzen, Referat Beteiligungen vom 30.10.1992

Es wird als bekannt vorausgesetzt, dass der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung die Planung und Vorbereitung der 1200-Jahr-Feier der Frankfurt Projekte GmbH übertragen hat.

 

Seitens dieser Gesellschaft gibt es bereits Planungen, die eine Beteiligung der in Frankfurt lebenden Ausländer vorsehen.

 

Als eine der Eröffnungsveranstaltungen ist ein sogenannter interreligiöser Gottesdienst in der Paulskirche in Planung, der in den Gemeinden der Stadtteile seine Fortsetzung finden soll.

 

In Diskussion ist auch ein Ausstellungsprojekt, welches eine historische Aufarbeitung des Themas „Fremde in Frankfurt“ zum Inhalt hat. Bestandteil dieser Konzeption ist auch die Darstellung der aktuellen Situation.

 

Ein dritter Veranstaltungsblock wird sich im Wesentlichen mit dem Thema „Frankfurt im Dialog mit der Welt“ befassen; dazu soll im Rahmen der Frankfurt Feste ein Musikfestival fremder Kulturen durchgeführt werden. Außerdem wird ein Chorfestival geplant, an dem sich sowohl Frankfurter als auch Chöre aus den Partnerstädten beteiligen sollen.

 

Schließlich wird über die Integration eines multikulturellen Sportfestes in das Trimmfestival des Deutschen Sportbundes nachgedacht.

 

Weitere Aktivitäten können aus Gründen der Kapazität und auch aus fachlichen Gründen nur durch eine Koordination und Organisation durch das Amt für multikulturelle Angelegenheiten in Angriff genommen werden.

Wir regen daher an, sich hinsichtlich weiterer Wünsche über das Amt für multikulturelle Angelegenheiten direkt an die Frankfurt Projekte GmbH zu wenden.

 

Im Übrigen ist ein Vertreter der Kommunalen Ausländervertretung Mitglied im Kuratorium zur Vorbereitung der 1200-Jahr-Feier und kann dort direkt Vorschläge unterbreiten.

 

gez. Grüber

Stadtkämmerer

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