Nach Greensill-Pleite nicht Einlagensicherung reduzieren, sondern Prüfung und Risikomanagement schärfen

Nach Greensill-Pleite nicht Einlagensicherung reduzieren, sondern Prüfung und Risikomanagement schärfen

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Nach Greensill-Pleite nicht Einlagensicherung reduzieren, sondern Prüfung und Risikomanagement schärfen

© www.stefaniekoeling.de, Foto: Stefanie Koeling

„Wenn nach der Greensill-Pleite im Bankenbereich eine weitere Reduzierung der Einlagensicherung überlegt wird, dann springt man zu kurz und überträgt eigene Aufgaben auf die Schultern von Kommunen, privaten Haushalten und Sparern. Es braucht eine Schärfung von Prüfung und Risikomanagement und ein Ampel- und Frühwarnsystem, das Risiken stärker abbildet und früher Alarm schlägt“, so äußerte sich heute Stadtkämmerer Uwe Becker nach dem 22. Bankentag des Bundesverbandes deutscher Banken e. V. zu Beginn dieser Woche.

„Auch wenn wir selbst als Stadt Frankfurt am Main keine Anlagen bei der Greensill-Bank getätigt haben, dürfen die Lehren aus der aktuellen Pleite nicht auf private Haushalte und Sparer in unserem Land abgewälzt werden. Und Kommunen, die seit 2017 von der Einlagensicherung ausgeschlossen sind, wird es bei künftigen Anlagen nicht helfen, wenn der Blick im Privatbankenbereich auf eine weitere Reduzierung der Einlagensicherung gerichtet wird und nicht zuvorderst auf eine Optimierung oder Erweiterung vorhandener Instrumente“, erklärte Stadtkämmerer Uwe Becker zu den Überlegungen im Bankenverband, ggf. Umfang oder Höhe der Einlagensicherung weiter zu begrenzen.
„Wenn man im Privatbankenbereich möchte, dass Kommunen dort auch weiterhin mögliche Überschüsse anlegen, dann wird dies nur bei einer engagierten Aufarbeitung der Greensill-Pleite, einer Analyse der eigenen Prüfungsarbeit seitens des Prüfungsverbandes der Deutschen Banken sowie des eigenen Risikomanagements gehen. Die gewachsenen Möglichkeiten der Digitalisierung könnten hier für zusätzliche Transparenz und Aktualität von notwendigen Informationen sorgen. Hier müssen die Privatbanken ein eigenes Interesse haben“, betonte Stadtkämmerer Uwe Becker.

„Denn gerade nach den Erfahrungen von 2008/2009 und dem Wegfall der Einlagensicherung legen wir mögliche kurzfristige Überschüsse dort an, wo wir die größte Sicherheit sehen und dies sind zuvorderst die Sparkassen oder Genossenschaftsbanken. Ohne diese Säulen unserer Kreditwirtschaft hätten wir weder die damalige Wirtschafts- und Finanzkrise gemeistert noch eine Perspektive als Kommunen für den sicheren Umgang mit unseren Mitteln bis heute erhalten. Gleiches gilt auch für die Stabilität unseres Mittelstandes im Land. Es liegt an den Privatbanken selbst, ob sie hier weiter im Geschäft bleiben wollen, denn ansonsten fühlen wir uns dort gut aufgehoben, wo Kommunen und auch der Mittelstand in unserem Land über Krisen hinweg gute Erfahrungen im partnerschaftlichen Umgang gemacht haben“, so Stadtkämmerer Becker weiter.

„Seit den Erfahrungen von 2008/2009 haben wir als Stadt Frankfurt unsere Anlagestrategie noch konservativer als zuvor aufgestellt und bis ins vergangenen Jahr hinein auch unsere Richtlinien weiter verschärft. Gerade auch nach dem Wegfall der Einlagensicherung für Kommunen gilt dreifache Vorsicht. Im Vordergrund steht die Sicherung des Geldes, dann die Sicherheit des Ertrages und erst zuletzt die Rendite.“, so Becker abschließend.