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Mit Kultur gegen Einsamkeit

15.03.2024, 12:10 Uhr

Gesundheitsamt zieht positive Bilanz seines Pilotprojekts Kunst gegen Einsamkeit

Kann Kunst gegen Einsamkeit helfen? Sie kann. Den Beweis liefert das Gesundheitsamt Frankfurt mit seinem Pilotprojekt „COPE – Culture On Prescription in Europe“, dessen Ergebnisse am Freitag, 15. März, bei einer Veranstaltung im Ökohaus präsentiert werden.
 
„In Deutschland sind etwa zehn bis 20 Prozent der Menschen von chronischer Einsamkeit betroffen. Die wissenschaftlichen Auswertungen von COPE belegen, wie positiv sich Kultur auf Menschen, die sich einsam fühlen, auswirken kann: Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sind die Werte von Einsamkeit gesunken, gleichzeitig ist ihr Wohlbefinden gestiegen“, sagt Sozial- und Gesundheitsdezernentin Elke Voitl. „Das ist eine ausgesprochen positive Bilanz. Ich danke den Initiatoren von ‚Kultur auf Rezept‘ sehr herzlich dafür, ein so tolles und wirkungsvolles Projekt ins Leben gerufen zu haben.“
 
Im Dezember 2022 hatte das Gesundheitsamt Menschen, die sich einsam fühlen, im Rahmen von „COPE – Culture On Prescription in Europe“ aufgerufen, sich für ein Kultur-Rezept zu bewerben. Rund 100 Interessierte meldeten sich, die Initiatoren des Projekts, Matthias Roos und Katharina Popp aus der Abteilung Psychiatrie, stellten jeweils zehn Kultur-Rezepte für einen Mal- und für einen Theaterkurs aus. Darüber hinaus verschrieben sie einmalige Termine für Gruppenführungen in Museen, für Workshops oder Besuche von Tanz- und Theateraufführungen. Bereits nach Ende der Kurse zeichnete sich eine erste positive Bilanz ab: In beiden Gruppen entwickelten sich Freundschaften, einige Teilnehmende trafen sich auch außerhalb der Kurs zum Essen oder für einen gemeinsamen Besuch des Palmengartens. Seelisches und körperliches Wohlbefinden verbesserten sich, wie eine Teilnehmerin des Malkurses beschreibt: „Für mich selbst kann ich sagen, wegen der Schmerzen durch meine Rheumatoide Arthritis, wollte ich Termine auch schon mal ausfallen lassen, gehe mit schlechter Laune zum Kurs und nach zehn Minuten geht es mir wieder gut. Alles ist vergessen! Letzten Donnerstag am Kurstag habe ich sogar bis morgens durchgeschlafen, was schon lange nicht mehr möglich war.“
 
Dass die Interessierten bei ihrer Bewerbung nachweislich einsam waren, testete Nora Hauschild, Psychologin und Kollegin von Matthias Roos und Katharina Popp. Zunächst durchliefen alle Interessenten ein kurzes Vorab-Screening und beantworteten einen Bogen mit drei Fragen zum Grad der Einsamkeit, etwa „Wie oft haben Sie das Gefühl, dass Ihnen Geselligkeit fehlt?“, und weiteren offenen Fragen. Nach dem Screening wurden rund 35 der insgesamt 100 Interessierten zu Einzelgesprächen ins Gesundheitsamt eingeladen, die jüngsten unter ihnen Ende 20, der Großteil zwischen 40 und 70 Jahre alt. Rund anderthalb Stunden nahm sich Nora Hauschild für jede Einzelne und jeden Einzelnen Zeit, um zu testen, wie es um das persönliche Einsamkeitsgefühl steht. Als Hilfsmittel diente Hauschild unter anderem die validierte deutsche Version der Loneliness Scale der University of California Los Angeles (UCLA 3). Seitens der Befragten sei die Resonanz auf die Gespräche durchweg positiv gewesen. Nach Abschluss des Kurses füllten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den UCLA 3-Fragebogen erneut aus. Die Warwick-Edinburgh Mental Wellbeing Scale und das Patient Health Questionnaire dienten als Tests, um das Wohlbefinden der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie Anzeichen von Depressionen zu ermitteln.
 
„Mit COPE wollten wir Menschen befähigen, Kontakte zu knüpfen und wieder aktiv am kulturellen Leben teilzuhaben. Denn für diejenigen, die sich einsam fühlen, kann es eine große Hürde darstellen, einen Kurs zu besuchen oder sich einer Führung im Museum anzuschließen“, erklärt Dr. Christiane Schlang, Leiterin der Abteilung Psychiatrie im Gesundheitsamt. „In diesem Zusammenhang haben wir festgestellt, wie wichtig sogenannte ‚Link Worker‘ sind. Es reicht nicht aus, den Menschen ein Kulturrezept auszustellen und sie dann im weiteren Prozess alleine zu lassen. Vielmehr gilt es, gemeinsam mit ihnen ein passgenaues Angebot bezogen auf Alter, Lebenssituation, Interessen zu finden.“
 
In Großbritannien verschreiben Ärztinnen und Ärzte bereits seit einigen Jahren soziales Miteinander. Dieses sogenannte Social Prescribing ist gut evaluiert und hat sich als wirksam erwiesen. Ob sich dieser Ansatz auch auf kulturelle Angebote in Deutschland übertragen lässt, untersuchte das Gesundheitsamt im Rahmen seines Projekts Kultur auf Rezept. „Als Gesundheitsamt arbeiten wir evidenzbasiert, also auf Basis empirisch zusammengetragener und bewerteter wissenschaftlicher Erkenntnisse. Im Rahmen von COPE versuchen wir, die Wirksamkeit unseres Angebots nachzuweisen. Ich freue mich sehr, dass sich so positive Effekte bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zeigen“, sagt Dr. Peter Tinnemann, Leiter des Gesundheitsamts. „Mit COPE konnten wir dazu beitragen, ihre seelische Gesundheit zu fördern. Und das ist wirklich ein schönes Ergebnis.“
 
„COPE – Culture On Prescription“ wurde von Matthias Roos, Psychologe im Gesundheitsamt, und dem ISIS Institut für Soziale Infrastruktur erdacht, das Projekt hat Partner in Dublin, Bukarest, Gouda, Lissabon und Brüssel. Seine Laufzeit beträgt 27 Monate (1. Januar 2022 bis 31. März 2024), es wird vom Erasmus+ Förderprogramm der Europäischen Union unterstützt. Ziel des Projekts ist es, Menschen, die unter Einsamkeit leiden, zu unterstützen und gleichzeitig zu untersuchen, inwieweit Einsamkeit und sozialer Isolation durch neu entwickelte Kunst- und Kulturprogramme entgegengewirkt werden kann. Das Gesundheitsamt Frankfurt bot zwei „Kultur auf Rezept“-Kurse an: einen Malkurs mit Andreas Hett und einen Theaterkurs mit T-Raum in Offenbach.
 
Nähere Informationen zum EU-Projekt finden sich unter frankfurt.de/copeInternal Link sowie unter culture-on-prescription.euExternal Link.

Grußbotschaft von Stadträtin Elke Voitl

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