Hass, Rassismus und Antisemitismus haben schon einmal unsere Stadt zerstört

Hass, Rassismus und Antisemitismus haben schon einmal unsere Stadt zerstört

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Hass, Rassismus und Antisemitismus haben schon einmal unsere Stadt zerstört

© Stadt Frankfurt am Main

Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker erinnert an die Zerstörung der Altstadt 1944

„Am 22. März 1944 haben viele Frankfurterinnen und Frankfurter den Tod gefunden. Ihrer gedenken wir in der kommenden Woche. Dieser 22. März steht jedoch nicht für sich alleine, sondern im Kontext von unfassbarem Leid, das in der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges über viele Millionen Menschen in Frankfurt, Deutschland, Europa und der Welt gebracht worden ist“, sagt Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker. „Deshalb sind im Gedenken an die Opfer des 22. März 1944 und der Bombennächte davor und danach auch all jene Menschen eingeschlossen, die in den Jahren zuvor und den Monaten danach unermessliches Leid und Tod ertragen mussten. Jedes einzelne Schicksal, jedes erfahrene Leid, jedes einzelne Opfer möchten wir in unser Gedenken aufnehmen. Dies ist auch die Verantwortung unserer Gesellschaft gegenüber jeder einzelnen Frankfurterin und jedem einzelnen Frankfurter, die Opfer geworden sind.“

„Wenn wir der Bombenopfer gedenken, erinnern wir auch an die entrechteten und ermordeten Frankfurter Jüdinnen und Juden und an all jene Menschen, die aus rassistisch motivierten, politischen und weltanschaulichen Gründen umgebracht wurden, weil ihr Leben als unwert betrachtet wurde oder weil sie den Mut hatten, sich gegen das Terror-System des Nationalsozialismus zu stellen. Hass, Rassismus und Antisemitismus haben schon einmal unsere Stadt zerstört, bereits vor dem 22. März 1944, nicht von außen, sondern von innen. Wenn wir heute wieder zunehmend Hass, Antisemitismus, Xenophobie und Homophobie  auf unseren Straßen und Plätzen sehen, sollten wir uns vor Augen führen, wohin dies unser Frankfurt schon einmal geführt hat, nämlich in die dunkelsten Jahre unserer Stadt“, führte Bürgermeister Uwe Becker weiter aus.

Innerhalb kurzer Zeit stand beim sogenannte Tausend-Bomber-Angriff am 22. März 1944 die Frankfurter Altstadt in Flammen und die Stadt veränderte sich für immer. Über 1.000 Frankfurterinnen und Frankfurter starben, Tausende wurden verletzt und über 100.000 obdachlos. Schon zwei Tage zuvor, am 18. März, war ein anderer Großangriff auf Frankfurt erfolgt, bei dem über 400 Menschen den Tod fanden.

Mit dem ökumenischen Gottesdienst wird an die Geschehnisse vor 77 Jahren erinnert. Zugleich ist der Gottesdienst auch ein Zeichen gegen Hass und Verblendung. „Dem Krieg geht die Gewalt, geht die gewalttätige Sprache, geht das Wort voraus. Und deshalb sollte ein jedes Wort, das dem anderen gegenüber gebraucht wird, stets in Güte und Verantwortung bedacht sein“, betont Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker. „Heute ist Frankfurt die internationalste Stadt Deutschlands. Menschen aus über 170 Nationen und Anhänger der verschiedensten Glaubensrichtungen leben friedlich zusammen. In unserer Stadt ist kein Platz für Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung jeglicher Art. Alle Bürgerinnen und Bürger sollen sich in unserer Stadt wohl und sicher fühlen und ihre persönlichen Lebensentwürfe gestalten können. Der wahre Reichtum unserer Stadt ist heute ihre Buntheit und Vielfalt. Diese wollen wir gegen Angriffe schützen und unsere Gesellschaft zusammenhalten“, so Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker abschließend.

In der Katharinenkirche an der Hauptwache wird am Montag, 22. März 2021, ab 21 Uhr der Opfer und der Altstadtzerstörung gedacht. Ursula Schoen, Prodekanin des Evangelischen Stadtdekanats Frankfurt und Offenbach und der katholische Stadtdekan Johannes zu Eltz werden gemeinsam den Gottesdienst gestalten.