KA 8 vom 23.11.1998 Deutschkurse für Migranten- innen an der Volkshochschule Frankfurt

KA 8 vom 23.11.1998 Deutschkurse für Migranten- innen an der Volkshochschule Frankfurt

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KAV 1998 Anregungen und Anfragen

KA 8 vom 23.11.1998 Deutschkurse für Migranten- innen an der Volkshochschule Frankfurt

Frankfurt a.M., 23.11.1998

Anfrage an den Magistrat der Stadt Frankfurt am Main

 

Gemäß Beschluß der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) der 11. öffentlichen ordentlichen KAV – Plenarsitzung am 23.11.1998 wird der Magistrat gebeten, folgende Fragen zu beantworten:

 

1. Trifft es zu, daß in der Zeit von 1992 bis 1998 im Durchschnitt fünf bis sechs Teilnehmer mehr in die Kurse „Deutsch als Fremdsprache“ aufgenommen wurden, als im Vergleich zu den übrigen Sprachkursen A 26 Deutsch für Deutsch, A 42 Englisch A 43 Spanisch / Italienisch etc. oder A 64 Fremdsprachen / DaF Höchst?

 

2. Sollte dies zutreffen, wie erklärt sich der Magistrat diese Überlegung und wie steht er dazu?

 

3. Teilt der Magistrat die von dem kommissarischen Amtsleiter Herrn Kuldschun geäußert Meinung (s. Frankfurter Neue Presse vom 12. Nov. 1998), daß die große Nachfrage im Zusammenhang mit den Raumproblemen die Ursache für die Überlegung sind.

 

4. Hatten andere VHS – Bereiche in den Jahren von 1992 bis 1998 keine der von Herrn Amtsleiter Kuldschun erwähnten in hohen Kursbelgegungszahlen sich niederschlagende Raumprobleme?

 

5. Wie kommt es, daß ausgerechnet im Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ derartige Raumprobleme entstehen, wenn doch die Zahl der Belegungen in diesem Bereich allein in der Zeit von 1992 bis 1997 um 1.600 Anmeldungen zurückgegangen ist und dieser Bereich mittlerweile eine 25 % Kursausfallquote zu verzeichnen hat?

 

6. Wäre nicht angesichts der erwiesenermaßen vorhandenen sozialen Benachteiligung vieler Kursteilnehmer- / innen im Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ – 33 % von ihnen sind Frankfurter – Paß Inhaber – zu erwägen, sie gegenüber anderen Gruppen, durch Reduzierung der Kursgrößen in besonderer Weise zu fördern?

 

7. Hält der Magistrat die im Vergleich zum betreuten Unterrichtsstundenvolumen extrem niedrige Personalausstattung im Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ – 1997 sind 33.238 Unterrichtsstunden von lediglich drei hauptamtlichen Pädagogen geleistet worden, von denen zwei hoch nicht einmal eine volle Stelle haben – weiterhin für vertretbar?

 

8. Welche Einnahmeposten sind im einzelnen und in welcher Höhe bei der Bestimmung des Einnahmefaktors im Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ in den Jahren 1994 bis 1998 berücksichtigt worden? Z. B. Zuschüsse des Sprachverbandes, des Sozialamtes Frankfurt etc. Bitte die Angaben detailliert nach Jahren aufschlüsseln.

 

9. Wie hoch war der tatsächlich realisierte Einnahmefaktor im Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ jeweils in den Jahren 1994 bis 199, wenn man alle diesem Bereich zurechenbaren Einnahmen berücksichtigt?

 

10. Sind in den Jahren 1994 bis 1998 irgendwelchen Einnahmekosten bei der Bestimmung des tatsächlichen realisierten Einnahmefaktors im Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ nicht berücksichtigt worden? Angaben bitte für die einzelnen Jahre getrennt aufführen.

 

11. Wenn die Frage 10 mit ja beantwortet wird, welche Einnahmeposten sind in den Jahren 1994 bis 1998 weshalb und in welchem Umfang bei der Berechnung des Einnahmefaktors nicht berücksichtigt worden?

 

12. Wie hoch waren in den Jahren 1994 bis 1998 jeweils die tatsächlich realisierten Einnahmefaktoren in den VHS – Sprachbereichen A 26 Deutsch für Deutsche, A 42 Englisch, A 43 Spanisch / Italienisch und A 64 Fremdsprachen / DaF Höchst?

 

13. Wie hoch waren die in den unter Frage 12 genannten VHS Sprachbereich sowie im Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ erzielten „Gesamteinnahmen je Unterrichtsstunde“ jeweils in den Jahren 1994 bis 1998?

 

14. In welcher Höhe sind dem Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ in den Jahren 1994 bis 1998 Zuschüsse des Sozialamtes Frankfurt, des Sprachverbandes oder sonstiger zugeflossen? (Bitte eine detaillierte Aufschlüsselung)

 

15. Welche Ausgabeposten des Bereichs „Deutsch als Fremdsprache“ wurden in welcher Höhe und zu welchem Anteil jeweils in den Jahren 1994 bis 1998 durch diese Zuschüsse abgedeckt?

 

16. Wie hoch war der Zuschuß des Sprachverbands an den Bereich Deutsch als Fremdsprache in den Jahren 1994 bis 1998 pro Unterrichtsstunde?

 

17. Sind die Zuschüsse des Sprachverbands den Teilnehmer/ - innen von sprachverbandsgeförderten Kursen in voller Höhe zugute gekommen?

 

18. Sollte sich bei Frage 17 eine Differenz ergeben, wie hoch war diese Differenz jeweils in den Jahren 1994 bis 1998 pro sprachverbandsgeförderter Unterrichtsstunde und wofür wurde sie verwendet?

 

Begründung:

In diesem Monat wurde seitens der GEW der Volkshochschule der Vorwurf gemacht, daß sie Migranten/ -innen „institutionell benachteilige“. Dies – so die GEW – geschehe einerseits dadurch, daß die Kurse im Bereich Deutsch als Fremdsprache im Vergleich zu Sprachkursen anderer VHS – Sprachbereiche überlegt würden. Zum anderen dadurch, daß die im Ausländerbereiche der VHS erwirtschafteten Zuschüsse bei der Bestimmung des für die Kurseinnahmen maßgeblichen „Einnahmefaktors“ nicht berücksichtigt werden, die dort anfallen Einnahmen folglich niedriger ausgewiesen werden, als sie tatsächlich sind. Unter Berücksichtigung aller im Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ anfallenden Zuschüsse seien die Einnahmen dort tatsächlich höher als in anderen VHS – Sprachbereichen, wie etwa bei den Englischkursen.

 

Unter diesen Umständen – so die GEW – könne nicht mehr davon die Rede sein, daß der Bereich „Deutsch als Fremdsprache“, in dem überdurchschnittlichen viele sozial Benachteiligte sind – und 33 % der Kursteilnehmer/ - innen sind Frankfurt – Paß – Inhaber – von jenen VHS – Bereichen alimentiert wurde, in denen zahlungskräftige Teilnehmer sind.

 

Dieses Verhältnis kehre sich vielmehr um, wenn – wie es die GEW behauptet – der Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ an der VHS tatsächlich höhere Einnahmen pro Unterrichtsstunde zu verzeichnen hat als andere VHS – Sprachbereiche. Die GEW hält nicht nur diese Umkehrung des „sozialen Prinzips“ („Robin Hood – Prinzip“) für fatal, sondern bezweifelt obendrein, daß dem Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ sämtliche dort erwirtschafteten Einnahmen tatsächlich zugute kommen.

 

VHS – Amtsleiter Kuldschun hat in seiner Reaktion auf die Kritik der GEW (FNP v. 12.11.1998) den Vorwurf der Überlegung nicht etwa bestritten, sondern mit Hinweis auf eine zu große Nachfrage und den daraus resultierenden Raumproblemen entschuldigt.

 

Denn wieso angesichts eines Rückgangs im DaF – Bereich von mehr als 1600 Kursteilnehmern seit 1992 und einer Kursausfallquote von gegenwärtig 25 % (!) ausgerechnet in diesem Bereich Raumprobleme bestehen, andere VHS – Bereiche aber von solchen Problemen offenbar seit Jahren verschont geblieben sind, hat uns Herr Amtleiter Kuldschun leider nicht verraten.

 

gez. Parrondo

(Vorsitzender der KAV)

Stellungnahme des Dezernats VI –Schule, Bildung und Multikulturelle Angelegenheiten Amt / Betrieb: Volkshochschule

Frankfurt a. M., 12.02.1999

 

Der Magistrat hat die nachstehende Stellungnahme am 01.03.1999 zur Kenntnis genommen.

 

Seit dem 1. Januar 1999 ist die Volkshochschule Frankfurt ein Eigenbetrieb der Stadt. Mit einer hinzukommenden Umstrukturierung der Aufbauorganisation verfolgt die Volkshochschule in der neuen Rechtsform das Ziel, ihre operativen Bereiche als Fachbereiche neu zu formieren, neue Steuerungsinstrumente einzusetzen und über mehr Transparenz durch Kosten- und Leistungsrechnung neue Wege zur Steigerung von Wirtschaftlichkeit zu finden und gleichzeitig das differenzierte Angebot bewußter bewerten zu können und in seinem Bestand bildungspolitisch abzusichern.

Die hohe Zahl von Migrantinnen und Migranten in Frankfurt bleibt eine Herausforderung und Verpflichtung für die Erwachsenenbildung und die Volkshochschule, diesem Bevölkerungsteil den Zugang zu den Bildungsangeboten der Volkshochschule zu ermöglichen und zu erleichtern. In diesem Zusammenhang sollen die multikulturellen Angebote innerhalb der VHS nicht mehr einem gesonderten Fachbereich zugeteilt sein, sondern inhaltlich in den einzelnen Fachbereiche eingegliedert werden. Dafür will sich die VHS konzeptionell, personell und fachlich sehr viel breiter auf die multiethnische Gesellschaft in Frankfurt am Main einstellen. Dies ist die „neue interkulturelle Öffnung der Volkshochschule Frankfurt“ Durch das Zusammenwirken der verschiedenen Maßnahmen soll einerseits ein bedarfsgerechtes Angebot sichergestellt werden, anderseits sollen negative Folgen eines Sonder – Fachbereichs (z. B. Segregation oder Abschottung) vermieden werden. Auf diese Weise wird der interkulturellen Bildung in allen Fachbereichen der VHS eine verstärkte Bedeutung zukommen. Für eine wesentliche Barriere werden gelegentlich Kursgebühren gehalten. Hier sollen die möglichen „Angebotsermäßigungen“ (Reduzierungen des Basisentgelts aufgrund der Fördermittel z. B. des Sprachverbandes, von Bund und Land) sowie die „persönlichen Ermäßigungsmöglichkeiten“ entsprechend der gültigen Rahmenentgeltordnung (z. B. Inhaber/ -innen des Frankfurt – Passes, Sozialhilfeempfänger und Arbeitslosen, Schüler und Studenten) selbstverständlich erhalten bleiben.

Diese für die Zielgruppe besonders interessanten Bedingungen führen zu einer vergleichsweise großen Nachfrage nach den Sprachkursangeboten „Deutsch als Fremdsprache“.

 

Zu Frage 1 und 2:

Nein. In der Formulierung der Frage wird unterstellt, daß in die Kurse „Deutsch als Fremdsprache“ gezielt 5 bis 6 Personen mehr als in anderen Sprachkursen (z. B. Englisch, Französisch) aufgenommen wurden. Dies ist nicht der Fall. In der Kurse „Deutsch als Fremdsprache“ haben sich jedoch im Durchschnitt mehr Personen angemeldet als im Vergleich zu Sprachkursen, die von anderen Programmbereichen (z. B. Englisch) angeboten werden.

 

Zu Frage 3:

Die Äußerung des Kommissarischen Betriebsleiters der Volkshochschule Frankfurt am Main, Herr Kuldschun, in der „Frankfurter Neuen Presse“ ist verkürzt und mißverständlich wiedergegeben worden. Herr Kuldschun äußerte sich dahingehend, daß die Volkshochschule Raumprobleme bekäme, wenn sie die Teilnehmerzahlen in Kursen „Deutsch als Fremdsprache“ auf etwa 12 begrenzen würde, da die dann zusätzlich benötigte Räume nicht zur Verfügung stünden.

 

Im übrigen ist mit Beginn des Herbstsemesters 1998 eine Höchstgrenze von 17 Teilnehmern pro Kurs festgelegt worden. In ca. 25 % der Kurse ist diese Zahl geringer aufgrund der Größe der vorhandenen Unterrichtsräumen, die nur 12, 14 oder 16 Teilnehmer/ - innen zulassen.

 

Zu Frage 4:

Nein.

 

Zu Frage 5:

Die in der Frage unterstellten Raumprobleme existieren nicht (vergleiche auch Antwort auf Frage 3).

 

Die im Vergleich der Jahre 1992 und 1998 geringeren Anmeldungen für Kurse „Deutsch als Fremdsprache“ haben nicht zur Folge, daß nunmehr freie Räume zur Verfügung stehen. Ausschlaggaebend ist die Anzahl der durchgeführten Kurse, die sich unverändert bei ca. 300 Kursen pro Jahr bewegt. In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen, daß es zu einer rückläufigen durchschnittlichen Belegung gekommen ist.

 

Im übrigen beträgt der Kursausfall im Programmbereich „Deutsch als Fremdsprache“ nicht 25 % wie behauptet. Die Kursfallquote beträgt 18 %, dies entspricht einem Ausfall von 14 % der geplanten Unterrichtsstunden. Betroffen von diesem Ausfall waren 37 von 1705 Teilnehmern (2 %).

 

Zu Frage 6:

Für die überwiegende Zahl der Angebote „Deutsch als Fremdsprache“ werden reduzierte Entgelte erhoben.

 

Zu Frage 7:

Im Zuge der Veränderung der Organisationsstruktur der Volkshochschule wird auch im Programmbereich „Deutsch als Fremdsprache“ eine Prüfung der Personalausstattung, sowohl im Verwaltungs- als auch im Pädagogischen Bereich, erfolgen.

 

Die Antworten auf die folgenden Fragen können sich überwiegend nur auf das Jahr 1997 beziehe, da aus Vorjahren kein hinreichend aufgeschlüsseltes Zahlenmaterial vorliegt und das Jahr 1998 zum Zeitpunkt der Beantwortung dieser Anfrage noch nicht abschließen gebucht ist.

 

Zu Frage 8, 9, 10 und 11:

Bei der Bestimmung des Einnahmefaktors im Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ sind bei der Bestimmung des Einnahmefaktors die Teilnehmerentgelte berücksichtigt worden. In diesen Teilnehmerentgelten sind auch die Zahlungen des Sozialamtes für Inhaber/ - innen des Frankfurt – Passes enthalten.

 

Einnahmen durch den Sprachverband und das Sozialministerium betreffen jeweils mehrere Programmbereiche und andere Einnahmeposition des Haushaltes.

Der vorgegebene Einnahmefaktor berücksichtigt bereits die oben dargestellte Haushaltssystematik. Daher ist die in den Fragestellungen implizierte Vermischung von Einnahmepositionen unzulässig.

 

Zu Frage 12:

Einnahmefaktoren: Ist 1997

A 26 Deutsch für Deutsche 1,02

A 42 Englisch 1,39

A 43 Spanisch, Italienisch usw. 1,46

A 44 Französisch 1,67

A 53 Deutsch als Fremdsprache 1,21

A 64 Sprachliche Weiterbildung Höchst 1,35

 

Zu Frage 13 und 15:

Die Kostenrechnung befindet sich bei der Volkshochschule im Zuge der Umwandlung zum Eigenbetrieb derzeit in der Einführungs- und Erprobungsphase. Nach Abschluß dieser Arbeiten werden auch solche Fragen beantwortet können, wie sie die KAV formuliert hat. Mit den derzeit zur Verfügung stehenden Zahlenmaterial ist dies nicht bzw. nur mit erheblichen Aufwand möglich.

 

Zu Frage 14:

Zunächst ist richtig zu stellen, daß es sich bei den Zahlungen des Sozialamtes Frankfurt für Inhaber/ - innen des Frankfurt – Passes nicht um Zuschüsse handelt, sondern um eine Kompensation des der Volkshochschule durch die Gewährung des Ermäßigungsanspruches entgangnen Teilnehmerentgelts. Durch eine generelle Ermäßigung der Teilnehmerentgelte für Inhaber/ - innen des Frankfurt – Passes sind der Volkshochschule im Programmbereich „Deutsch als Fremdsprache“ 1998 rund 210.000,00 DM Entgelteinnahmen entgangen. Dieser Entgeltausfall wurde durch die Zahlung des Sozialamtes Frankfurt für den Frankfurt – Paß in der entsprechenden Höhe ausgeglichen. Bezüglich des Sprachverbandes und des Sozialministeriums ist eine Aufschlüsselung des Zahlenmaterials auf den Programmbereich „Deutsch als Fremdsprache“ nachträglich nur mit nicht mehr vertretbarem Arbeitsaufwand möglich. Für den gesamten Fachbereich Ausländerinnen und Ausländer lauten die Haushalts –Ist – Ergebnisse für die Jahre 1994 bis 1997 wie folgt:

 

Jahr Ergebnis Sprachverband DM Ergebnis Sozialministerium DM

1994 498.836,20 128.099,00

1995 529.627,52 123.000,00

1996 467.115,47 100.000,00

1997 222.119,41 0,00

 

Zu Frage 16:

Der Zuschuß des Sprachverbandes je Unterrichtsstunde betrug in den Jahren 1992 bis 1998

35,00 DM.

 

Zu Frage 17 und 18:

Ja. Für die Teilnahme an sprachverbandsgeförderten Kursen wurde gemäß den Richtlinien des Sprachverbandes höchstens ein Entgelt von 2,00 DM je Unterrichtsstunde erhoben.

 

gez. Ebeling

(Stadtrat)

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