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Kulturdezernentin rät zur Versachlichung in der Bühnen-Diskussion

15.09.2020, 17:00 Uhr

Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig rät in der aktuellen Debatte um die Zukunft der Städtischen Bühnen zu einer Versachlichung der Diskussion. „Die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung hat sich Anfang dieses Jahres für eine Neubaulösung von Oper und Schauspiel und damit gegen eine Sanierung der Theaterdoppelanlage am Willy-Brandt-Platz entschieden. Mit Beschluss vom 3. September haben sich die Stadtverordneten nun auch gegen eine bauliche oder konzeptionelle Rekonstruktion des Schauspielhauses von 1902 ausgesprochen.

Die bestehende Beschlusslage ist das Ergebnis eines komplexen, demokratischen Prozesses, der durch umfangreiche Prüfungsverfahren, umfassende Untersuchungen der vorhandenen Bausubstanz und öffentliche Diskussionsveranstaltungen sowie eine intensive politische Debatte begleitet worden ist und nach wie vor wird. Der Vorschlag einer Rekonstruktion des Schauspielhauses hat hierbei – unter anderem aus den folgenden Gründen – keine Mehrheit gefunden: Auch für das Schauspiel gilt es, einen nachhaltigen, zukunftsfähigen Spielbetrieb zu garantieren. Die damit verbundenen Anforderungen wie beispielsweise der Platzbedarf oder die Bühnentechnik sind mit den vor über 100 Jahren gängigen Theaterstandards nicht vereinbar. Gleiches gilt für die Publikumsbereiche: Zeitgemäße Bühnenbauten – zum Beispiel das Schauspiel Kopenhagen – geben dem angrenzenden Stadtraum, etwa über offene Foyers und allgemein zugängliche Erdgeschossbereiche öffentlichen Raum zurück.“

Weiter stellt die Dezernentin klar, dass von dem ursprünglichen Seeling-Bau laut den Untersuchungsergebnissen der Stabsstelle Zukunft der Städtischen Bühnen überhaupt nur noch rund 25 Prozent der Rohbausubstanz vorhanden sind, dabei handelt es sich vornehmlich um die Fundamente und tragende Wände der unteren Geschosse. Der Erhalt der originalen Baudekoration, also der schmückenden Elemente des Gebäudes, liegt nach umfangreichen Untersuchungen bei weniger als zehn Prozent, da das Gebäude im Krieg teilweise zerstört wurde, und Anfang der 60er Jahre große Teile der Fassade anlässlich der Erweiterung abgerissen wurden. Auch innenliegende Räume wurde in dieser Zeit verändert. Im Falle einer Rekonstruktion müsste das Gebäude aus der Kaiserzeit folglich nahezu komplett neu nachgebaut werden, ohne dass die heutigen Anforderungen des Schauspiels auch nur annähernd abgebildet würden. Aus diesen guten Gründen hat sich die Stadtverordnetenversammlung gegen eine Rekonstruktion entschieden.
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