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Handeln statt reden: Großstadtgesundheitsämter wollen sich verstärkt dem Thema Klima widmen

30.08.2022, 12:41 Uhr

Dr. Peter Tinnemann
Dr. Peter Tinnemann, Leiter des Gesundheitsamtes © Stadt Frankfurt am Main , Foto: Ben Kilb
„Wenn wir nichts tun, wird die Klimakrise etwas mit uns tun“: Mit diesem Statement hat Dr. Peter Tinnemann, Leiter des Gesundheitsamtes, Tag zwei des Treffens der Großstadtgesundheitsämter eröffnet. Amtsleitungen der Gesundheitsbehörden aus 14 deutschen Großstädten wie München, Köln, Leipzig und Hannover trafen sich am 25. und 26. August auf Einladung Tinnemanns, um über Aktuelles, Digitalisierung und Forschung zu sprechen. Der zweite Tag drehte sich um die größte Herausforderung, der sich die Gesundheitsämter stellen müssen: die Klimakrise. „Jetzt sofort und nicht erst in Zukunft“, wie Tinnemann unterstrich. „Wir brauchen nichts mehr zu analysieren; wir müssen in den Umsetzungsmodus kommen.“

Wie dies gelingen kann, berieten die Amtsleitungen in einem Workshop, angeleitet von Katharina Wabnitz und Maike Voss vom Centre for Planetary Health Policy in Berlin. Wabnitz und Voss hatten zuvor eindrücklich erläutert, wie es um den Planeten Erde und das Klima steht und welche Auswirkungen dieser Zustand auf die Gesundheit der Bevölkerung hat: Extreme Hitze kann bei Vorerkrankten, Älteren oder Kleinkindern zum vorzeitigen Tod führen. Luftverschmutzung erhöht die Sterblichkeit, steigende Temperaturen verlängern Pollenflugphase sowie -produktion und fördern damit Allergien. Übertragbare Krankheiten nehmen zu und auch die mentale Gesundheit kann beim Blick in eine Zukunft, die von Hitze, Dürre und Extremwetterereignissen geprägt sein wird, leiden. „Es braucht eine tiefgreifende Transformation“, sagte Wabnitz.

Die Gesundheitsämter können bei dieser Transformation eine entscheidende Rolle spielen. Erste Schritte wurden bereits gemacht: So gibt es etwa in Frankfurt ein Hitzewarnsystem für Alten- und Pflegeheime, über Broschüren und die sozialen Medien informiert das Gesundheitsamt über richtiges Verhalten an heißen Tagen. Das Gesundheitsamt Köln hat einen Hitzeknigge veröffentlicht, in Leipzig gibt es einen Hitze-Aktionsplan. „Damit können wir die Auswirkungen der Klimakrise abmildern. Aber wir müssen uns auch die Frage stellen, was wir als Ämter tun können, um Emissionen zu verringern, die den Klimawandel weiter befeuern“, sagte Tinnemann.

Ein klimaneutrales Mustergesundheitsamt zu bauen, das anderen Behörden oder öffentlichen Gebäuden als Vorbild dient, ist nur eine Idee aus dem Workshop. Andere sind, das Thema Klima nicht nur in einzelnen, sondern in sämtlichen Abteilungen der Ämter mitzudenken, die planetare Gesundheit in den Ämtern zu implementieren, sich untereinander besser zu vernetzen. „Was sollten wir jetzt tun, was sollten wir in Zukunft tun dürfen und welche Ressourcen brauchen wir dafür? Diese Fragestellung wird die Amtsleitungen bei den kommenden Treffen begleiten“, sagte Voss.

Wie wichtig diese Treffen sind, haben die zwei Tage in Frankfurt deutlich gemacht: „Es ist seit rund drei Jahren die erste persönliche Zusammenkunft. Ich nehme daraus sehr viel mit: Wie wichtig und hilfreich ein solcher Austausch für unser tägliches Handeln ist und wie notwendig es ist, dass wir uns intensiv mit Klima und Gesundheit auseinandersetzen“, sagt Dr. Johannes Nießen, Vorsitzender des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes und Leiter des Gesundheitsamts Köln.

„Unser gemeinsames Ziel wird sein, konkrete Schritte zu definieren, um die Klimakrise und deren Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung einzudämmen. Schon jetzt können wir voneinander lernen. Und wir werden umso mehr Gehör finden, wenn wir mit einer Stimme sprechen“, schloss Tinnemann.

Das nächste Treffen der Großstadtgesundheitsämter ist für Anfang kommenden Jahres geplant.
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