Susanne Gonsior-Hahmann

Susanne Gonsior-Hahmann

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Interviews

„Unser Ziel war es, ein Naturerlebnis mitten in der Stadt zu ermöglichen“

Am 24. September 2022 wurde der Rennbahnpark eröffnet. Im Interview erklärt dessen Planerin, was diesen so besonders macht

Susanne Gonsior-Hahmann zeichnete im Grünflächenamt für die Planung und Bebauung des Rennbahnparks an der Grenze zwischen Sachsenhausen und Niederrad verantwortlich. Frankfurts jüngster Bürgerpark wurde am Samstag, 24. September, offiziell eröffnet. Im Interview mit Mirco Overländer spricht die Landschaftsarchitektin und planerische „Mutter“ des neuen Goetheturms über planerische Herausforderungen und das Vorhaben der Stadt, durch „grüne Architektur“ die Wucht des Klimawandels abzumildern.

Susanne Gonsior-Hahmann im Rennbahnpark, Foto: Salome Roessler
Susanne Gonsior-Hahmann mit Entwurf des Rennbahnparks © Stadt Frankfurt am Main, Foto: Salome Roessler

Frau Gonsior-Hahmann, nach mehrjähriger Planung und einjähriger Bauzeit eröffnet am Wochenende der Rennbahnpark. Wie sehr ist in die Planung die Erfahrung der vergangenen drei Hitzesommer eingeflossen?

SUSANNE GONSIOR-HAHMANN: Der Klimawandel ist bei uns im Grünflächenamt ein großes Thema. Wir berücksichtigen den Aspekt ökologischer Nachhaltigkeit daher bei jeder Anlage, die wir gestalten. Nicht nur die Hitze ist ein Problem, auch bei Starkregen-Ereignissen muss das Wasser ja aufgefangen werden. Im Rennbahnpark haben wir daher nur an den allernötigsten Stellen wie der Calesthenics-Anlage und dem Bolzplatz Flächen versiegelt. Zudem wurden 250 neue Bäume von der Frankfurter Baumliste gepflanzt. Dabei handelt es sich um besonders hitzeresistente Bäume wie die Immergrüne Steineiche. Da der Park im Landschaftsschutzgebiet liegt, wurden auch viele einheimische Arten angepflanzt. Bei der Bewässerung ist das zunächst fraglos ein Spagat, denn neue Bäume müssen mindestens fünf Jahre bewässert werden, damit sie gedeihen. Wir haben daher im Park auch einen neuen Grundwasserbrunnen errichtet, um die Bewässerung vor Ort zu gewährleisten.

 

Was zeichnet den Rennbahnpark aus Ihrer Sicht besonders aus und verleiht ihm ein Alleinstellungsmerkmal?

GONSIOR-HAHMANN: Zum einen haben wir aus einem sehr besonderen Bestand, einer ehemaligen Galopprennbahn mit Golfplatz in der Mitte, gebaut. Wir wollten die Geschichte des Areals mit seinen Hügeln und Sandbunkern erhalten. Daher sind auch die Spielgeräte des Spielplatzes in Pferdeform gehalten und der Rundweg folgt der ehemaligen Rennstrecke. Zum anderen ist dieser neun Hektar große Park, an den sich weitere neun Hektar Bannwald anschließen, schon recht groß. 2015, als dem damaligen Rennclub gekündigt wurde, waren wir uns schnell einig, dass wir eine umfangreiche Bürgerbeteiligung wollen.

 

Wie gut ließen sich die Wünsche aus der Bevölkerung und des zuständigen Ortsbeirates 5 in die Planungen integrieren?

GONSIOR-HAHMANN: Durch die Bürgerbeteiligung haben sich die Themen Natur und Landschaft, Erholung und Freizeit, Infrastruktur und Wegeverbindungen als zentrale Punkte herauskristallisiert. Auch Wünsche wie der Erhalt des Teichs als Teil des alten Golfplatzes und des Skyline-Panoramas stammen aus der Bevölkerung. Unser Ziel war es, ein Naturerlebnis mitten in der Stadt zu ermöglichen. So ist bewusst kein zweiter Hafenpark entstanden, der ja auch etwas kleiner ist. Der Rennbahnpark ist weniger urban und bietet mehr Raum für Natur, Erholung und Spaziergänge. Im Frühjahr werden in der Mitte des Geländes Schafe auf den Sandmagerrasen-Flächen grasen. Wegen des heißen Sommers hat sich die Schafsbeweidung in diesem Jahr nicht gelohnt. Daher wird der Rasen zur Einweihung auch nicht so grün sein, wie wir uns das gewünscht hätten. Wir wollten aus ökologischen Gesichtspunkten das Gelände aber nicht extra wässern.

 

Würden Sie den Rennbahnpark als den modernsten Park der Stadt bezeichnen?

GONSIOR-HAHMANN: Modern vielleicht im Sinne der ökologischen Nachhaltigkeit mit viel naturnahem Raum und Platz für wildes Pflanzenwachstum. Wenn die Menschen einzelne Wege nicht so stark belaufen, werden diese wieder grün. Das wollten wir bewusst zulassen. Im zentralen Areal des Parks dominiert zudem der ökologisch wertvolle Sandmagerrasen. Pflanzen wie die Sandgrasnelke stehen auf der roten Liste. Den inneren Bereich, wo früher der Golfplatz war, kann man zwar betreten. Doch die Attraktivität der Flächen soll die Besucherströme zu jenen Flächen steuern, die für längeres Verweilen gedacht sind. Dafür haben wir vorgelagerte Wiesen in Nähe des Spielplatzes und der Sportanlagen geschaffen. Die Beschaffenheit des Bodens ist vergleichbar mit den Schwanheimer Dünen, von wo wir auch Spendermaterial wie Strand-Grasnelken und Sand-Thymian bezogen haben, um die Artenvielfalt zu erhöhen. Ich fand das schon immer eine interessante Fläche: Seit 2015, als der Golfplatz den Betrieb eingestellt hat, hat sich die Natur dort sehr frei entwickelt. An dieser Entwicklung wollten wir planerisch ansetzen.

Der 3,8 Hektar große Hafenpark ist binnen kürzester Zeit zu einem wahren Publikumsmagneten avanciert. Wie stehen die Chancen, dass der Rennbahnpark ähnlich rasch angenommen wird?

GONSIOR-HAHMANN: Für Niederrad und Sachsenhausen ist das sicher ein sehr schöner und ruhiger Stadtteilpark. Aber wir können schwer einschätzen, wie stark der Park von Besuchern außerhalb des Quartiers frequentiert wird. Zudem befindet sich mit dem Waldspielpark Louisa, dem Elli-Lucht-Park oder auch dem Carl-von-Weinberg-Park namhafte Konkurrenz in der Nähe.

 

Auf dem ehemaligen Gelände der Rennbahn in direkter Nähe des Bannwaldes eine rund neun Hektar große Grünfläche mit Skylineblick zu revitalisieren klingt nach einem spannenden Projekt. Was waren aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen?

GONSIOR-HAHMANN: Herausfordernd war vor allem der Zeitfaktor. Ursprünglich sollte der Park schon viel eher fertig sein. Nach der Bürgerbeteiligung mussten wir aber wegen des anhaltenden Rechtsstreits mit dem Rennbahn-Pächter die Planung unterbrechen. So haben die Arbeiten erst 2019 wieder Fahrt aufgenommen. Dennoch hatten wir den Anspruch, zeitgleich mit dem DFB zu eröffnen. Das war schon ein sportliches Projekt vom Entwurf bis zur Ausführung.

Gab es Probleme oder Überraschungen bei den eigentlichen Arbeiten?

GONSIOR-HAHMANN: Die Baustellenabwicklung vor Ort war etwas fordernd, weil wir die vorhandene Natur schonen wollten. Wir haben mit einem sehr guten Projektpartner zusammengearbeitet und waren stets in engem Kontakt mit der Unteren Naturschutzbehörde. Die Andienung der Baustelle ließ sich im Bereich der einstigen Stallungen gut abwickeln. Auch beim Materialeinkauf hatten wir Glück, weil wir die Stahl-Elemente noch vor der großen Preissteigerung bestellt haben. So sind wir mit unserem Budget von 5,4 Millionen Euro ausgekommen und derzeit es sieht so aus, als würden wir im Kostenrahmen bleiben und eine Punktlandung hinlegen.  


Die Akzeptanz jedes öffentlichen Platzes hängt maßgeblich von der Verfügbarkeit öffentlich zugänglicher Toiletten ab. Wie ist die Lage im Rennbahnpark?

GONSIOR-HAHMANN: Wir haben dieses Thema natürlich auch auf dem Schirm. Langfristig soll in einem der alten Ställe eine Toiletten-Anlage einziehen. Bis dahin werden wir mit mobilen Anlagen arbeiten. Ein Neubau auf dem Gelände verbietet sich aus Gründen des Naturschutzes.


Wird es auch, ähnlich wie im Waldspielpark Louisa, ein Kiosk oder ein sonstiges gastronomisches Angebot geben oder müssen die Besucher ihre Verpflegung selbst mitbringen?


GONSIOR-HAHMANN: Es gibt ja bereits einen kleinen Kiosk an der Straßenbahnhaltestelle um die Ecke. Ein richtiges gastronomisches Angebot ist einfach schwierig an solch einem Ort zu etablieren, da die Nachfrage sehr saisonal ist. Eines der Gebäude an der Rennbahnstraße soll allerdings noch abgerissen werden. Dort planen wir eine Fläche für zwei Food-Trucks ein.

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