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Klaus Theweleit erhält den Theodor-W.-Adorno-Preis 2021

14.04.2021, 12:45 Uhr

Das Kuratorium des Theodor-W.-Adorno-Preises, dem Oberbürgermeister Peter Feldmann vorsteht, hat unter Leitung der Kulturdezernentin Ina Hartwig getagt und den Schriftsteller und Kulturtheoretiker Klaus Theweleit zum Preisträger des Jahres 2021 erkoren. Die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung wird alle drei Jahre von der Stadt Frankfurt am Main zum Gedenken an den Philosophen Theodor W. Adorno vergeben und dient der Förderung und Anerkennung hervorragender Leistungen in den Bereichen Philosophie, Musik, Theater und Film. Die feierliche Übergabe des Preises findet am 11. September, dem Geburtstag Theodor W. Adornos, in der Paulskirche statt.

Das Kuratorium zeichnet mit dem 1942 in Ostpreußen geborenen Theweleit einen der bedeutendsten deutschsprachigen Literatur- und Kulturtheoretiker aus. Sein zweiteiliges Werk „Männerphantasien“ über die Körperpolitik des Faschismus erschien 1977 und gilt seitdem als Standardwerk kritischer Gesellschaftstheorie. Es folgten weitere viel beachtete Werke wie das dreibändige „Buch der Könige“ (1988 bis 1994) und „Buch der Königstöchter“ (2013). Neben der Literatur gehören Psychoanalyse, Film und Popkultur zu Theweleits produktivem Bezugssystem. Sein unorthodoxer assoziativer Stil erscheint heute aktueller und lebendiger denn je.

Das Kuratorium des Adorno-Preises begründet seine Entscheidung für Klaus Theweleit wie folgt: „Mit Klaus Theweleit ehren wir einen der einflussreichsten und zugleich originellsten Kultur- und Literaturtheoretiker. Seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts arbeitet Theweleit konsequent an Themenkomplexen, die bis in die unmittelbare Gegenwart hineinwirken. Die Verpanzerung des soldatischen Körpers als Abwehr des Weiblichen ist der Nukleus seines auch von der eigenen Generationserfahrung geprägten Denkens. Vom soldatischen Körper des Faschismus bis zum rechtsradikalen ‚weißen Terror‘ (Theweleit) unserer Tage zeichnet Theweleit Kontinuitätslinien nach. Wie Adorno überschreitet er, so spielerisch wie ernst, die Grenzen der Wissenschaft. Sein wucherndes Narrativ, das von den dunkelsten Seiten der Menschheit handelt, zielt letztlich auf einen Akt der Befreiung, die das Bekenntnis zu Kunst und Sinnlichkeit einschließt.“

Zu den ständigen Mitgliedern des Kuratoriums des Theodor-W.-Adorno-Preises 2021 gehören der Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt Peter Feldmann, Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler, die Vorsitzende des Kultur- und Freizeitausschusses Nina Teufel, die Kulturdezernentin Ina Hartwig, der geschäftsführende Direktor des Instituts für Sozialforschung Prof. Ferdinand Sutterlüty, sowie die geschäftsführende Direktorin des Sigmund-Freud-Institutes Prof. Vera King. Laut Satzung kamen in diesem Jahr der Soziologe Prof. Tilman Allert (Goethe-Universität), der Philosoph Prof. Christoph Menke (Goethe-Universität), der Schriftsteller Ulrich Peltzer und die Journalistin und Kritikerin Sonja Zekri (Süddeutsche Zeitung) hinzu. Vorherige Preisträger waren unter anderen Judith Butler (2012), Georges Didi-Huberman (2015) und Margarete von Trotta (2018). Der erste Preisträger war im Jahr 1977 der Soziologe Norbert Elias.
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