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Schützt die Sommerboten: Umweltdezernentin Heilig setzt sich für Mauersegler ein

11.06.2021, 14:12 Uhr

Ein Mauersegler in der Luft; Foto: Ralph Martin
Ein Mauersegler in der Luft © AGAMI Photo Agency , Foto: Ralph Martin

Seit einigen Wochen sind die schrillen Rufe der Mauersegler wieder im Frankfurter Luftraum zu hören – und kündigen den nahenden Sommer an.

Die flinken Segler sind aus ihren Überwinterungsgebieten in Afrika zurückgekehrt, um auch hier in Frankfurt in geeigneten, hoch gelegenen Gebäudenischen während der nächsten drei Monate zu brüten und ihre Jungen, in der Regel zwei pro Paar, aufzuziehen.

Mauersegler verbringen ihr ganzes Leben im Flug – sie fressen, trinken und paaren sich in der Luft. Um auszuruhen nutzen sie die Thermik und schrauben sich auf mehrere tausend Meter hoch. In dieser Höhe lassen sie sich treiben um Energie zu sparen. Nur zum Brüten und zur Aufzucht der Jungtiere verlassen sie ihren bevorzugten Lebensraum.

Hauptabzug in Richtung Afrika ist Anfang August. Es gibt aber immer einige frühe Abflügler, die schon Mitte/Ende Juli, aber auch einige Nachzügler, die erst Mitte September ihr Brutgebiet wieder verlassen. Abhängig ist der Abflug vom Abschluss der Brut.

Zum Zeitpunkt des Abflugs sind die Jungtiere etwa 40 Gramm schwer. Da sie im Nest bereits trainieren sind sie dann kräftig genug für den Flug nach Afrika. Nach dem Ausfliegen bleiben die Jungtiere drei Jahre lang in der Luft, haben in dieser Zeit keinen festen Boden unter den Füßen. Erst nach diesen drei Jahren sind sie geschlechtsreif und brüten selbst.

Mauerseglerbrutplätze in Häusernischen und unter Dachrinnen unterliegen dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes und dürfen nicht zerstört werden. Da Mauersegler sehr heimlich und für Laien meist gar nicht erkennbar als Untermieter an den Gebäuden leben, kommt es bei Sanierungs- und Abbrucharbeiten immer wieder zur Zerstörung ihrer Nistplätze.

Daher appelliert Umweltdezernentin Rosemarie Heilig an alle Bauherren: „Jede Eigentümerin und jeder Eigentümer kann etwas für diese wunderbaren Luftakrobaten tun. Lassen Sie die Gebäude vor Umbauten von Fachleuten auf gebäudebewohnende Tierarten untersuchen. Beim Neubau sollten Nistmöglichleiten in das Gebäude integriert oder Kästen an der Aussenfassade angebracht werden. Keine Angst, der Mauersegler ist ein reinlicher Vogel, die Fassade wird nicht verschmutzt.“

Die Untere Naturschutzbehörde im Umweltamt berät Bauherren, wie Nistplätze bei Sanierungen oder Aufstockungen von Gebäuden erhalten oder ersetzt werden können. Sie ahndet aber auch Zerstörungen von Nistplätzen und spricht einen Baustopp aus, falls störende Baumaßnahmen in die Zeit des Brutgeschehens fallen.

Ein ganz besonderes Augenmerk hat die Mauerseglerinitiative mit Ingolf Grabow auf die Mauerseglerbestände. Auf der Agenda der Mauerseglerinitiative steht neben der Erfassung der Mauersegler-Nistplätze in der Stadt, vor allem der Erhalt und die Einrichtung neuer Nistplätze. Durch den unermüdlichen Einsatz der Mauerseglerinitiative Frankfurt wurden unzählige Mauersegler gerettet und weit über 1000 neue Nistplätze geschaffen.

Der Bestand der Mauersegler ist trotzdem weiter rückläufig und wird stetig kleiner. Ein Grund dafür ist der Insektenmangel. Auch die in den vergangenen Jahren hohen Temperaturen im Sommer spielen eine Rolle. Wenn es im Nest direkt unter dem Dach zu heiß wird, verlassen die Jungvögel die Nester zu früh. Infolgedessen sind zahlreiche Jungvögel gestorben.

Eine letzte Rettung kann dann die Mauersegler-Klinik in der Buchenstraße 9 in Griesheim sein. Sie wurde gegründet von der deutschen Gesellschaft für Mauersegler – und ist eine staatlich anerkannte Auffang- und Pflegestation für Mauersegler. Bis zu 70 verletzte Vögel werden dort täglich von Bürgerinnen und Bürgern gebracht, weiß Mitarbeiterin Heidi Wieduwilt zu berichten. „Durch das kühle Wetter im Mai sind sie tiefer geflogen als üblich, dabei sind einige an Hausmauern geprallt.“ Das Team der Klinik, zu dem auch eine Tierärztin gehört, kümmert sich um verletzte und/oder aus dem Nest gefallene Mauersegler.


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