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Pilotprojekt zur Beratung von Menschen ohne Krankenversicherung startet in Frankfurt am Main

02.02.2021, 15:00 Uhr

Immer mehr Menschen haben keine Krankenversicherung – und können nicht „einfach so“ zum Arzt gehen. Sie sollen künftig einen besseren Zugang zur medizinischen Regelversorgung bekommen. Ab Mittwoch, 3. Februar, startet die Stadt Frankfurt am Main mit der „Clearingstelle 1.0“ einem neuen Beratungsangebot für Menschen mit ungeklärtem Krankenversicherungsschutz.

Laut dem aktuellen Gesundheitsreport der Nichtregierungsorganisation „Ärzte der Welt“ ist deutschlandweit von mehreren hunderttausend Betroffenen auszugehen. Allein im Jahr 2019 entstanden den Frankfurter Krankenhäusern mehr als 1,5 Millionen Euro Kosten für die Behandlung von Menschen ohne Kostenträger (Ergebnisse einer Befragung von Frankfurter Kliniken). Angesichts der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise könnte die Zahl der Menschen, die ihren Krankenversicherungsschutz verlieren, zunehmen. Fehlende Kenntnis des Gesundheitssystems und häufig komplexe Rechtskonstellationen hindern manche Betroffene daran, ihr Anrecht auf Gesundheitsleistungen zu verwirklichen.

„Das Ziel dieses wichtigen Projektes ist es, Menschen mit ungeklärtem Krankenversicherungsstatus ins medizinische Regelsystem zu vermitteln. Dies ist ein weiterer Schritt auf dem Weg, eine angemessene Gesundheitsversorgung für alle zu erreichen“, erläutert Gesundheitsdezernent Stefan Majer. „Eine enge Zusammenarbeit der Clearingstelle 1.0 mit den medizinischen Anlaufstellen für Menschen ohne Krankenversicherung und den verschiedenen sozialen Trägern, beispielsweise in der Drogen- und Wohnungslosenhilfe, ist hier ein zentrales Element zur Lösung komplexer gesundheitlicher und sozialer Problemlagen.“

Initiiert wurde dieses Pilotprojekt vom Gesundheitsamt gemeinsam mit dem Jugend- und Sozialamt der Stadt Frankfurt. Kooperationspartner ist der Fachbereich „Soziale Arbeit und Gesundheit“ an der Frankfurt University of Applied Science. Die Hochschule stellt auch die Beraterinnen und Berater der „Clearingstelle 1.0“ – erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einem Master in Sozialrecht.

„Das Fehlen einer Krankenversicherung kann viele Gründe haben und beschäftigt uns seit langem“, sagt Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld. „In der Pandemie ist es noch einmal wichtiger, dass kein Kranker aus Angst, die Kosten nicht tragen zu können, zögert, sich untersuchen und behandeln zu lassen. Wenn es uns mit der Einrichtung dieser Beratungsstelle gelingt, die Betroffenen wieder in die Gemeinschaft der Krankenversicherten aufzunehmen, würden wir ihnen ein lebenswichtiges Stück Würde zurückgeben.“

Verantwortlich für die Projektkoordination ist das Gesundheitsamt; die Kosten trägt das Sozialamt. „Oft fehlt ein Wegweiser in medizinische Versorgungssysteme. Die Erfahrungen von Clearingstellen in anderen Bundesländern zeigen, dass viele Menschen in eine Krankenversicherung vermittelt werden können – dabei ist auch wichtig, dass die Menschen bis dahin angemessen medizinisch versorgt werden können“, erklärt Alexandra Sarah Lang, Koordinatorin Humanitäre Gesundheitsdienste.

Aufgrund des derzeitigen geltenden Kontaktbeschränkungen werden zunächst Patientinnen und Patienten der Humanitären Sprechstunden im Gesundheitsamt beraten; sobald es die Pandemiesituation zulässt, wird das Angebot auf weitere Ratsuchende ausgeweitet.

Das Projekt ist zunächst auf zwei Jahre angelegt. Geplant ist, das Beratungsangebot langfristig in Frankfurt zu etablieren. Ähnliche Clearingstellen gibt es bereits in Berlin, Hamburg, Thüringen und Nordrhein-Westfalen.
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