Schreiben gegen das Vergessen

Schreiben gegen das Vergessen

header image

Aktuelle Meldungen

Wie erinnern wir uns morgen

Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker unterstützt „Schreiben gegen das Vergessen“

„Die schreckliche Zahl von 6 Millionen ermordeten Jüdinnen und Juden ist kaum zu vermitteln. Es handelt sich nicht um einmal 6 Millionen, sondern um 6 Millionen einzelne Schicksale. Über 30.000 Jüdinnen und Juden waren in der Zeit vor dem Holocaust Bürgerinnen und Bürger Frankfurts. 11.908 von ihnen sind ermordet worden. Nach der Shoa blieben weniger als 200 Jüdinnen und Juden in unserer Stadt übrig. Auch unsere Stadt, deren positive Entwicklung über die Geschichte Frankfurts hinweg in so hohem Maße von dem Wirken jüdischer Familien geprägt wurde, ist an ihren jüdischen Bürgerinnen und Bürgern schuldig geworden. Frankfurt am Main hat in der Zeit des dunkelsten Kapitels unserer Stadt die eigene Identität verraten und war aktiver Teil bei der Entrechtung, Vertreibung und Ermordung vieler jüdischer Frankfurterinnen und Frankfurter. An sie alle denken wir, ihnen wollen wir auch die Anteilname und Respekt zollen, den sie verdient haben“, sagt Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker.

Bei der Aktion Schreiben gegen das Vergessen, die die Frankfurter Künstlerin Margarete Rabow initiiert hat, werden alle Namen der ermordeten Frankfurter Jüdinnen und Juden mit Kreide am Mainkai auf die Straße geschrieben. Aufgrund der Wetterverhältnisse musste die Aktion heute ins Haus am Dom verlegt werden.

Margarete Rabow: „Uns beschäftigen die Fragen, wie Gedenken aussehen soll oder könnte, wenn bald alle Zeitzeugen verstorben sind. Unser Gedenkprojekt soll so viele Menschen wie nur möglich erreichen und sie binden, um das Ausmaß der nationalsozialistischen Verbrechen sichtbar machen. Dabei lassen wir uns auch nicht vom Wetter beeindrucken, sondern verlegen unsere Aktion und machen weiter.“

© Stadt Frankfurt am Main
Alle aufgeschriebenen Namen werden mit einer analogen 16 mm Filmkamera aufgenommen. 24 Namen pro Sekunde ergeben dann den Film mit dem Titel „11.908“. Die Premiere von „11.908“ und der Dokumentation zum Film ist für den Jahrestag des Novemberpogroms von 1938, am 9. November 2020 oder zu Jom haSchoah 2021 im Mal Seh´n Kino Frankfurt vorgesehen. Nachfolgend wird es einige Schulvorstellungen im Kino geben.

„Die Aktion Schreiben gegen das Vergessen rüttelt wach und zeigt auf, was es bedeutet so viele Menschen im industriellen Massenmord des Nationalsozialismus umgebracht zu haben“, sagt Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker abschließend. „Sie schafft in einer Zeit, in der die Zeitzeugen weniger werden, gleichzeitig aber auch der Antisemitismus wieder wächst, einen Zugang um die unvorstellbaren Verbrechen des Nationalsozialismus zu vermitteln, um zu mahnen und dafür einzustehen, dass sich vergleichbares Unrecht und Verbrechen nie wiederholen darf.“

Am Sonntag findet auch im Haus am Dom die Abschlussveranstaltung statt, um gemeinsam im Podiumsgespräch zurückblicken. Es werden Bürgermeister Uwe Becker, Dr. Werner Hanak vom Jüdischen Museum Frankfurt, Dr. Kurt Grünberg vom Sigmund Freud Institut Frankfurt und die Künstlerin Margarete Rabow teilnehmen. Die Verantsaltung wird auch online übertragen.