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Wie sich Armut auf Gesundheit auswirkt

15.03.2024, 12:15 Uhr

Soziale Ungleichheit und Gesundheit“ ist das Motto des diesjährigen Tags des Gesundheitsamts

Armut hat viele Gesichter. Und sie hat Einfluss auf die Gesundheit: Das Einkommen, das Wohn- und Lebensumfeld, die Bedingungen, unter denen die Menschen arbeiten, das Bildungsniveau, die Sprachkenntnisse – all das wirkt sich auf das Wohlbefinden aus. Nach EU-Definition gilt eine Person als armutsgefährdet, wenn sie über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung verfügt.
 
Das Robert Koch-Institut (RKI) stellt den diesjährigen Tag des Gesundheitsamts am Dienstag,19. März, unter das Motto „Soziale Ungleichheit und Gesundheit“, um auf den Zusammenhang dieser beiden Faktoren aufmerksam zu machen und gleichzeitig die Rolle der Gesundheitsämter als wichtige Akteure bei der Förderung gleichberechtigter Gesundheitschancen hervorzuheben. Mit ihren niedrigschwelligen Angeboten erreichen die Ämter auch Bevölkerungsgruppen mit niedrigem Sozialstatus und sorgen somit für Prävention, Schutz und Teilhabe.
 
Auch die Mitarbeitenden sämtlicher Abteilungen des Gesundheitsamts kommen täglich mit Armut in Kontakt. „Alle diese Abteilungen bieten vielfältige Angebote, um den Auswirkungen von Armut auf die Gesundheit der Menschen entgegenzuwirken“, sagt Sozial- und Gesundheitsdezernentin Elke Voitl. „Darüber bin ich sehr froh. Es ist für das Zusammenleben in Frankfurt wichtig, Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit zu fördern – auch im Gesundheitsbereich.“

Der Leiter des Gesundheitsamts Dr. Peter Tinnemann ergänzt: „Epidemiologische Studien bestätigen den Einfluss des sozialen Status auf Gesundheit und Lebenserwartung, daher richten wir seit jeher unser Augenmerk auf Menschen, die erschwerten Zugang zu Gesundheitsangeboten haben.“
 
So nutzt die Abteilung Hygiene und Umwelt das sozialraumbezogene Hitze-Monitoring, um negative Folgen von Hitze beispielsweise in Unterkünften, Quartieren oder auch Einrichtungen wie Kindergärten im Blick zu behalten. Die Kinder- und Jugendmedizin setzt auf Elternbildung und -integration durch die Empfehlung von passenden Elternbildungs- und Integrationsangebote bei den Einschulungsuntersuchungen. Ein Angebot für frischgebackene oder junge Eltern machen die Frühen Hilfen: In den Frankfurter Familienbildungsstätten teilen sie Informationen zu Erziehung und Gesundheit. Die Abteilung Medizinische Dienste, Beratung und Humanitäre Sprechstunden unterstützt Menschen ohne Krankenversicherung oder mit unklarem Krankenversicherungsschutz mit ihrem Angebot der Clearingstelle und den Humanitären Sprechstunden für Erwachsene und Kinder und bietet freiwillige Untersuchungen sowie Testungen auf sexuell übertragbare Krankheiten für benachteiligte Gruppen an. Die Abteilung Psychiatrie fördert Gesundheit durch Schulprojekte wie „SAME“ oder das „PsychMobil“, macht kostenfreie Angebote gegen Einsamkeit und ist für alle Frankfurterinnen und Frankfurter da, die gerade in einer Krise stecken.  Information und Prophylaxe sind die Werkzeuge, die die Abteilung Zahnmedizin nutzt, um auch von Armut betroffene Menschen in Frankfurt zu erreichen. Grundsätzlich hat jedes Frankfurter Kind zwischen 0 und 12 Jahren Anspruch auf zahnmedizinische Betreuung durch das Gesundheitsamt, in besonderen Fällen auch bis zum 16. Lebensjahr. Die Mitarbeitenden der Infektiologie besuchen Unterkünfte von Geflüchteten, Unbegleiteten Minderjährigen oder Wohnungslosen, um der Ausbreitung von Infektionskrankheiten vorzubeugen. Dort beraten sie die Menschen und impfen sie gegebenenfalls.
 
„Erst kürzlich haben wir uns bei einer Klausurtagung mit dem Thema Armut und Gesundheit auseinandergesetzt. Mit den Erkenntnissen, die wir bei der Tagung gewonnen haben, wollen wir eine strategische Ausrichtung entwickeln, wie wir als Gesundheitsamt dem Thema Armut künftig begegnen und wie sich unsere bereits bestehenden Angebote weiterentwickeln oder ausbauen lassen“, schließt Tinnemann.
 
Das RKI hat den 19. März als Ehrentag für die kommunalen Gesundheitsbehörden gewählt, weil an diesem Tag im Jahr 1745 der Arzt und Philosoph Johann Peter Frank geboren wurde. Frank gilt durch die Veröffentlichung seines Werks „System einer vollständigen medizinischen Polizey“ als Begründer der öffentlichen Gesundheitsdienste. Er machte sich dafür stark, die Bevölkerung durch die staatliche Bereitstellung angemessener Wohn- und Arbeitsverhältnisse und die Aufbereitung von Trinkwasser vor Infektionskrankheiten zu bewahren.


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