KA 38 vom 23.10.2008 Installation von Wasserspendern an öffentlichen Standorten in Frankfurt a. M.

KA 38 vom 23.10.2008 Installation von Wasserspendern an öffentlichen Standorten in Frankfurt a. M.

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KAV 2008 Anregungen und Anfragen

KA 38 vom 23.10.2008 Installation von Wasserspendern an öffentlichen Standorten in Frankfurt a. M.

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© Stadt Frankfurt Main

Frankfurt a.M., 23.10.2008

Anfrage an den Magistrat der Stadt Frankfurt am Main

 

Gemäß dem Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) der 30. öffentlichen ordentlichen Plenarsitzung vom 20.10.2008 wir der Magistrat gebeten, zu veranlassen:

 

Begründung:

Frankfurt am Main ist ein beliebtes Ziel für Urlauber aus aller Welt. Als internationale Metropole sollte Frankfurt auch Touristen/Innen und deren Kindern (und nicht nur ihnen) die Gelegenheit geben, sich kostenlos mit Trinkwasser zu versorgen.

 

Am öffentlichen Plätzen wie z. B. dem Hauptbahnhof, auf dem Römerberg, in dem Bereich am Zoo, auf der Zeil, an dem Mainufer entlang, am Palmengarten, den Fußgänger Zonen der einzelnen Stadtteile und auf der Freßgasse, wäre ein solcher Wasserbrunnen ein „Refrigerium“ für alle, insbesondere an heißen Tagen.

 

Ein Foto von einer Zapfsäule aus der vorbildlichen Hansestadt Hamburg ist hier zu sehen.

 

Abbildung zur KA 38 vom 23_10_2008
Abbildung zur KA 38 vom 23_10_2008 © Stadt Frankfurt am Main, Foto: Keine Angabe

 

gez.Enis Gülegen

(Vorsitzender der KAV)

Stellungnahme des Dez. IV – Planung und Wirtschaft

Amt/Betrieb: 61 - Stadtplanungsamt -

Frankfurt a. M., 04.03.2009

 

Der Magistrat hat die nachstehende Stellungnahme am 20.03.2009 zur Kenntnis genommen.

 

Eine öffentlich zugängliche und kostenlose Versorgung mit Trinkwasser aus Wasserspendern auf öffentlichen Flächen der Innenstadt ist sehr sorgfältig zu prüfen.

 

1. Als Standort kommen nur Plätze und Straßenflächen in Betracht, nicht aber Grünflächen, da entweder eine Trinkwasseranschlussleitung zu verlegen ist (Trassennähe und Revisionszugänglichkeit erforderlich) oder ein regelmäßiger Andienungsverkehr für die Lieferung von Kanistern möglich sein müsste. In jedem Fall fällt Andienungsverkehr für die Wartung und Reinigung an.

 

2. Beide Arten von Wasserspendern (Trinkwasserleitung und mobiles Wasserreservoir) benötigen eine begehbare Umhausung/ Verkleidung, so dass optisch auffällige Anlagen im öffentlichen Raum platziert werden müssen. Dies widerspricht den Bestrebungen der Stadt, den knappen öffentlichen Raum übersichtlicher und optisch ansprechender zu gestalten, von unnötigen Einbauten zu befreien und die Bewegungs- und Barrierefreiheit zu verbessern.

 

3. Sowohl Zapfstellen an Wassertanks/ -kanistern wie auch Zapfstellen mit Anschluss an die Trinkwasserleitung müssen im Winter wegen der Frostgefahr und mangelnder Nachfrage nach Trinkwasser im Außenbereich geleert oder demontiert werden (Saisonbetrieb). Niedrige bzw. winterliche Temperaturen herrschen in Deutschland zwischen Oktober und April, also mehr als die Hälfte des Jahres. In den Übergangszeiten (Frühjahr und Herbst) ist von einer niedrigeren Frequentierungsrate auszugehen, so dass eine häufige Reinigung und Durchspülung wegen der Verkeimungsgefahr erforderlich ist.

 

4. Auch die Brunnen im öffentlichen Raum in Frankfurt sind in der Regel im Winter stillgelegt. Im Sommer werden sie nicht als „Dauerläufer“ aus dem Trinkwasserversorgungsnetz gespeist, sondern in einem Kreislaufsystem aus einem Reservoir in der Brunnenkammer. Dieses Wasser ist gemäß den Vorschriften der Trinkwasserverordnung kein Trinkwasser. Ein Brunnen herkömmlicher Konstruktion ist daher als Wasserspender im Sinne der Anfrage nicht geeignet.

 

5. Wasserspender mit Anschluss an Wassertanks bzw. Wasserkanister müssten in der Betriebs-Saison täglich ggf. sogar mehrfach gewartet und befüllt werden. Darüber hinaus müssten sie an schattigen Orten platziert werden wegen der Wassertemperatur und der möglichen Verkeimung. Dann aber wäre davon auszugehen, dass zu viel ausgelaufenes Wasser nur langsam abtrocknet. Eine solche Art von Wasserspendern kommt aus diesen Gründen nicht in Frage.

 

6. Wasserspender mit Anschluss an die Trinkwasserversorgungsleitung sind ebenfalls aus hygienischen Gründen problematisch. Bei Leitungen, aus denen nicht regelmäßig und in relativ kurzen Abständen Wasser entnommen wird, besteht die Gefahr einer Verkeimung und bakteriellen Befalls und damit einer Gesundheitsgefährdung. Solche Leitungen müssten während der Betriebs-Saison (Mai bis September) - insbesondere in weniger heißen Perioden mit geringerer Nachfrage - regelmäßig durchgespült und desinfiziert werden, was mit erheblichem Aufwand verbunden ist. Im Winter müssten sie stillgelegt bzw. demontiert werden (s. o.). Aus diesen Gründen gibt es im öffentlichen Raum in Frankfurt derzeit keine leitungsgebundene Wasserversorgung für Marktereignisse oder Veranstaltungen (im Gegensatz zur Elektroversorgung, die auf vielen Veranstaltungsflächen vorgehalten wird). Marktbetreiber bringen in der Regel ihr Trinkwasser in Kanistern mit. Weitere Hygiene-Probleme gäbe es bezüglich eines Mundstücks bzw. Wasserhahns, bei welchem ein direkter Kontakt mit Mundschleimhaut und/oder Speichel der Nutzer nicht ausgeschlossen werden könnte (Infektionsweg).

Es wäre daher eine berührungsfreie Installation des eigentlichen Wasserspeiers erforderlich (mechanische oder optisch-elektronische Auslösung des Wasserstrahls durch Lichtschranke oder Sensor), d.h. aufwendige Technik. Wasserspender aus der Trinkwasserversorgungsleitung gab es bereits in den 50er Jahren im Stadtgebiet, insbesondere in Schwimmbädern. Sie wurden aus hygienischen Gründen demontiert. Die Betriebskosten liegen nach Auskunft desHamburger Wasserversorgers „HamburgWasser“ dort bei etwa 50.000 Euro pro Säule und Jahr (incl. Laborkosten für die erforderlichen Wasserqualitätsuntersuchungen, Wartung, Stördienst, Vandalismusschäden).

 

7. Trinkwasserspender im öffentlichen Raum könnten daher nur dann installiert und betrieben werden, wenn ein fachlich geeigneter Betreiber bereit wäre, den erheblichen personellen und Kostenaufwand zu übernehmen und die Hygienestandards zu gewährleisten. Idealerweise wäre das der lokale Wasserversorger wie in Hamburg. Dort werden im öffentlichen Raum sechs solcher Wasserspender als Marketing-Maßnahme der „HamburgWasser“ betrieben. Der hiesige Wasserversorger Mainova hat allerdings in Bezug auf Einrichtung und Betrieb öffentlicher Wasserspender keine Bereitschaft gezeigt. Städtische Ämter, die bezüglich der Wasserversorgung selbst nur Kunden sind, können die Installation und den Betrieb von Wasserspendern im öffentlichen Raum nicht verantwortlich übernehmen.

 

Zusammenfassend ist festzustellen: Trinkwasserspender im öffentlichen Raumwären durch Anschluss an das leitungsgebundene Trinkwasserversorgungsnetzherstellbar. Sie wären aber wegen der Nutzung im Saisonbetrieb (Sommer) und der Verkeimungsgefahr bei geringerer Frequentierung nur mit erheblichem Wartungs- und Kostenaufwand betreibbar; die Unterhaltungskosten liegen nach den Erfahrungen von „HamburgWasser“ bei jährlich etwa 50.000 Euro pro Spender. Auch der technische Aufwand bei der Erst-Einrichtung unter Beachtung der Hygiene- und sonstigen Sicherheitsanforderungen wäre erheblich. Als Betreiber käme vorrangig das lokale Wasserversorgungsunternehmen in Frage, wenn es bereit wäre, diese Maßnahme in sein Marketingkonzept und sein Haushaltsbudget aufzunehmen. Dies ist nicht der Fall. Darüber hinaus widerspricht die Aufstellung zusätzlicher großer begehbarer Säulen auf öffentlichen Gehweg- und Platzflächen den Bestrebungen der Stadt, die Innenstadt zu entrümpeln und barrierefreier zu machen und ansprechend zu gestalten. Die Anfrage der Kommunalen Ausländerinnen- und Ausländervertretung kann daher leider nur negativ beschieden werden.

 

gez. Edwin Schwarz

(Stadtrat)

 

Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung, 35. Sitzung vom 20.04.2009, Kenntnisnahme

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