KA 52 vom 15.06.2010 Sprachlose Kinder II

KA 52 vom 15.06.2010 Sprachlose Kinder II

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KAV 2010 Anregungen und Anfragen

KA 52 vom 15.06.2010 Sprachlose Kinder II

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© Stadt Frankfurt Main

Frankfurt a. M., 15.06.2010

 

Anfrage an den Magistrat der Stadt Frankfurt am Main

 

Gemäß dem Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) der 47. öffentlichen ordentlichen Plenarsitzung vom 14.06.2010 wir der Magistrat gebeten, folgende Fragen zu beantworten:

 

Sprachförderung in Frankfurt

 

1. Sprachförderungskonzept:

Warum gibt es in Frankfurt im Gegensatz zur Nachbarkommune Offenbach kein einheitliches Sprachförderungskonzept?

 

2. Ist die Entwicklung eines solchen einheitlichen Konzepts auch für Frankfurt geplant?

 

3. Evaluation zur Sprachförderung:

Gibt es verbindliche, vertraglich fixierte Leistungserbringung zur Sprachförderung in den a) städtischen Kitas, b) Kittas freier Träger?

 

4. Wenn ja, in welcher Form wird die Erbringung dieser Leistung überprüft (Evaluation intern oder extern?)

 

5. Wenn nein, ist es beabsichtigt, eine verbindliche Leistungserbringung zur Sprachförderung und deren externen Evaluation einzuführen?

 

6. Qualifizierung im Bereich Deutsch als Zweitsprache (DAZ)?

 

7. Wie viele Frankfurter ErzieherInnen haben im letzten Jahr entsprechende Qualifizierungsseminare besucht?

 

8. Wie viele GrundschullehrerInnen in Frankfurt wurden als DAZ - LehrerInnen ausgebildet?

 

Begründung:

Aus den Ergebnissen des Berichts zur Kindergesundheit in Frankfurt am Main 2002-2008 sind erschreckende Daten mit ansteigendem Trend zu Defiziten in der Sprachentwicklung der Frankfurter Kinder bei der Einschulungsuntersuchung festgestellt worden ( im Jahr 2002-2006 von 11,2% zu 13,6% im Jahr 2002-2008).

 

gez. Enis Gülegen

(Vorsitzender der KAV)

Stellungnahme des Dez. II - Bildung und Frauen -

Amt/Betrieb: -Stadtschulamt / 40.51.1-

Frankfurt a. M., 25.11.2010

 

Der Magistrat hat die nachstehende Stellungnahme am 10.12.2010 zur Kenntnis genommen.

 

1. Es gibt mehrere Gründe, die gegen ein einheitliches Sprachförderungskonzept sprechen:

 

Im Kita-Bereich gibt es insbesondere in Frankfurt eine große Pluralität unterschiedlicher Träger. Durch die gesetzlich verankerte Trägerautonomie treffen Träger unterschiedliche konzeptionelle Entscheidungen, dazu gehören auch fachliche Entscheidungen des Trägers zur Sprachförderung.

 

Ein einheitliches Sprachförderungskonzept für alle Kindertageseinrichtungen müsste den Bedingungen und Anforderungen der unterschiedlichen Kitas gerecht werden. Die Kindertageseinrichtungen haben jedoch verschiedene Voraussetzungen, z.B. ist der Anteil von Kindern mit anderen Erstsprachen sehr unterschiedlich (von unter 20 % bis über 80 %), der Unterstützungs- und Förderbedarf von Kindern ist entsprechend dieser Voraussetzungen sowie weiterer Einflussfaktoren aufgrund der sozialen Hintergründe der Familien sehr verschieden.

 

Die Mehrzahl der vorhandenen Förderkonzepte – insbesondere der Trainingskonzepte – fördert Teilbereiche der Sprache, z.B. Grammatik oder phonologische Bewusstheit, die weiteren für die Sprachentwicklung wesentlichen Bereiche finden keine Berücksichtigung.

 

2. Von Seiten des Stadtschulamtes ist geplant, das Sprachförderkonzept Wortstark, das in der ersten Erprobungsphase ist, so weiterzuentwickeln, dass die Basiselemente von jeder Kita genutzt werden können. Wortstark ist ein alltagsintegriertes Konzept, das die pädagogischen Fachkräfte qualifiziert, mit Kindern in unterschiedlichen Situationen in bewusste, sprachfördernde Interaktion und Kommunikation zu treten. Weitere Elemente der Qualifizierung sind Schulungen zur Einschätzung des kindlichen Sprachentwicklungsstandes und die Planung systematischer Sprachförderung in kleinen Gruppen.

Ein zweiter Baustein des Projektes ist die Qualifizierung von Ehrenamtlichen, die unter dem Motto „Eltern für Eltern“ unterschiedliche Angebote rund um das Thema Sprache für Eltern der Projektkitas durchführen.

 

Da Wortstark trägerübergreifend konzipiert ist, werden die unterschiedlichen Frankfurter Träger von Kindertageseinrichtungen in den Prozess eingebunden, was für die Nachhaltigkeit der Projektentwicklungen von wesentlicher Bedeutung ist.

 

Das Projekt „Lernen vor Ort“ hat die Empfehlung abgegeben, in Frankfurt ein einheitliches Sprachförderkonzept einzuführen, zu dieser Empfehlung ist noch kein abschließendes Urteil gebildet worden.

 

3. Der städtische Träger hat das Sprachförderkonzept „Meine, deine, unsere Sprache“ entwickelt und in seinen Einrichtungen implementiert. Die Überprüfung erfolgt mit Hilfe der internen Steuerungselemente des städtischen Trägers.

 

Mit den Kitas der freien Träger gibt es keine vertraglich fixierten Leistungserbringungen zur Sprachförderung.

 

4. Siehe Punkt 3.

 

5. Es gibt zurzeit keinen Beschluss, eine verbindliche Leistungserbringung zur Sprachförderung und deren externe Evaluation einzuführen.

 

6. Dem Magistrat liegen keine Angaben vor.

 

7. Hierzu liegen keine Angaben vor. Fortbildungen für ErzieherInnen werden von den unterschiedlichsten Bildungs- und Fortbildungsträgern angeboten, diese werden nicht zentral erfasst.

 

8. Hierzu liegen keine Angaben vor.

 

gez. Jutta Ebeling

(Bürgermeisterin)

 

Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung, 4. Sitzung vom 28.03.2011, Kenntnisnahme

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