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Zum Yom HaShoah setzt Frankfurt ein klares Zeichen gegen Antisemitismus

07.04.2021, 11:59 Uhr

Bürgermeister und Stadtkämmerer Uwe Becker
Bürgermeister und Stadtkämmerer Uwe Becker © www.stefaniekoesling.de , Foto: Stefanie Kösling

Stadt übernimmt IHRA-Definition offiziell in ihr Handeln

 „Wir unterstreichen unser Engagement für jüdisches Leben und gegen jede Form des Antisemitismus und übernehmen zum Internationalen Holocaust-Gedenktag, dem Yom HaShoah, die Arbeitsdefinition Antisemitismus der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) ganz offiziell in unser städtisches Handeln“, erklärte Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker am Mittwoch, 7. April.

Auf Antrag Beckers hat der Magistrat die IHRA-Definition offiziell angenommen, um noch gezielter und effektiver gegen die verschiedenen Formen des Antisemitismus in Frankfurt am Main vorgehen zu können.

„Dies ist ein wichtiges Signal und eine starke Selbstverpflichtung. Unsere Stadt fühlt sich gerade auch aufgrund ihrer großen jüdischen Tradition in besonderem Maße den hier lebenden Jüdinnen und Juden verbunden. Jüdisches Leben war, ist und wird immer ein wichtiger Teil der Identität des gesellschaftlichen Lebens von Frankfurt sein. Leider sehen wir jedoch auch in unserem Land, dass rund 76 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz der Antisemitismus zunimmt und zunehmend das gesellschaftliche Klima vergiftet. Wir alle müssen uns für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus in unserer Stadt engagieren, denn er ist das Gift, das den gesellschaftlichen Zusammenhalt zerstört“, erklärte Bürgermeister Becker.

„Die IHRA-Definition schafft einen Rahmen, der überall auf der Welt den Menschen als Kompass im Umgang mit Antisemitismus dient und Judenhass in seiner gesamten Breite umschließt. Judenfeindlichkeit traut sich leider zunehmend aus den Hinterzimmern unserer Gesellschaft wieder offen in die Mitte unserer Gesellschaft, wo genau jene Mitte Gefahr läuft, durch eine gefährliche Gewöhnung an mehr oder weniger subtile Formen antisemitischer Stereotype dabei zuzusehen, wie sich die gesellschaftlichen Grenzlinien verschieben. Wenn eine Partei Einzug in den Bundestag nimmt, die offen für eine Wende in der Erinnerungskultur um 180 Grad eintritt, wenn Preise an Künstler verliehen werden, die mit antisemitischen Stereotypen Rekordverkaufszahlen erreichen, wenn der Begriff ,Jude‘ wieder als Schimpfwort gebraucht wird, dann bedarf es nicht jener noch schlimmeren Angriffe auf Jüdinnen und Juden, um festzustellen, dass wir nicht mehr darüber sprechen müssen, wie wir den Anfängen wehren, sondern wie wir dem sich ausbreitenden Antisemitismus entschiedener entgegentreten. Und dies ist eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft, denn Antisemitismus betrifft nicht alleine oder zuvorderst die Jüdische Gemeinschaft, er betrifft die gesamte Gesellschaft, weil er das Gift ist, welches das Fundament des gesellschaftlichen Miteinanders zerstört. Deshalb muss das Engagement gegen Judenfeindlichkeit auch zuvorderst von jenen kommen, die nicht ohnehin selbst Opfer oder Ziel von Antisemitismus sind. Die Buntheit und Vielfalt des Antisemitismus reicht heute vom rechtsradikalen Mob über den intellektuell verpackten Antizionismus, der den Umweg über die sogenannte Israelkritik wählt und dennoch beim Antisemitismus ankommt, bis zum kulturell importierten Judenhass. Wenn der Antisemitismus nicht in Springerstiefeln daherkommt, erkennen ihn viele nicht, wer hinschaut, kann ihn jedoch erkennen und ist aufgefordert, zu handeln. Dies trifft auf den Staat genauso zu, wie auf Vereine, Verbände, Kirchen, Gewerkschaften und jede und jeden einzelnen“, führte Bürgermeister Becker weiter aus.

Die IHRA-Definition besitzt folgenden Wortlaut:
„Antisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort oder Tat gegen jüdische oder nichtjüdische Einzelpersonen und/oder deren Eigentum sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen oder religiöse Einrichtungen. Darüber hinaus kann auch der Staat Israel, der dabei als jüdisches Kollektiv verstanden wird, Ziel solcher Angriffe sein.“

Zum Hintergrund:
Die International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) wurde 2000 als internationale Organisation gegründet, um die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten und Holocaust-Erziehung weltweit zu fördern. Sie besteht aus 34 Mitgliedsstaaten. Die Arbeit der IHRA wird durch ein Exekutiv-Sekretariat mit Sitz in Berlin unterstützt. Der Vorsitz der IHRA wechselt jährlich; seit März 2020 hat Deutschland den Vorsitz inne. Um noch gezielter gegen die verschiedenen Formen des Antisemitismus in Hessen vorgehen zu können, hatte sich zunächst die Bundesregierung und im vergangenen Herbst auch die Hessische Landesregierung der „Arbeitsdefinition Antisemitismus“ der Internationalen Allianz für Holocaust Gedenken (IHRA) angeschlossen und diese für ihr eigenes Handeln übernommen. Der Magistrat empfiehlt die Berücksichtigung der Arbeitsdefinition insbesondere in der Schul-, Aus- und Erwachsenenbildung sowie bei der städtischen Ausbildung sowie in den Beteiligungsunternahmen der Stadt. Gleichzeitig empfiehlt der Magistrat die Berücksichtigung der Arbeitsdefinition Antisemitismus auch den in Frankfurt tätigen Verbänden, Organisationen und Vereinen in ihrer Arbeit.


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