K 2 vom 15.11.1992 "Neue Toleranzzone"

K 2 vom 15.11.1992 "Neue Toleranzzone"

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Anregungen und Anfragen der KAV 1992

K 2 vom 15.11.1992 "Neue Toleranzzone"

Frankfurt a. M., 15.11.1992

Anregung an die Stadtverordnetenversammlung

 

Gemäß Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) der achten öffentlichen Sitzung am 27.10.1992 wird folgender Vorschlag an die Stadtverordnetenversammlung gerichtet:

 

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen,

dass sich der Magistrat der Stadt Frankfurt im Rahmen seiner Möglichkeiten dafür einsetzt, dass

 

1. die Einrichtung der Toleranzzone im Bahnhofsviertel überprüft wird.

 

2. für Verkehrsberuhigung in der Taunusstraße gesorgt wird und diese als Fußgängerbereich deklariert wird (zumindest. nachts).

 

3. an Punkten mit starkem Passentenverkehr, gebührenfreie Ein – Mann – Toiletten und Einzelpissoirs aufgestellt werden.

 

4. genügend Mülltonnen vor Gaststätten etc. aufgestellt werden.

 

5. existierender Wohnraum im Bahnhofsviertel durch eine Veränderungssperre bewahrt bleibt und in diesem Zusammenhang eine Beratungsstelle für die von Kündigungen bedrohten MieterInnen eingerichtet wird.

 

6. momentan leerstehende Häuser im Bahnhofsviertel der Wohnraumnutzung zugeführt werden.

 

7. für Anwohner des Bahnhofsviertels kostenlose Parkmöglichkeiten erschaffen werden (bzw. Parkparkletten wie in anderen Stadtteilen).

Begründung:

Zu 1) Es ist eine brutale Entscheidung, die Toleranzzone in einem Wohngebiet mit Familien, die Kinder haben, zu etablieren. Der zwischen der Weserstraße und der Elbestraße gelegene Abschnitt der Taunusstraße war bisher reines Wohn- und Gewerbegebiet und von Sexgeschäften unbehelligt. Mit der neuen Toleranzzone hat sich allerdings das nächtliche Verkehrsaufkommen erheblich gesteigert. An ungestörte Nachtruhe ist, auch mit Verkehrsfluss mit Geschwindigkeits-und Lärmsteigern, quietschende Reifen, frisierte, laut röhrende und dröhnende Autos und Motorräder und grölende, schreiende, aggressive und alkoholisierte Besucher, dazu noch die Sirenen der Ambulanzen und Überfallkommandos. Ein weiterer Stressfaktor der Bewohner ist, dass die Hauseingänge bzw. Hausflure in den letzten Monaten besonders für Drogenabhängige zu einem beliebten Übernachtungsplatz geworden sind und man nicht selten benutzte Spritzen etc. im Hausflur vorfindet.

 

Zu 2) – sehr hoher nächtlicher Geräuschpegel,aufheulende Kfz – Motoren rücksichtsloses, übermütiges und hartnäckiges Hupen.

 

Zu 3) Fas jeden Morgen finden sich Urinlachen in den Hausfluren, weil mangels anderer Einrichtungen in den Hausgangnischen uriniert wird.

 

Zu 4) Abfall auf den Straßen und in den Hauseingängen sind größtenteils darauf zurückzuführen, dass die vorhandenen Abfalleimer zu klein (für Pizzakartons etc.) und nicht ausreichend vorhanden sind.

 

Zu 5) Seit der Einrichtung der Toleranzzone im Bahnhofsviertel befürchten die in diesem Gebiet wohnenden BürgerInnen, dass ein Vertreibungsdruck ausgeübt wird. (z. B. Moselstraße 42, wo alle Mieter zum Auszug bewegt wurden, um einem neuen Bordell Platz zu machen).

 

Zu 6) Seit Jahren stehen Gebäude leer, bei denen es sich um geschlossene Bordelle handelt.

 

Zu 7) Es bestehen keine Möglichkeiten länger als eine Stunde zu parken, wenn überhaupt, da nur Parkplätze mit Parkuhren vorhanden sind.

 

gez. Zarcadas(Vorsitzende der KAV)

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