FRANKFURT.DE - DAS OFFIZIELLE STADTPORTAL

FRANKFURT.DE - DAS OFFIZIELLE STADTPORTAL

Meldungen

Ludwig Landmann-Preis für Mut und Haltung an Igor Levit verliehen

20.09.2022, 17:09 Uhr

Preisverleihung des Ludwig Landmann Preises an Igor Levit, Foto: Stefanie Koesling, Jüdisches Museum Frankfurt
Preisverleihung des Ludwig Landmann Preises an Igor Levit © Stadt Frankfurt am Main , Foto: Stefanie Koesling

Die Gesellschaft der Freunde und Förderer des Jüdischen Museums Frankfurt hat dem Pianisten Igor Levit am Montagabend, 19. September, den Ludwig Landmann-Preis für Mut und Haltung verliehen. Sie ehrte damit sein Eintreten gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus und für eine diverse Gesellschaft, in der die Würde des Einzelnen unabhängig von Herkunft und Kultur gewahrt wird.
 
Zu Beginn der Preisverleihung sprach die Staatsministerin für Kultur und Medien, Claudia Roth, ein Grußwort, in dem sie auf die Biografie von Ludwig Landmann und die Notwendigkeit des fortwährenden Einsatzes für demokratische Werte einging. Die Laudatio auf den Preisträger hielt die Autorin und Publizistin Carolin Emcke. In ihrer Rede betonte sie: „Die Demokratie braucht Menschen wie Igor Levit“. Er interveniere, „ganz gleich, was es kostet. Er stellt sich mit und ohne Musik quer zu den Anfechtungen und Anfeindungen“, sagte Emcke und würdigte Levit als „engagierten und wahrhaftigen Bürger“. Zugleich mahnte sie, dass ein Preis mit Ludwig Landmann im Namen auch immer auf das Unrecht verweisen müsse, das Landmann angetan worden sei.
 
Auch Werner D’Inka, Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Jüdischen Museums, erinnerte in seiner Begrüßungsrede daran, was der letzte demokratisch gewählte Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt vor der nationalsozialistischen Machtübernahme geleistet habe und wie er vertrieben, einsam und trostlos im Exil gestorben sei. Er betonte, dass die Gesellschaft der Freunde und Förderer mit ihrem alle zwei Jahre vergebenen Preis auch an Ludwig Landmann erinnern wolle. Denn „die Stadt Frankfurt hat nach 1945 lange gebraucht, um zu einem angemessenen Gedenken an diesen großen Oberbürgermeister und standhaften Demokraten zu finden“.
 
Igor Levit betonte in seiner kurzen Dankesrede, dass es ihn sehr berühre, an jeder Straßenecke in Deutschland auf die systematische Entrechtung, Vertreibung und Ermordung von Jüdinnen und Juden hingewiesen zu werden und betonte zugleich die Wichtigkeit von Erinnerungszeichen und -einrichtungen: „Ich werde weiterhin jeden Tag zu jeder Sekunde jede Statue, jede Gedenkstätte, jeden noch so kleinen Stolperstein, mit allem was ich habe,
befürworten, unterstützen und ehren.“ Nach seinen kurzen Dankesworten spielte er die Chaconne in d-Moll von Johann Sebastian Bach in der Klavierfassung für die linke Hand von Johannes Brahms (1877).
 
Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wurde von der Gesellschaft der Freunde und Förderer anlässlich der Wiedereröffnung des Jüdischen Museums im Jahr 2020 ins Leben gerufen. Mit ihm werden alle zwei Jahre herausragende Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich für eine offene Gesellschaft, für die Vermittlung von jüdischer Geschichte und Kultur, gegen Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit, für transkulturelle Verständigung und inter-religiösen Dialog, für respekt- und wirkungsvolle Formen der Erinnerung an den Holocaust und die Verteidigung des Existenzrechts des Staates Israel einsetzen. Erster Preisträger war der Historiker und Autor Saul Friedländer.
 
Die feierliche Preisverleihung fand im Rahmen eines Gala-Dinners statt und wurde zusätzlich live auf dem You-Tube-Kanal des Jüdischen Museums gestreamt. Auf You-TubeExternal Link ist sie bis auf weiteres zu sehen.

 

Bildunterschrift: Werner D’Inka, Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Jüdischen Museums Frankfurt, Prof. Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt, Preisträger Igor Levit, Laudatorin Carolin Emcke, Claudia Roth, Staatsministerin für Bildung und Medien sowie Prof. Wilhelm Bender, Vorsitzender des Kuratoriums der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Jüdischen Museums Frankfurt. Foto: Stefanie Kösling